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News rund um die Restaurierung der Ahrweiler Sammlungsbestände

Sieben Museen in Rheinland-Pfalz waren 2021 von der Flut betroffen, ganz besonders traf es das Stadtmuseum Bad Neuenahr-Ahrweiler. Es war zuvor aus Brandschutzgründen geschlossen und seine Sammlung in ein unterirdisches Depot verbracht worden. Das lag zwar nicht im Hochwasserrisikogebiet, wurde in der Nacht vom 14. auf 15. Juli 2021 dennoch vollständig geflutet und stand danach 14 Tage unter Wasser.

Während dieser Zeit lagerten an die 2.800 Objekte in einem Gemisch aus Schmutzwasser, Öl, Sediment und Fäkalien. Die genaue Zahl ist nicht bekannt – auch das hauseigene Inventar ist dem Hochwasser zum Opfer gefallen.

Bedingt durch den Klimawandel werden Museen sich künftig häufiger auf extreme Wetterereignisse einstellen müssen. Das Beispiel des Stadtmuseums führt dabei in besonderem Maße die Notwendigkeit vor Augen, Kulturgut präventiv zu schützen und Kulturgutschutz als Langzeitaufgabe zu begreifen. In Ahrweiler selbst konnten dank der einzigartigen Hilfsbereitschaft bei Bergung, Notfallversorgung, Transport, Lagerung und Restaurierung letztlich weitaus mehr kulturhistorische Zeugnisse gerettet werden, als zu hoffen gewagt. Die Zukunft der Sammlung ist dennoch ungewiss.


An dieser Stelle halten wir Sie über Fortschritte rund um die Restaurierung der Ahrweiler Sammlungsbestände auf dem Laufenden und teilen News rund um die Kulturgutrettung im Ahrtal und darüber hinaus mit Ihnen! 


 

Restaurierungspaten besichtigen Ahrtal-Gemälde in Trier

25.01.2024 | 55 flutgeschädigte Gemälde aus dem Ahrtal nahm das Stadtmuseum Simeonstift 2021 in seine Obhut. Zahlreiche Patenschaften aus ganz Deutschland sichern die Finanzierung der aufwendigen Restaurierungsarbeiten. Am Mittwoch kam eine Delegation aus Nordrhein-Westfalen zu Besuch an die Mosel, um dem Restaurator bei der Arbeit über die Schulter zu schauen.

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Zu den dramatischen Folgen der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 gehörten auch beträchtliche kulturelle Schäden: Die museale Sammlung der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler lagerte in einer Tiefgarage und konnte erst nach 15 Tagen aus dem Wasser geborgen werden. Die Sammlung wurde nach einer Notbergung auf Museen in ganz Deutschland verteilt, 55 Gemälde kamen zur Erstversorgung in das Stadtmuseum Simeonstift Trier. Um die Kosten der anlaufenden Restaurierungen zu stemmen, haben auch Privatpersonen, Institutionen und Vereine Patenschaften übernommen.
Am Mittwoch besuchte eine Delegation des Vereins wir.einander e.V. aus dem nordrhein-westfälischen Dormagen das Stadtmuseum Simeonstift und ließ sich von Restaurator Dimitri Scher darüber aufklären, welche besonderen Herausforderungen die Restaurierung der Flutgemälde bergen. Anhand von Gemälden, die sich in unterschiedlichen Stadien der Restaurierung befinden, erläuterte Scher die Arbeitsschritte – von der Entfernung grober Schlamm-Reste über das Festigen der Malschicht bis zum abschließenden Retuschieren und Firnissen.

Höhepunkt des Termins war die Präsentation des Gemäldes „Totenmaar“ von Pitt Kreuzberg – ein für die Sammlung der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler zentrales Kunstwerk aus dem Jahr 1919, für das der Verein die Patenschaft übernommen hatte. Es zeigt in expressiver Farbpalette die eindruckvolle Landschaft der Vulkaneifel bei Daun, in die das sogenannte „Totenmaar“ (Weinfelder Maar) mit dem kleinen Friedhof eingebettet ist. Restaurator Dimitri Scher präsentierte dem sichtlich beeindruckten Publikum nicht nur das kurz vor der Vollendung stehende Gemälde, sondern auch die Brocken von getrocknetem Ahr-Schlamm, die er während der Restaurierung in einer Plastikdose gesammelt hat.

Heike Wernz-Kaiser, Sammlungsleiterin der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, war glücklich, das Werk wieder in einem erkennbaren Zustand zu erblicken: „Für das kulturelle Erbe des Ahrtals hat dieses Gemälde einen unschätzbaren Wert. Es hat viele Widrigkeiten überstanden, darunter die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs und nun auch die Flutkatatrophe. Für die anhaltende Unterstützung gilt mein Dank allen engagierten Institutionen und Privatpersonen.“


 

Chronik in Bildern. Das Stadtmuseum Bad Neuenahr-Ahrweiler und die Hochwasserkatastrophe 2021

Beitrag in der Museumskunde

15.11.23 | Sieben Museen in Rheinland-Pfalz waren 2021 von der Flut betroffen, ganz besonders traf es das Stadtmuseum Bad Neuenahr-Ahrweiler. Seine Sammlung befand sich in einem unterirdischen Depot, das zwar nicht im Hochwasserrisikogebiet lag, in der Nacht vom 14. auf 15. Juli 2021 dennoch vollständig von der Ahr geflutet wurde. 2 Wochen stand es unter Wasser. Während dieser Zeit lagerten an die 2.800 Objekte in einem Gemisch aus Schmutzwasser, Öl, Sediment und Fäkalien. Die genaue Zahl ist nicht bekannt — auch das hauseigene Inventar ist dem Hochwasser zum Opfer gefallen.

Bedingt durch den Klimawandel werden sich Museen künftig häufiger auf extreme Wetterereignisse einstellen müssen. Das Beispiel des Stadtmuseums führt dabei in besonderem Maße die Notwendigkeit vor Augen, Kulturgut präventiv zu schützen und Kulturgutschutz als Langzeitaufgabe zu begreifen. In Ahrweiler selbst konnten dank der einzigartigen Hilfsbereitschaft bei Bergung, Notfallversorgung, Transport, Lagerung und Restaurierung weitaus mehr kulturhistorische Zeugnisse gerettet
werden, als zu hoffen gewagt. Die Zukunft der Sammlung ist dennoch ungewiss.

Beitrag in: Klima, Krieg, Naturkatastrophen – Museen in der Multikrise | Museumskunde Band 88, Heft 1 & 2 | S. 50–57


Chronik in Bildern. Das Stadtmuseum Bad Neuenahr-Ahrweiler und die Hochwasserkatastrophe 2021 (PDF)


 

Rettung der Gründungsurkunde des Heilbades Bad Neuenahr stellt Wissenschaft vor Herausforderungen

13.07.23 | Sie stellt ein einzigartiges Zeugnis der „Geburt“ des Heilbades Neuenahr dar: die Urkunde der Quellenweihe 1858 aus Bad Neuenahr-Ahrweiler, im Volksmund „Apollinaris-Urkunde“ genannt. Sie wurde bei der Ahr-Flut im Juli 2021 massiv beschädigt: Teile des aus Pergament bestehenden Dokuments und der handschriftlichen Signaturen haben sich mit dem Glas der Rahmung verbunden. Wie das historische Dokument gerettet werden kann, beschäftigt Fachleute aus mehreren Bundesländern. Der Schmuckrahmen und das dazugehörende Trinkglas von Prinzessin Augusta konnten mit Hilfe privater Spenden über den Museumsverband Rheinland-Pfalz und dank der restauratorischen Expertise des Erkenbert-Museums Frankenthal hingegen bereits restauriert werden.

Die hierbei gewonnen Erkenntnisse zur Wiederherstellung von Pergamentdokumenten sollen der internationalen Wissenschaft zur Verfügung gestellt werden. Über den Stand der Restaurierung und die Anstrengungen des Landes zum Kulturgutschutz wurde am 13. Juli 2023 im Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz (LBZ) in Koblenz informiert. Anwesend waren Kulturministerin Katharina Binz, Dr. Annette Gerlach, Leiterin des Landesbibliothekszentrums RLP, Prof. Dr. Andrea Pataki-Hundt (Köln, Cologne Institute of Conservation Sciences, CICS), Peter Diewald (Erster Beigeordneter der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler), Heike Wernz-Kaiser M.A. (Bereichsleitung Kultur Bad Neuenahr-Ahrweiler) und Ricarda Holly, Diplom-Restauratorin (Restaurierungsatelier Holly, Vorstand Verband der Restauratoren VDR).


Bedeutung der Urkunde

Die Urkunde ist ein einzigartiges Dokument. Sie trägt neben anderen die Originalunterschrift der späteren Königin von Preußen und deutschen Kaiserin Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach. Mit dem Dokument wird die Namensgebung der „Augusta“- und „Victoria“-Quelle belegt. Mit den Worten „Gott schütze Neuenahr“ von Prinzessin Augusta geschrieben, wird das neue Heilbad erstmals mit dem Namen „Neuenahr“ in Verbindung gebracht.

Das Originaldokument ist in vielerlei Hinsicht wertvoll für das „Gedächtnis“ der Region: So hat es für zahlreiche historische, regionalgeschichtliche, wirtschaftsgeschichtliche und medizingeschichtlichen Fragestellungen einen bedeutenden Quellenwert für die Forschung.

Die Urkunde ist ein anschauliches Zeugnis für die weltweit bedeutende Geschichte der Bäderkultur, in der auch Rheinland-Pfalz eine wichtige Rolle spielt. Nicht zuletzt ist die Urkunde Zeugnis für die Gefahren, die Kulturgut durch Katastrophen und Notfälle drohen und sie zeigt, wie komplex die Restaurierung sein kann.


Quellurkunde in museum-digital



Schäden durch die Flut

Beim Hochwasser an der Ahr am 14. Juli 2021 wurde die Urkunde massiv beschädigt. Sie befand sich zu diesem Zeitpunkt im Bereich des Cafés im Kurpark Bad Neuenahr. Durch das Flutwasser wurde sie sehr stark durchfeuchtet. Aufgrund der dramatischen Situation im Tal gelangte die Urkunde erst im August 2021 in das Restaurierungsatelier von Ricarda Holly in Kruft.

Zwar konnten in der Zwischenzeit der Schmuckrahmen und das dazugehörende Trinkglas von Prinzessin Augusta dank privater Spenden über den Museumsverband Rheinland-Pfalz und der Amtshilfe des Erkenbert-Museums Frankenthal restauriert werden – die Rettung der Urkunde selbst stellt sich aber als bisher in der Wissenschaft unbekannter Problemfall dar, der Expertinnen und Experten aus Rheinland-Pfalz und ganz Deutschland beschäftigt.

Der Grund: Teile des aus gekalktem Pergament bestehenden Dokuments und der handschriftlichen Signaturen sind durch die Feuchtigkeit aufgequollen und haben sich mit dem Glas des Bilderrahmens verbunden. Eine Ablösung der „Calcinierung“ bei gleichzeitigem Erhalt der Darstellung scheint nach heutigem Kenntnisstand unmöglich. Es liegt in der Restaurierungshistorie kein vergleichbarer Schaden eines Pergaments vor.
 

Urkunde wird als Forschungsprojekt für zukünftige Katastrophenfälle und als Zeitdokument der Flut 2021 eingestuft

Auf Initiative der Landesstelle für Bestandserhaltung (LBE) in Rheinland-Pfalz kamen deshalb im Mai 2023 auf Pergament-Restaurierung spezialisierte Expertinnen und Experten aus Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg in den Räumen des Landesbibliothekszentrums (LBZ) in Koblenz zusammen, um die weiteren Schritte zur Rettung des Dokuments zu beraten.

Nach Meinung des Gremiums ist die weitere Behandlung der Urkunde als Forschungsprojekt einzustufen und zu dokumentieren. Das Vorgehen soll als Beispiel für zukünftige Restaurierungsprojekte zur Rettung von schriftlichem Kulturgut nach Katastrophen dienen. Die Urkunde wird als Zeitdokument der Flut 2021 eingestuft. Es ist nicht das Ziel und erscheint auch schwer möglich, sämtliche Wasserschäden zu beseitigen.

Geplant ist jetzt zunächst die Digitalisierung/das Anfertigen eines Faksimiles zur Dokumentation des aktuellen Zustandes. In einer späteren Gegenüberstellung zur restaurierten Urkunde könnte so in Ausstellungen die Arbeit der Restauratorinnen und Restauratoren dokumentiert werden. Nach einer Analyse von Materialproben im Kölner Institut für Konservierungswissenschaften (CICS) soll dann versucht werden, die noch auf der Scheibe klebenden Bereiche des Pergaments zu lösen, die Papierverklebungen auf der Rückseite zu beseitigen und das Pergament zu reinigen und zu glätten.
 

Ministerin Binz lobt Zusammenarbeit

Ministerin Binz kündigte weitere Anstrengungen des Landes an, um für kommende Notfälle und Katastrophen auch beim Kulturgutschutz besser aufgestellt zu sein. „Die Beschädigung der Apollinaris-Urkunde vermittelt eindrucksvoll, was ein Hochwasser anrichten kann und wie aufwändig danach die Rettung ist. Sie erinnert uns daran, dass wir in unseren Anstrengungen zum Schutz wertvoller Kulturgüter nicht nachlassen dürfen. Wir werden deshalb den eingeschlagenen Weg zum präventiven Kulturgutschutz gemeinsam mit den Fachleuten und dem Innenministerium weitergehen. Neben der bereits eingerichteten Landesstelle für Bestanderhaltung spielt hier künftig der Aufbau eines Kulturgutkatasters und eines landesweiten Notfallverbundes eine wichtige Rolle“.

Die Leiterin des Landesbibliothekszentrums Rheinland-Pfalz (LBZ), Dr. Annette Gerlach, lobte den Einsatz der Restauratorinnen und Restauratoren, die gemeinsam mit anderen Fachleuten bei der Suche nach einer Lösung für die Wiederherstellung der Urkunde nichts unversucht lassen würden. Angesichts dieser besonderen Problematik habe die Landesstelle Bestanderhaltung (LBE), die im LBZ angesiedelt ist, im Vorfeld schnell gehandelt und das Treffen der Fachleute in Koblenz organisiert. „Wir haben mit der Apollinaris-Urkunde Neuland betreten. Wir brauchen die spezialisierte Forschung, um bei bisher unbekannten Schadensbildern aktiv werden zu können und neue Restaurierungschancen für wertvolle Kulturgüter nach Großschadensereignissen wie der Ahr-Flut zu ermöglichen.“

Landesbroschüre zum Wiederaufbau im Ahrtal anlässlich des 2. Jahrestags der Flut

„Spendenengel“ vertritt die Kultur im Ahrtal

11.07.2023 | Stellvertretend für die Kultur im Ahrtal haben es der kleine Barockengel, der der Spendenkampagne des Museumsverbands Rheinland-Pfalz sein Gesicht lieh, und die Schützenfahnen des Schützenmuseums Bad Neuenahr-Ahrweiler in die Wiederaufbaubroschüre des Landes Rheinland-Pfalz geschafft (s. S. 35):

Er hat der Flutkatastrophe ein Gesicht gegeben: Der Engel aus der Sammlung der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler wurde im Juli 2021 unter Schlammschichten geborgen. Die langanhaltende Feuchtigkeit hatte zu massiven Schimmelausblühungen geführt. Inzwischen strahlt er jedoch wieder: Er wurde aufwändig behandelt, von Schimmel befreit, einer Schadstoffanalyse unterzogen, rekonstruiert und vergoldet. Aus dem flutgeschädigten Cherub ist ein „Engel der Zuversicht“ geworden. 2022 konnte er im Rahmen einer Benefizausstellung der Bäderpartnerschaft Bad Salzuflen erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden. Die Restaurierung wurde aus dem Spendentopf des Museumsverbands Rheinland-Pfalz für die Restaurierung flutgeschädigten Kulturguts finanziert.


Cherub in museum-digital


 

Fünf Seidenfahnen der Ahrweiler Bürgerschützen wurden durch das Hochwasser stark geschädigt. Noch vor Ort durchliefen sie eine erste Schimmelbehandlung und wurden dann in einer auf Textilien spezialisierten Restaurierungswerkstatt stabilisiert, gereinigt und anschließend restauriert. Die Bilder in der Broschüre zeigen die Fahne des Leutnantsglieds vor und nach der Restaurierung. Die Fahnen sind nach der Restaurierung wieder stabil genug, um am Ahrweiler Leben teilzunehmen! Die Fahnen wurden im Rahmen der Corona-Förderlinie der Ernst von Siemens-Kunststiftung restauriert.

Das Bildmaterial wurde vom Museumsverband Rheinland-Pfalz zur Verfügung gestellt.


Broschüre zum Wiederaufbau anlässlich des 2. Jahrestags der Flut (s. S. 35)


 

Schützenmuseum Ahrweiler plant Wiedereröffnung für 2024

28.06.2023 | Das seinerzeit von der Flut schwer getroffene Schützenmuseum in Ahrweiler plant nach umfangreichen Sanierungsarbeiten die Wiedereröffnung für 2024. Es handelt sich bei dem Haus der Schützen um das einzige Schützenmuseum in Rheinland-Pfalz. Seine komplette Sammlung sowie das Museumsgebäude wiesen nach der Flut 2021 massive Wasserschäden auf. Glücklicherweise konnten das sogenannte „Seelenbuch“, ein Mitgliederverzeichnis der Schützen, das bis ins Jahr 1655 zurückreicht, sowie Protokoll- und Kassenbücher aus den vergangenen 150 Jahren geborgen werden. Das Seelenbuch wurde bereits 2022 durch Kulturministerin Katharina Binz restauriert an die Schützengesellschaft übergeben. Auch das Schützensilber sowie historische Waffen und Seidenfahnen der Ahrweiler Bürgerschützen wurden gerettet. Dank fachmännischer Erstversorgung und anschließender Restaurierung nahmen die Ahrweiler Schützenfahnen bereits an der Fronleichnamsprozession 2022 das erste Mal wieder am Ahrweiler Leben teil. Sie sind dort seither nicht mehr aus dem Schützenbrauchtum wegzudenken.

Auch die tatkräftige Mitarbeit der Menschen vor Ort sowie die großzügige Unterstützung von außen reißen nicht ab – wie etwa die Spende über 5.000 Euro der Sankt Sebastianus Schützenbruderschaft Büderich an die Ahrweiler Schützen zeigt. Nun sollen endlich auch die letzten Schäden am Museum beseitigt werden, damit das Schützenmuseum wieder seine Pforten öffnen kann!


Bis es so weit ist, können Interessierte das Schützenmuseum in einem 360°-Rundgang besuchen!


 

Erkenbert-Museum lässt hinter die Kulissen blicken

Tag der Restaurierung im Erkenbert-Museum | 20. Juni 2023

10.06.2023 | Was tut sich hinter den Kulissen des Museums? Warum sind Restauratoren für ein Museum wichtig? Wie sieht der Alltag von Restauratoren aus? Antworten auf diese Fragen gibt es am „Tag der Restaurierung“ im Erkenbert-Museum am Dienstag, 20. Juni. Mit einem vielfältigen Programm – einer Restauratoren-Sprechstunde, einem Workshop für Kinder und einem Vortrag – präsentieren die Frankenthaler Restauratoren ihr Aufgabengebiet.

Sprechstunde und Kinder-Workshop

Los geht es von 12 bis 14 Uhr mit einer Restauratoren-Sprechstunde. Dabei begutachten die drei am Erkenbert-Museum tätigen Experten Bernd Mohr, Heidrun Narbeshuber und Joanna Bella im Haus am Rathausplatz Kunstwerke und Haushaltsgegenstände aus den Bereich Metall und (Groß-)Uhren (Mohr), Glas, Keramik und Porzellan (Narbeshuber) sowie Gemälde und Skulpturen (Bella). Die Teilnahme ist kostenlos und ohne Voranmeldung. Restaurierungen können vor Ort nicht vorgenommen werden.

Von 15 bis 17 Uhr können in Zusammenarbeit mit der Stadtbücherei Kinder ab sechs Jahren einer Restauratorin des Erkenbert-Museums bei der Reinigung eines Bildes über die Schulter schauen. Anschließend darf beim Reinigen einer Glocke mit Kreide das Restaurieren selbst erprobt werden. Zusammen mit der Bibliothekarin Andrea Henn-Gangnus geht es anschließend mit dem Buch „Lieselotte findet einen Schatz“ auf tierische Schatzsuche. Die teilnehmenden Kinder können im Anschluss eigene Schatzkarten gestalten und altern lassen oder Bildvorlagen kreativ „restaurieren“. Die Teilnahme ist kostenlos, um Anmeldung an stadtbuecherei(at)frankenthal.de bzw. 06233 89 630 wird gebeten.

Erinnerung erhalten: Vortrag von Heike Wernz-Kaiser

Den Abschluss des „Tags der Restaurierung“ bildet um 19 Uhr ein Vortrag mit dem Titel „The Schlamm is everywhere“. Heike Wernz-Kaiser, Leiterin des Stadtmuseums von Bad Neuenahr-Ahrweiler, spricht über die dramatischen Tage und Wochen nach der Flutkatastrophe im Ahrtal im Jahr 2021 und über Restaurierung und Erhalt der Sammlungsstücke im Kontext der Erinnerungskultur in Rheinland-Pfalz. Hintergrund: Das Erkenbert-Museum übernahm im Jahr 2021 sieben Gemälde und einen Trinkbecher mit Silberdeckel zur Restaurierung aus dem von der Flutkatastrophe im Ahrtal schwer in Mitleidenschaft gezogenen Stadtmuseum von Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die restauratorische Behandlung der Objekte erfolgt in enger Abstimmung mit Wernz-Kaiser. Gemeinsam arbeiten beide Museen an der Rettung des kulturellen Erbes im Land. Denn nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart gestalten.

Der Eintritt zum Vortrag ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich.

Rheinland-Pfalz legt bei der Kulturgutrettung nach ...

Interview im SWR2 mit Bettina Scheeder

13.04.2023 | Die Situation vor Ort war jenseits ihrer Vorstellungsraft: die komplette Infrastruktur zerstört, kein Telefonnetz, kein Strom, kein Internet, kein Wasser. Die Akteure vor Ort waren von der Außenwelt abgeschnitten und nicht immer gut vernetzt, die Anbindung an den Katastrophenschutz schwierig und die normalen Nachrichtenwege außer Kraft gesetzt ... die ehemalige Geschäftsführerin des Museumsverbands, Bettina Scheederspricht über ihre Erfahrungen mit der Flutkatastrophe und darüber, wie Rheinland-Pfalz nun bei der Kulturgutrettung nachlegen will.

Beitrag im SWR2 vom 13. April 2023; das Interview führte Sandra Biegger.

Flutkatastrophen. Wie schützen wir das Kulturerbe?

Nachrichtenblatt der Landesdenkmalpflege Baden-Württemberg

28.03.2023 | Kulturgut zu erhalten und vor Gefährdungen zu schützen, ist die Kernaufgabe von Denkmalschutz und Denkmalpflege. Eine ganz besondere Herausforderung stellen hierbei Extremwetterereignisse dar, die selten auftreten, aber dann teils tragische Auswirkungen haben und neben der Bevölkerung auch Kulturgüter und -denkmale betreffen. Einen traurigen Höhepunkt bildete zuletzt die Flutkatastrophe im Ahrtal im Juli 2021. Bedingt durch den Klimawandel werden wir uns künftig häufiger auf Hochwasser und Starkregen einstellen müssen.

Ein Workshop der Arbeitsgruppe „Kulturerbe im Hochwasserrisikomanagement“ ging daher im Juli 2022 der Frage nach, was wir aus dem Beispiel der Flutkatastrophe lernen und wie wir unser kulturelles Erbe auf künftige Ereignisse vorbereiten können. Ein Beitrag von Jarah Seider, Lea Mobilia und Michael Hascher mit einem Bericht von der Bergung des Kulturguts nach der Überflutung im Ahrtal. Bilder und Inhalte wurden hierfür zum Teil vom Museumsverband Rheinland-Pfalz gestellt.


Flutkatastrophen. Wie schützen wir das Kulturerbe? Jarah Seider, Lea Mobilia, Michael Hascher, in: Nachrichtenblatt der Landesdenkmalpflege Baden-Württemberg, Bd. 52 Nr. 1 (2023), S. 14-22https://doi.org/10.11588/nbdpfbw.2023.1.


 

Nach der Flut wieder in Schwung

Maßnahmen zum Erhalt und zur Ertüchtigung der Kohlensäuregas-Verflüssigungsanlage Bad Bodendorf

Bericht von Josef Erhardt, Stellv. Vorsitzender und Archivar Heimat- und Bürgerverein Bad Bodendorf

01.03.2023 | Die Jahrhundertflut im Ahrtal traf die Kohlensäuregas-Verflüssigungsanlage des ehemaligen Kohlensäurewerks St. Josef Sprudel hart. Von 1918 bis 1967 war hier Kohlensäure für den Bodendorfer Sprudel produziert worden. Nach dem Verkauf von St. Joseph Sprudel erfolgte die Stilllegung des Werks. Erst 2001 wurde die Anlage wiederentdeckt und in mühevoller ehrenamtlicher Arbeit als Technikmuseum ab 2013 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Zahlreiche Gäste besuchten seitdem Jahr für Jahr das einzigartige Industriedenkmal im Ahrtal – bis die Flut die Anlage überschwemmte und alles im Schlamm versank. Das Gebäude samt technischer Anlagen stand über 1,70 Meter im Wasser. Das Museum ist seitdem geschlossen. Bis Herbst 2023 soll die Kohlensäuregas-Verflüssigungsanlage wieder ertüchtigt und für Gäste geöffnet werden.

Maßnahmen zum Erhalt und zur Ertüchtigung der Kohlensäuregas-Verflüssigungsanlage

Inzwischen ist es dem Team des Technikmuseums Bad Bodendorf mit Hilfe eines ebenfalls ehrenamtlich tätigen Restaurators gelungen, die Kohlensäuregas-Verflüssigungsanlage mit dem großen Schwungrad und den Kompressoren zur Verdichtung der Kohlensäure 55 Jahren nach Produktionsende und dem Stillstand der Maschinen wieder in Bewegung zu setzen. Aus der Fluthilfe wurde ein geringer Betrag zur Verfügung gestellt. Dieser Betrag reichte aus, um den ersten Arbeitsschritt zu finanzieren: Die Spuren der Flut wurden beseitigt, die Abnahme des mehrere Millimeter dicken getrockneten Schlamms und Schlicks erfolgte mittels Trockeneis-Strahlverfahren. Die Kohlenstoffdioxidgasverflüssigungsanlage wurde durch festes Kohlenstoffdioxid wieder auf Vordermann gebracht.

Anschließend konzentrierte sich das Team auf die Entfernung der Rückstände im Inneren der altehrwürdigen Maschinen. Zunächst wurden hierzu die beiden Pleuelstangen demontiert. Was sich so einfach anhört, war schweißtreibende Arbeit, denn die Pleuel wurden 1918 mit dem Kolben verkeilt und durch Splinte gesichert. Diese Keilverbindungen mussten nach 55 Jahren in feuchter Umgebung im korrodierten Zustand gelöst werden, ohne dabei Schäden zu verursachen. Ebenso schwierig gestaltete es sich, die schweren Kolben nach so langer Zeit aus den Zylindern mit stark verpresster Abdichtung, auch Packung genannt, zu ziehen. Dies war nur mittels Kettenzug und dank der massiven Hauswand möglich. Auch einige Werkzeuge mussten neu beschafft werden, denn wer hat schon einen 42er Schlüssel oder Auspresswerkzeuge auf Lager. Nach drei Tagen intensiver Arbeit war es dann so weit: Obwohl die Flut die Maschinen komplett unter Wasser gesetzt hatte, konnte das große Schwungrad erstmals nach 55 Jahren mittels Körperkraft wieder in Bewegung gesetzt werden.

Eines hatte bei allen Arbeitsschritten oberste Priorität: Jedes Teil sollte unversehrt bleiben, denn die Anlage steht unter Denkmalschutz und muss in ihrem historischen Zustand erhalten bleiben! In Zukunft ist geplant, die Maschinen auch im Betriebszustand zu zeigen. Eine reibungslose Funktion ist jedoch nur durch schadensfreie Bauteile umsetzbar.

Spende ermöglicht zukünftige Vorführung der Anlage

Ein nächster Schritt, die Anlage zukünftig in Betrieb vorzuführen, ist gemacht: Da die Transmissionsriemen in den zurückliegenden 55 Jahren nicht gepflegt wurden, waren sie hart und spröde geworden. Eine Weiterverwendung war nicht möglich. Das Technikmuseum Bad Bodendorf erhielt Mitte Januar 2023 überraschend materielle Unterstützung aus Bergheim/Erft. Ein ehrenamtlicher Mitarbeiter des Museums hatte bei seinem ehemaligen Arbeitgeber im Braunkohlerevier Huber Martinswerk GmbH angefragt, ob eine Unterstützung mit Antriebsriemen für die Transmission möglich sei. Das Werk betreibt seit über 100 Jahren ähnliche Transmissionsantriebe wie diejenigen, die in der Kohlensäuregas-Verflüssigungsanlage verbaut waren. Ohne lange zu überlegen, sagte die Werkleitung ihre Unterstützung zu, die benötigten fünf Transmissionsriemen wurden in Auftrag gegeben und konnten bereits am 19. Januar beim Werkleiter abgeholt werden. Als Dankeschön wurden dem Werk ein Ahrweinpräsent sowie die Chronik der Flut im Ahrtal überreicht. 

Einsturzgefährdetes Industriedenkmal benötigt auch in Zukunft Hilfe

Aktuell liegt die große Hoffnung des Museumteams auf der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz respektive der Landesdenkmalpflege in Mainz. Denn für den langfristigen Erhalt der technischen Anlage ist die Sicherung der durch die massiven Auswirkungen der Flut instabil gewordenen, über 100 Jahre alten Gebäudehülle zwingend notwendig. Gegenwärtig sichern provisorisch eingesetzte Holzbalken die Zwischendecke und die Dachkonstruktion vor dem Einsturz. Wegen des Provisoriums sind die Tätigkeiten an der technischen Anlage immer mit einem etwas mulmigen Gefühl verbunden. Erst durch die Sicherung und den Erhalt der Gebäudehülle wird es möglich sein, das Industriedenkmal langfristig zu bewahren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bereits im Herbst 2022 wurde auf der Tagung „Restaurierungskolloquium Querbeet 3.0“ der Landesdenkmalpflege Rheinland-Pfalz in Mainz über den Erhalt der Kohlensäuregas-Verdichtungsanlage als einzigartiges technisches Kulturgut im Ahrtal berichtet.

Bis Herbst 2023 soll die Kohlensäuregas-Verflüssigungsanlage wieder zusammengebaut sein und für Gäste geöffnet werden.


Sammlung: Bodendorfer Quellen (Heimatmuseum und -Archiv Bad Bodendorf) bei museum-digital


 

So geht die Reise für die havarierten Ahrweiler Kunstwerke zu Ende ...

Update aus dem ZKM Karslruhe

24.02.2023 | Eine lange Reise geht für die letzten havarierten Kunstwerke des Stadtmuseums Bad Neuenahr-Ahrweiler, die noch im Zentrum für Kunst und Medien | ZKM Karlsruhe magaziniert sind, zu Ende: Direkt nach der Flutkatastrophe erklärte sich das ZKM bereit, 15 bis 20 Gemälde, die schnell versorgt werden mussten, aus dem Depot des Stadtmuseums bei sich aufzunehmen. In Karlsruhe angekommen sind dann allerdings 47 Packstücke, darunter zur Überraschung des Restaurierungsteams ein Papierkonvolut mit etwa 150 Papierarbeiten, das eigentlich im Kölner Stadtarchiv hätte behandelt werden sollen. In kürzester Zeit mussten Wannen und hunderte Liter destilliertes Wasser organisiert werden. Der Platzbedarf für die anschließende Trocknung der Blätter war enorm, Molton-Stoffe dienten als Provisorium. Von der Druckwerkstatt der HfG | Hochschule für Gestaltung bekam das ZKM schließlich ein Trocknungsregal gestellt. 

Auch der Zustand der Gemälde stellte die Anwesenden vor große Herausforderungen. Eine Kontamination durch Schimmel, Geruchsbelästigung, giftige Substanzen wie Fäkalien, Treibstoffe, Öle und Chemikalien sind eine Bedrohung für jede Sammlung sowie alle Mitarbeiter:innen vor Ort. Werke mit solchen Verschmutzungen können in klassischen Restaurierungswerkstätten deshalb in der Regel gar nicht angenommen werden. Das Restaurierungsteam des ZKM um Christof Hierholzer hat hier Enormes geleistet, es hat erstversorgt und gerettet, was zu retten war. Auch die Nachbarmuseen in Nordbaden wurden von Karlsruhe aus mobilisiert. Einige der Werke waren jedoch so stark beschädigt, dass die Verantwortlichen schließlich von weiterführenden konservatorischen Maßnahmen absehen mussten – darunter auch 15 bis 20 kleinformatige Gemälde, allen voran vom expressionistischen Maler Pitt Kreuzberg (1888-1966), dessen Nachlass das Stadtmuseum verwahrte. Die auf Holzträger aufgebrachte Kreidegrundlage der Gemälde hielt der Feuchtigkeit nicht stand. Die Farbe wurde von den Wassermassen quasi abgespült. Auch einige größere Gemälde, etwa von Carl Weißgerber (1891-1968), sind betroffen. Sie alle sind nur noch als Fragmente erhalten.

Mehr als 1/3 der Gemälde konnte aufgrund ihres Zustandes bei der Anlieferung nicht gerettet werden, dafür aber nahezu alle Arbeiten auf Papier. Die kleineren Fragmente wurden nun sorgfältig von zwei Bogy-Praktikantinnen des ZKM für den Weiter- bzw. Rückversand ins Stadtmuseum Ahrweiler verpackt. Noch ist ungeklärt, wann genau sie tatsächlich zurückkehren können. In Ahrweiler weiß man schlicht nicht, wohin damit. Vielleicht erhalten die Gemälde ja als Erinnerungsstücke irgendwann ein zweites Leben in ihrer Heimat.

Anderthalb Jahre später: So steht es mit den Restaurierungsmaßnahmen in Frankenthal

17.02.2023 | Rund anderthalb Jahre ist die Flutkatastrophe her. Doch im Ahrtal ist noch längst nicht alles, wie es mal war. Im Gegenteil, den Menschen vor Ort geht vieles schlichtweg zu langsam. RON-Reporterin Romy Schiemann hat die Region besucht und schildert ihre persönlichen Eindrücke. Doch zuvor schaut der Sender auf die Kultur und spricht mit Spezialisten aus Frankenthal, wo man auch anderhalb Jahre später noch mit der Restaurierung von Gemälden aus dem Ahrtal beschäftigt ist.

Aus: RON-TV, Bericht vom 17.02.2023

SWR Aktuell Rheinland-Pfalz berichtet: So wollen Museen in Rheinland-Pfalz ihre Schätze vor Hochwasser schützen

01.02.2023 | In den Museen und Bibliotheken in Rheinland-Pfalz lagern wahre Schätze. Die gilt es im Falle einer Überschwemmung oder eines Wasserrohrbruchs schnell und effektiv zu schützen. Wie das gehen soll, zeigt ein Beispiel aus dem Museum am Strom in Bingen.

Aus der Sendung vom Mittwoch, den 1.2.2023, 19:30 Uhr, SWR Aktuell Rheinland-Pfalz, SWR Fernsehen RP

UPDATE: Restaurierung „Bildnis Irmgard Külz“

Bericht aus dem Stadtmuseum Simeonstift Trier

23.01.2023 | „Nachdem das Gemälde des Malers Carl Kögl „Bildnis der Irmgard Külz“ bei uns ankam, wurde es mit einem Antischimmel-Mittel behandelt und getrocknet. Um die lockere Farbschicht zu stabilisieren und ein weiteres Abblättern der Farbschuppen zu verhindern, wurde die Oberfläche des Gemäldes ganzflächig mit Papier beklebt. Darauf folgte die Entfernung verrosteter Nägel und die Abnahme der Leinwand vom verseuchten, beschädigten und verzogenen Keilrahmen. Der Schlamm, der das Gemälde bis zu einem Zentimeter auf der Rückseite bedeckte, wurde abgetragen. Um die Verbindung zwischen Farbschicht und Leinwand zu sichern, wurde die Leinwand von der Rückseite mit einer Lösung von Beva-Leim in Toluol durchtränkt. Die stark beschädigten Ränder der Leinwand wurden mit Hilfe von Hitze mit zusätzlichen Leinwandstreifen verstärkt. Zur Restaurierung der Vorderseite wurde die Papierschicht wieder entfernt. Es folgte die Reinigung der Malschicht und die zusätzliche Festigung der lockeren Partien sowie die Kittung der Fehlstellen. Anschließend wurden die Fehlstellen retuschiert und ein neuer Keilrahmen angefertigt. Er wird allerdings erst zu einem späteren Zeitpunkt angebracht.“

Restaurator: Dimitri Scher, Stadtmuseum Simeonstift Trier

Das Gemälde konnte dank der zahlreichen Spenden für die „Restaurierungshilfe Flut Ahrweiler“ des Museumsverbands Rheinland-Pfalz restauriert werden! Im Depot des Museums stehen ca. 60 weitere Gemälde des Museums Ahrweiler, die der Wiederherstellung harren.


Carl Kögl: Bildnis Irmgard Külz | museum-digital


 

Für den Ernstfall gut vorbereitet?

Handreichung mit konkreten Handlungsempfehlungen von Bettina Scheeder

Erfahrungen aus der Flutkatastrophe 2021 in der Region Ahrweiler : Was lässt sich am konkreten Beispiel der Flutkatastrophe in der Region Ahrweiler lernen? Welche Maßnahmen erwiesen sich als hilfreich? Welche präventiven Maßnahmen kann ein Museum ergreifen? Was ist zielführend bei der Erfassung von Unterstützungsmaßnahmen? Was muss man über die Hierarchie in Katastrophenlagen wissen? Was sollte auf Landes- oder Bundesebene noch optimiert werden?

Diese und weitere Fragen rund um Notfallplanung und Kulturgutschutz beantwortet Bettina Scheeder, Geschäftsführerin des Museumsverbands, in ihrem Beitrag „Für den Ernstfall gut vorbereitet?“, erschienen in: Museums.Management 2/2022.


Bettina Scheeder, Für den Ernstfall gut vorbereitet? In: Museums.Management 2/2022.


 

„Engel der Zuversicht“ ist ins Ahrtal zurückgekehrt

3.08.22 | Anlässlich des Besuchs von Kulturministerin Katharina Binz am 3.08.2022 im provisorisch aufgestellten Museumscontainer des Stadtmuseums Bad Neuenahr-Ahrweiler wurde der „Engel der Zuversicht“ durch den ausführenden Restaurator Peter Weller-Plate an das Museum, vertreten durch Museumsleiterin Heike Wernz-Kaiser, übergeben. Der Engel wurde im Juli 2021 unter Schlammschichten aus Sediment, Fäkalien und Öl geborgen und lieh fortan der Rettungskampagne der Ahrweiler Sammlung sein Gesicht. Trotz der hohen sommerlichen Temperaturen informierte sich die Ministerin vor Ort ausführlich über den Fortgang der aktuellen Restaurierungsmaßnahmen. Sie wurde begleitet von Bettina Scheeder, der Geschäftsführerin des Museumsverbandes Rheinland-Pfalz, die sich ebenfalls erfreut darüber zeigte, dass bereits nach einem Jahr erste eindrucksvolle Erfolge bei der Rettung der stadtgeschichtlichen Sammlung vorzuweisen sind.

Befund & Restaurierung des „Engels der Zuversicht“

Der Cherub, ein Engelskopf mit angesetzten Flügeln, stammt vermutlich aus der Pfarrkirche St. Laurentius in Bad Neuenahr-Ahrweiler und war dort wahrscheinlich Bestandteil eines ehemaligen Barockaltars. Die gesamte Skulptur war ursprünglich vergoldet; das Gesicht des Engels in Polimentvergoldung, die Haare und das Federkleid in Mattvergoldung. Als Anfertigungszeitraum wird die zweite Hälfte des 18. Jh. angenommen, Maße: 31 cm breit, 20 cm hoch, 12 cm tief. Der zum „Engel der Zuversicht“ avancierte Cherub gehört zum Altbestand des Stadtmuseums Bad Neuenahr-Ahrweiler und war im gefluteten Depot eingelagert.

Der Engel wurde erst vierzehn Tage nach der Überflutung des Depots unter Schlammschichten aus Sediment, Fäkalien und Öl geborgen. Nach der Bergung und der Erstversorgung wurde er in das Depot des Dom- und Diözesanmuseums Mainz gebracht, wo er, fachgerecht gelagert, langsam trocknen konnte. Eine erste Besichtigung des Cherubs durch den Restaurator Peter Weller-Plate fand dort im Dezember 2021 statt. Der Engel war stark beschädigt: Kopf und Flügel waren getrennt, da sich die Verleimung beider Flügel durch das lange Liegen im Wasser aufgelöst hatte. Die ehemalige Goldfassung war nur noch rudimentär erhalten. An manchen Stellen gab es nur noch Reste der Grundierung. Der größte Teil der Oberfläche war holzsichtig. An zahlreichen Stellen hatten sich dunkle, fast schwarze Verkrustungen gebildet. An den Flügelrändern und auf den Höhen klebten stellenweise Reste des Seidenpapiers, in das der Engelskopf im Depot eingeschlagen gewesen war. Beim Anhalten der Flügel an den Corpus zeigte sich, dass an den Flügelkanten Teile des Träger abgebrochen waren. Sie waren nicht mehr vorhanden.

Bei der Besichtigung war außerdem ein unangenehmer Geruch festzustellen, der zunächst auf die lange Verweildauer im Flutwasser zurückgeführt wurde. Bald jedoch kam der Verdacht auf, die Skulptur könne mit Schadstoffen kontaminiert sein. Eine Schadstoffanalyse sollte diesen Verdacht erhärten. Es wurde eine erhebliche Kontamination mit dem fungiziden Wirkstoff Pentachlorphenol (PCP) und dem insektiziden Wirkstoff gammaChlorcyclohexan (Lindan) festgestellt. Als Ziel der Konservierung / Restaurierung wurde die Sicherung der überkommenen Substanz formuliert. Die Fehlstellen im Träger wurden ergänzt. Da nur noch geringe Reste der Fassung vorhanden waren, entschied man sich zudem für eine Rekonstruktion der ehemaligen Goldfassung nach Befund.

Der Cherub konnte dank der zahlreichen Spenden für die "Restaurierungshilfe Flut Ahrweiler" des Museumsverbands Rheinland-Pfalz restauriert werden!


Restaurierungsbericht „Engel der Zuversicht“


 

1 Jahr nach der Flut – Kulturgutrettung in vollem Gange

Er sieht aus, als ob er weinen würde. Der kleine Barockengel, sonst pausbackig und keck, wurde im Juli 2021 unter Schlammschichten aus Sediment, Fäkalien und Öl geborgen. Feuchtigkeit führte zu Schimmelausblühungen, gleichsam Tränen, die seine Wange benetzten. Knapp 2.800 Objekte aus dem Depot des Stadtmuseums Bad Neuenahr-Ahrweiler und Dutzende weitere Kulturgüter und Museumsobjekte aus dem Ahrtal teilten sein Schicksal in der Flutnacht vom 14. auf den 15. Juli und den Tagen und Wochen darauf.

Ein Jahr später erstrahlt der Engel wieder. Er wurde aufwändig behandelt, von Schimmel befreit, einer Schadstoffanalyse unterzogen, rekonstruiert und vergoldet. Aus einem flutgeschädigten Engel ist ein Engel der Hoffnung geworden. Auch andere Objekte wie die Schützenfahnen der Bürgerschützen-Gesellschaft Ahrweiler 1403 e.V. zeigen: Es ist nichts wie zuvor, die Flut hat ihre Spuren hinterlassen und doch gibt es Lichtblicke. Die Kulturgutrettung ist in vollem Gange, die ersten Museumsobjekte sind bereits restauriert und kehren nach Ahrweiler zurück. Die Schützen jedenfalls konnten ihre Fahnen bereits bei der diesjährigen Fronleichnamsprozession als Symbol für einen Neuanfang und in Gedenken an die Flutnacht wieder mit sich führen (s. Bericht vom 11.07.22). Auch im zweiten Jahr nach der Katastrophe wird es mit der Restaurierung von Kulturgütern weitergehen, für manche Objekte geht es nach einem aufwändigen Prozess der Trocknung und Stabilisierung sogar jetzt erst richtig los!

Restaurierungsmaßnahmen sind in vollem Gange

Die Hilfsmaßnahmen laufen im Hintergrund: Knapp 180 Objekte, darunter Gemälde, Holzskulpturen, Glasobjekte, archäologische Funde und Objekte aus der volkskundlichen Sammlung lagern derzeit in rheinland-pfälzischen Depots im RGZM Mainz, im Kloster Engelthal, einem Filialbetrieb des Dom- und Diözesanmuseums Mainz, im Stadtmuseum Simeonstift Trier und im Erkenbert-Museum Frankenthal. Zum Teil werden sie dort, nachdem sie erstversorgt, stabilisiert oder hinsichtlich eventueller Schimmelbildung behandelt wurden, von den hauseigenen Restaurator*innen auch restauriert. Weitere Objekte sind bei privaten Restaurierungspat*innen, die sich bereit erklärt haben, wichtige Sammlungsstücke unentgeltlich zu sichern und zu restaurieren.

All die Gegenstände erzählen Geschichte(n) aus dem Ahrtal, sie stellen herausragende geschichtliche Zeugnisse dar, bilden Ahrweiler Persönlichkeiten ab, konservieren Zeitgeschmack und dokumentieren landschaftliche Besonderheiten. Die Objekte reichen dabei von merowingischen Skeletten aus dem 6.-8. Jh. n. Chr. über frühgotische Portale bis hin zur Quellurkunde aus dem Jahr 1858, die zur Weihe der Heilquellen angefertigt wurde, oder Ölgemälden aus dem 20. Jahrhundert.
„Solche Arbeiten sind von unschätzbarem Wert für die Region. Erst recht nach der Flutkatastrophe. Sie gehören zum kulturellen Gedächtnis“, stellt Maria Lucia Weigel, Direktorin des Erkenbert-Museums, fest. Es ist eines der Museen, das bei der Rettung der Kunst aus dem Ahrtal tatkräftig zupackt. Weitere 55 Gemälde hatten bislang im Stadtmuseum Simeonstift Trier Asyl erhalten. „Die Gemälde mit der höchsten Priorität sind nun alle verteilt und bei Restaurator*innen für weitere Restaurierungsschritte untergebracht“, erklärt dort der hauseigene Restaurator Dimitri Scher. Er freut sich: „Hauptsache, es tut sich was.“

Die Hilfsbereitschaft ist auch außerhalb von Rheinland-Pfalz weiterhin groß

Auch außerhalb von Rheinland-Pfalz ist die Hilfsbereitschaft ein Jahr nach der Flut noch immer groß: Im ZKM, dem Badischen Landesmuseum, dem Staatsarchiv Stuttgart, dem Historischen Archiv der Stadt Köln und bei den Restaurator*innen der Uni Köln und der Uni Stuttgart etwa lagern auch jetzt noch ungezählte Konvolute. Zum Teil ist es – wie bei der umfangreichen Grafiksammlung des Stadtmuseums, die im Historischen Archiv der Stadt Köln auf Eis liegt – nach wie vor unklar, wie vieles davon überhaupt zu retten ist. Genaue Angaben darüber kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand machen.

Wie sieht es heute im Stadtmuseum Bad Neuenahr-Ahrweiler aus?

30 bis 40 % Verluste hatte es allein bei der Bergung gegeben, darunter vor allem Zeugnisse der Ahrweiler Alltagskultur wie Möbel, Körbe oder … Truhen – „mit Ausnahme von beispielsweise zwei kleinen Truhen, die im früheren Stadtmuseum standen. Sie sind für uns wertvolle Zeugnisse unserer Alltagsgeschichte hier im Ahrtal. Solche Truhen werden normalerweise gar nicht aufgehoben, wenn ihr Besitzer oder ihre Besitzerin sie nicht mehr brauchen kann.“ Heike Wernz-Kaiser, die Museumsleiterin in Bad Neuenahr-Ahrweiler, ist demütig geworden: Eine Mehltruhe und eine schöne kleine Dokumententruhe konnten gerettet und von einem erfahrenen Restaurator mit Mitteln aus dem Spendentopf des Museumsverbands für Ahrweiler gesichert werden. Sie sind nun um so wertvoller für die Ahrweiler Erinnerungskultur geworden. Die Museumsleiterin zieht im NDR Bilanz über die Kulturgutrettung im Stadtmuseum:

Vier Ausstellungen erinnern gegenwärtig an die Flutkatastrophe im Ahrtal

Überleben, Erinnern und Hoffen auf den Neuanfang – davon zeugen auch vier Ausstellungen, die im Juli anlässlich des Jahrestags der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen eröffnet werden: Im Erkenbert-Museum Frankenthal werden Fotografien, Geschichten und von Betroffenen geschaffene Objekte ausgestellt. Im Mittelpunkt steht die kreative Bewältigung der Krise und der Appell an Solidarität. Auch im Arp Museum Bahnhof Rolandseck bietet man Künstler*innen aus der Region ein Forum und zeigt neben Kunstwerken, die die Flut überlebt haben, Werke, die sich mit der Flutkatastrophe und einem Neuanfang auseinandersetzen. Retten, bergen, löschen, schützen – das feuerwehr erlebnis museum Hermeskeil rückt das Thema Kulturgutrettung im Allgemeinen und die vielen freiwilligen Helfer*innen im Ahrtal im Besonderen in den Fokus. Während in der Ahrweiler Bäder-Partnerstadt Bad Salzuflen aus der Flut gerettete und zum Teil restaurierte Objekte ausgestellt werden – darunter auch drei Objekte, die mithilfe des Museumsverbands Rheinland-Pfalz restauriert werden konnten. Etwa das einzige erhaltene Porträt des Quellenentdeckers Georg Kreuzberg. Arnold Beuke, Kurator der Ausstellung in Bad Salzuflen, spricht über die Motivation, eine Ausstellung zur Flutkatastrophe im Ahrtal zu machen:

Museumsverband Rheinland-Pfalz engagiert sich für die Rettung von Kulturgut aus dem Ahrtal

Der Museumsverband Rheinland-Pfalz engagiert sich seit einem Jahr dafür, Museumsobjekte von der Ahr zu retten, sei es mittels eingeworbener Spenden- und Fördermittel für die Restaurierung, mittels Kontakten zu Museen und Expert*innen bundesweit oder mit der Initiierung von Restaurierungspatenschaften. Aktuell koordiniert der Verband gemeinsam mit Heike Wernz-Kaiser, der Leiterin des Stadtmuseums, die Restaurierung der Objekte. Von Anfang an begleiten wir die Kulturgutrettung und Restaurierung von Museumsobjekten darüber hinaus auf unserer Verbandsseite.

Wir danken allen Museen, Restaurator*innen, Restaurierungspat*innen und Spender*innen, die uns bei der Rettung unterstützen!


Hier finden Sie die Objekte des Stadtmuseums Ahrweiler, die bislang über den Spendentopf des Museumsverbands Rheinland-Pfalz restaurierten wurden.


 

Restaurierte Schützenfahnen nehmen wieder am Ahrweiler Leben teil

RESTAURATOREN-TEAM BERICHTET ÜBER BERGUNG UND RESTAURIERUNG

11.07.22 | Am 19. Juli vergangenen Jahres erreichte den Museumsverband Rheinland-Pfalz ein erster Hilferuf des Schützenmuseums Ahrweiler: Das Wasser stand zwei Meter hoch in den Museumsräumen, die komplette Sammlung wies Wasserschäden auf. Das sogenannte „Seelenbuch“, ein Mitgliederverzeichnis der Schützen, das bis ins Jahr 1655 zurückreicht, konnte geborgen und inzwischen wieder durch Kulturministerin Katharina Binz restauriert an die Schützengesellschaft übergeben werden. Auch Protokoll- und Kassenbücher aus den vergangenen 150 Jahren, Schützensilber sowie historische Waffen und Seidenfahnen der Ahrweiler Bürgerschützen wurden aus einem Gemisch aus Sediment, Fäkalien und Öl gerettet. Allerdings bereitete der Erhalt der vier im Museum verwahrten Schützenfahnen große Sorgen.

Durch schnelle Kommunikation und engagiertes Handeln war es schließlich möglich, dem Schützenverein zu helfen. Die hinzugezogene Restauratorin Sonja Müller vom Restauratoren-Team Müller und Schweizer GbR berichtet: „Am 22.07.2021 erreichte uns ein Hilferuf von Frau Harder, Präsidentin des Deutschen Nationalkomitee Blue Shield e.V., über den Verband der Restauratoren, Fachgruppe Textil. Das Haus der Schützen in Ahrweiler sei von der Flutkatastrophe betroffen und der Leiter sorge sich um die Fahnen des Vereins.“

Worauf die beiden freiwilligen Helfer*innen Sonja Müller und Robert Schweizer aus Waiblingen so schnell als möglich nach Ahrweiler eilten: „Als wir am 24. Juli, an Tag 11 nach der Flut ankamen, waren die Aufräumarbeiten noch in vollem Gange: Alles musste raus und jeder packte mit an. Wir haben im überfluteten Haus der Schützen vier Fahnen geborgen. Eine fünfte Fahne war auswärts gelagert, war aber ebenfalls stark durch das Hochwasser geschädigt und wurde von uns auch versorgt.“

BEHANDLUNG & RESTAURIERUNG IM DETAIL

Die Fahnen erhielten von den Restaurator*innen noch vor Ort eine erste Schimmelbehandlung mit Ethanol, wurden auf Kunststoffrohre gerollt und in ihre Restaurierungswerkstatt nach Waiblingen transportiert. Dank der großzügigen Unterstützung der Ernst von Siemens-Kunststiftung konnte dort unverzüglich mit der Restaurierung der Fahnen begonnen werden: Nachdem die Fahnen völlig getrocknet waren, wurden sie in der auf Textilien spezialisierten Werkstatt oberflächlich mit dem Staubsauger gereinigt. Der Schlamm erwies sich als sehr hartnäckig und wurde zusätzlich mit Holzstäbchen und Spateln gelöst. Der Schimmel, welcher sich trotz Schimmelbehandlung gebildet hatte, wurde unter Arbeitsschutzmaßnahmen mechanisch gelöst und abgesaugt.

Das Restauratoren-Team erklärt die weitere Arbeit: „Die Fahnenblätter wurden getrennt. Im Zuge des Auftrennens wurden auch die Fransenborten und Hängeschlaufen abgelöst. Die einzelnen Fahnenblätter wurden daraufhin auf einem schrägen Siebdruckrahmen und einer Polsterung von Kokosmatten unter fließendem Wasser durchgespült. Der Schlamm löste sich und mit Hilfe von geeigneten Pinseln war es möglich, Kanten und Nähte von ihm zu befreien. Hierauf wurden sie flach ausgelegt und mit Vliesstoffen von oben abgetupft, um so viel wie möglich Wasser abzunehmen. Nachdem sie an der Luft getrocknet waren, wurden sie zuletzt wieder von Hand zusammengenäht. Jede Fahne erhielt eine Zwischenlage aus (nicht-aufbügelbarer) Vlieseline als Verstärkung – dem vorgefundenen Zustand folgend. Fransenborten und Schlaufen wurden wieder an der originalen Position angebracht.“

FIT FÜR DIE ZUKUNFT

Die beiden Restaurator*innen wünschen den fünf Schützenfahnen „alles Gute für die Zukunft“, man müsse allerdings beachten, dass weiterhin Schimmelsporen vorhanden seien: „Man kann sie nicht abtöten. Man kann sie nur daran hindern, erneut auszublühen.“ Die klimatischen Bedingungen der Lagerung sollten hierfür möglichst kühl und trocken sein. Falls in nächster Zeit wieder ein Ausblühen beobachtet werden sollte, müsste erneut ein Restaurator zu Rate gezogen werden.

Dennoch: Die Fahnen sind wieder stabil genug, um am Ahrweiler Leben teilzunehmen! Bereits bei der diesjährigen Fronleichnamsprozession konnte die Bürgerschützen-Gesellschaft Ahrweiler 1403 e.V. ihre Fahnen erstmals als Symbol für einen Neuanfang und in Gedenken an die Flutnacht wieder mit sich führen.


Ausführlicher Bericht der Restaurator*innen über die Bergung, Sicherung und Restaurierung der Fahnen


Gefördert durch:

Kunstausstellung #AHRt im Arp Museum erzählt von Überleben und Neuanfang in der Ahr-Region

07.07.22 | Die verheerende Flut im Ahrtal in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 hat vielen Menschen ihre Lebensgrundlage fortgeschwemmt. Das letzte Jahr war geprägt von Solidarität, Trauma, Wiederaufbau, Rückschlägen, Schlamm, Gummistiefeln und Schaufeln, aber auch von Hoffnung und Mut, die zum Neubeginn beigetragen haben. Die Präsentation »#AHRt« im Arp Museum Bahnhof Rolandseck in Kooperation mit dem Kulturbüro Rheinland-Pfalz und der Galerie Diede zeigt neben Kunstwerken, die die Flut überlebt haben, Werke, die sich mit der Flutkatastrophe und einem Neuanfang auseinandersetzen.

Die Schau bietet anlässlich des ersten Jahrestags der Flutkatastrophe vom 10.Juli bis 24. Juli 2022 ein Forum für betroffene Künstler*innen der Ahr-Region und ist gleichzeitig eine Bestandsaufnahme. Es sind Bilder, die von Gestern erzählen und das Morgen zu einer neuen Möglichkeit machen. Neben Werken der bildenden Kunst werden auch Musikbeiträge und performative Kunst, Wortkunst und Theaterproduktionen sowie soziale Kunstbeiträge gezeigt. »#AHRt« bietet Raum zum Diskurs über die Wichtigkeit von Kunst und Kultur. Ein Diskurs über ein Morgen, das wir selbst gestalten können.


Zur Ausstellung »#AHRt« vom 10. Juli bis 24. Juli 2022


 

Bäderstadt hilft Bäderstadt

„RET­TE MICH, WER KANN!“ - MEN­SCHEN, ER­IN­NE­RUN­GEN & AR­TE­FAK­TE IM AHR­TAL

04.07.2022 | Unter dem Titel „Rette mich, wer kann!“ - Menschen, Erinnerungen und Artefakte im Ahrtal eröffnet das Stadtarchiv Bad Salzuflen diesen Sommer eine Solidaritätsausstellung zur Flutkatastrophe 2021, um ein Jahr danach Bad Neuenahr-Ahrweiler und seinen Kulturgütern eine Bühne zu geben.

Neben zahlreichen Gebäuden und essentieller Infrastruktur ist auch das dortige Museumsdepot fast vollständig zerstört worden. In Bad Salzuflen gibt es ab 9. Juli bis 30. November 2022 daraus gerettete und restaurierte Objekte sowie Impressionen der Situation vor, während und nach der Flut zu sehen. Auch an Verlorenes soll dabei erinnert werden, denn die Vernichtung von Kulturgütern bedeutet immer auch einen Identitätsverlust. Wie können wir also Kulturgut in Zukunft schützen?

Zusätzlich zur Sonderausstellung gibt es bis Ende des Jahres ein Begleitprogramm mit Vorträgen von Betroffenen und Expert*innen zu verschiedenen Themen der Kulturgutrettung und Restaurierung, zudem eine Weinprobe mit royaler Unterstützung durch die Ahrweinkönigin. Die Teilnahme an den Vorträgen ist kostenlos. Zur Unterstützung wird um Spenden für die Restaurierung der Exponate aus Bad Neuenahr-Ahrweiler wird gebeten.

Bad Salzuflen ist Gründungsmitglied der im Jahr 2007 entstandenen AG der Kur- und Bädermuseen in Deutschland, der auch Häuser aus dem benachbarten Ausland angehören (Belgien, Österreich).


„Rette mich, wer kann!“ – Sonderausstellung 9. Juli bis 30. November 2022


 

Flutkatastrophe: Ausstellung zu Kunst in der Krise in Frankenthal

28.06.22 | Die verheerende Hochwasserkatastrophe, die im Sommer 2021 Teile Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen heimgesucht hat, jährt sich gerade zum ersten Mal. Der Verein IsraAID Germany, der selbst in den betroffenen Gebieten Nothilfe geleistet hat und sich für den Wiederaufbau einsetzt, hat mit der Ausstellung "Flutgeschichten" eine interaktive Schau geschaffen, die nun auch in Frankenthal zu Gast ist und dort um weitere interaktive Elemente in einem Brückenschlag zur Geschichte Frankenthals und seiner Bürger ergänzt wird.

Vom 21. Juli bis 28. August zeigt die Ausstellung im Erkenbert-Museum Fotografien, Geschichten und von Betroffenen geschaffene Objekte. Im Mittelpunkt steht die kreative Bewältigung der Krise und der Appell an Solidarität. Frankenthal hat insgesamt 50.000 Euro an den Landkreis Ahrweiler und die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler gespendet, Frankenthaler Hilfsorganisationen unterstützten die Einsatzkräfte in der Krisenregion und es gab viele weitere Initiativen aus Wirtschaft und Bevölkerung. Das Erkenbert-Museum selbst restauriert für das schwer getroffene Stadtmuseum von Bad Neuenahr-Ahrweiler mehrere Kunstobjekte.

Das Museum ruft alle Frankenthaler im Vorfeld der Ausstellung zu einer besonderen Mitmach-Aktion auf: Gesucht werden Geschichten, Fotografien und Objekte, die von der Bewältigung kollektiv erlebter Krisen wie Hochwasser, Krieg, Vertreibung und Pandemie erzählen und dem Museum für die Dauer der Ausstellung zur Verfügung gestellt werden können.

„Im Rahmen der Ausstellung sollen Bürgerinnen und Bürger in den gesellschaftlichen Diskurs über gelingende Krisenbewältigung eingebunden werden. Das Erkenbert-Museum versteht sich dabei als Ort des Dialogs und lädt ein zur Reflexion über Geschichte, Gegenwart und Zukunft. Was kann man aus Krisen im Hinblick auf die Gestaltung von Stadt, Staat und Gesellschaft lernen? Wie stärkt die gemeinsame Bewältigung von Krisen den gesellschaftlichen Zusammenhalt?“, beschreibt Museumsleiterin Dr. Maria Lucia Weigel die Intention der Aktion.


Zur Ausstellung "Flutgeschichten" vom 21. Juli bis 28 August 2022


Flutkatastrophe: Ausstellung zu Kunst in der Krise | Die Rheinpfalz (27.06.22)


 

Museumscontainer zur Rettung von Kulturgut aufgestellt

22.06.22 | Nicht nur das Stadtmuseum Bad Neuenahr-Ahrweiler mit seiner Museumssammlung war von der Flut betroffen, auch Kunstschätze aus privater Sammlung oder Erinnerungsstücke von persönlichem Wert nahmen Schaden. Hierfür gibt es seit Ende Mai fachliche Unterstützung: Hinter dem Weißen Turm, Wahrzeichen der Kurstadt und ehemals Städtisches Museum, steht nun ein Container zur Kulturgutrettung. Der provisorische Arbeitsplatz für Restaurator*innen und Mitarbeiter*innen des Stadtmuseums wurde über den „Wiederaufbaufonds Ahrtal“ Rheinland-Pfalz finanziert.

Bis 3. Juni waren hier Studierende des Fachbereichs „material culture“ von der Universität Delaware (USA) unter Anleitung von Prof. Martin Brückner, der eine persönliche Verbindung ins Ahrtal hat, im Einsatz. Sie sichteten und reinigten Museumsstücke, die in Ahrweiler verblieben waren. Zusammen gelang es ihnen in kurzer Zeit über 100 Sammlungsstücke aus Porzellan, Glas und Kunststoff zu reinigen. Darüber hinaus standen sie auch jedermann für eine kostenlose Beratung im Rahmen einer Bürgersprechstunde zur Verfügung. Das Angebot wurde von der Ahrweiler Bevölkerung positiv aufgenommen: Fotoalben, Porzellanobjekte, kleine Bilder, Bücher und Holzobjekte wurden dem Expertenteam vorgelegt. Die Studierenden konnten vor Ort Erste Hilfe leisten oder manchen Hinweis und wertvollen Tipp geben, wie die liebgewonnenen Stücke in Eigenregie gerettet werden könnten...

Zum Team des Hilfsprojekts gehörten neben Prof. Brückner (Director of Winterthur Program of American Material Culture) die Restauratorin Maddie Cooper (Preventative Conservator, M.A.) und vier Studentinnen des sogenannten „Winterthur“-Programms: Emily Bach, Rachael Kane, Allison Kelley und Ashley Stanford. Sie werden auf verschiedenen Gebieten wie beispielsweise Glas, Textilien oder Metallen ausgebildet.

Die Bürgersprechstunde wird vorerst einmalig von Fachleuten aus dem Bereich Restaurierung und Konservierung der TH Köln fortgeführt. Der Termin ist für Montag, den 27. Juni 2022, 10:00 bis 14:00 Uhr angekündigt. Treffpunkt ist am Museumscontainer hinter dem Weißen Turm.

Zwischenzeitlich ist auch ein Bericht über die Aktion im Online-Magazin von „Chrismon“ erschienen, der zu folgendem Fazit kommt: „Schätze [finden sich] nicht nur im Museum. Sondern eben allzu oft auch in Kellern. So sehr es immer noch und überall um Fenster, Fliesen und Verputz geht, wenn Omas Brautkleid oder Uropas Reservistenkrug oder die eigene Dampfmaschine noch gerettet werden kann, dann wurde und wird hier geheilt und repariert - und [das lässt] uns Flutopfer den Bürokratismus, die Preistreiberei und die Lieferengpässe für einen heiligen Moment Glückseligkeit vergessen.“


Ein heiliger Moment der Glückseligkeit | Chrismon (10.06.2022)


US-Studentinnen restaurieren historische Sammlung an der Ahr | Bonner Generalanzeiger (15.06.2022)


CICS - Bürgerberatung in Ahrweiler am 27.6.2022 - TH Köln (th-koeln.de)


 

Bachelorarbeit im Rahmen von Restaurierungsmaßnahmen an der TH Köln fertiggestellt

07.06.22 |  Dem Aufruf des Museumsverbands folgend, erklärte sich der Studiengang Konservierung und Restaurierung von Kunst und Kulturgut der TH Köln, genauer die Studienrichtung „Objekte aus Holz und Werkstoffen der Moderne“ am Cologne Institute of Conservation Sciences, bereit, die Restaurierung von vier durch die Hochwasserkatastrophe 2021 geschädigten Objekten zu übernehmen.

Die Fotos zeigen Studentin Katja Schüller bei der Reinigung eines dieser Objekte, einer hölzernen Wandkonsole aus der Sammlung des Stadtmuseums Bad Neuenahr-Ahrweiler. Schüller widmete sich der Konsole im Rahmen ihrer Bachelorarbeit „Restaurierung eines hochwassergeschädigten Objektes – Eine geschnitzte Wandkonsole des Museums der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler“. Im Vordergrund ihrer Arbeit stand die Reinigung des Objektes von Schlamm und die Sicherung loser Teile. Die Abschlussarbeit wurde im Mai dieses Jahres eingereicht. 

Die Konsole aus dem 19. Jahrhundert trug, laut Katja Schüller, in ihrem ursprünglichen Kontext eine Skulptur, was man an Spuren auf der Konsolenoberseite ablesen könne. Sie ist aus Eichenholz gefertigt. Mit jeweils über einem halben Meter Breite und Höhe sei die Konsole recht groß. Sie hat also, mutmaßt die Studentin, wahrscheinlich mal eine große Skulptur getragen. Ihre geschnitzten Verzierungen stellen Efeublätter dar. Sie weist außerdem eine mehrschichtige, dunkelbraune Oberflächenfassung auf. Die Provenienz der Konsole ist unbekannt.

Man merkt, Katja Schüller ist engagiert bei der Sache, sie interessiert sich für Denkmalpflege und studiert Restaurierung mit großer Leidenschaft. So sagt sie: „Ich finde die Restaurierung ganz einfach unglaublich spannend. Jedes Objekt hat seine individuelle Geschichte und seine eigenen Herausforderungen. Durch die vielfältigen handwerklichen, naturwissenschaftlichen und kunsthistorischen Aufgaben bleibt es in der Restaurierung stets abwechslungsreich, das gefällt mir.“ Was liegt also näher, als dass die angehende Restauratorin sich nun für den Masterstudiengang in der Studienrichtung Objekte aus Holz und Werkstoffen der Moderne an „ihrem“ Institut bewerben will.


Wir haben Katja Schüller fünf Fragen zu Ihrer Arbeit gestellt:


Sie haben die Konsole aus den Ahrweiler Sammlungsbeständen im Rahmen Ihrer Bachelorarbeit restauriert. Wie ist es dazu gekommen?

Nach der Hochwasserkatastrophe 2021 bot unsere Studienrichtung die Restaurierungspatenschaft für einige Objekte aus dem gefluteten Museumsdepot an – unter diesen Objekten befand sich die Wandkonsole. Als es für mich Ende letzten Jahres an der Zeit war, ein Bachelorarbeitsthema festzulegen, fand ich dieses Objekt aufgrund seiner bewegten Geschichte spannend. Ich finde es außerdem wichtig, sich mit der Thematik der Hochwasserkatastrophenschäden auseinanderzusetzen, denn leider werden sich RestauratorInnen damit in Zukunft wohl häufiger befassen müssen, als wir uns alle wünschen.

In welchem Zustand kam die Konsole bei Ihnen an?

Die Konsole kam im September nach der Hochwasserkatastrophe zu uns ins Atelier der Studienrichtung. Zu Beginn meiner Bachelorarbeit – einige Monate später – war ihr Holz bereits beinahe vollständig getrocknet. Das Objekt wies auf seiner gesamten Oberfläche starke Verschmutzungen in Form von getrocknetem Schlamm auf. Ein paar wenige Holzteile der Konsole lagen lose vor und ein paar kleine Details der geschnitzten Verzierungen sind verloren.

Was war das Ziel Ihrer Arbeit?

Die Zielsetzung meiner Bachelorarbeit war es, die Wandkonsole zu untersuchen und ein den besonderen Umständen der Objektgeschichte angemessenes Restaurierungskonzept zu erarbeiten sowie dementsprechende praktische Maßnahmen zu entwickeln. Diese Vorhaben habe ich während der Bachelorarbeitszeit umsetzen können. Außerdem bietet die Arbeit Ansätze zur Bearbeitung der anderen hochwassergeschädigten Objekte aus dem Museumsdepot, insbesondere für eine zweite Wandkonsole, welche sich ebenfalls bei uns am Institut befindet und sehr wahrscheinlich mit der Wandkonsole meiner Arbeit verwandt ist.

Welche Arbeitsschritte waren für den Erhalt der Konsole notwendig? Hat Sie die Restaurierung vor große Herausforderungen gestellt?

Die vollständige Reinigung der Konsole sowie die konservatorische Festigung ihrer Oberflächenfassung sind aktuell die zentralen Maßnahmen. Außerdem müssen die lose vorliegenden Holzteile wieder verleimt werden. Die Entfernung der Verschmutzungen hat mich lange beschäftigt. Der festgetrocknete Schlamm ist hartnäckiger, als ich zunächst angenommen hatte, und nur schwer aus den Vertiefungen der Holzoberflächen zu entfernen, ohne dass die Fassung des Objektes in Mitleidenschaft gezogen wird. Eine wässrige Reinigung mit mechanischer Unterstützung hat sich im Verlauf meiner Arbeit als die beste Methode erwiesen.

Was war Ihre persönliche Motivation, die Konsole zu restaurieren?

Durch die Hochwasserkatastrophe im Museumsdepot wurden so viele Objekte und somit materielles kulturelles Erbe der Region zerstört. Ich hoffe, dass ich durch die Bearbeitung dieser Wandkonsole einen ganz kleinen Beitrag zur Unterstützung des kulturellen Wiederaufbaus leisten kann. Auch die bereits erwähnte Aktualität von Schäden verursacht durch Umweltkatastrophen im Hinblick auf den Klimawandel hat mich zur Beschäftigung mit dem Thema bewegt.

Gipsfigur im Rahmen einer Restaurierungspatenschaft instandgesetzt

25.05.2022 | Hoch oben auf einem aus dem Wasserbecken ragenden Sockel thronte er: Der kleine Gipsbozetto gehörte ursprünglich zu dem Modell eines Weinbrunnens der Bildhauerin Erna Deisel-Jennes (1908-1990), die bis 1990 in Heimersheim, einem Stadtteil von Bad Neuenahr-Ahrweiler, lebte. Das Brunnenmodell, das bis in die 2010er Jahre im Weißen Turm der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler ausgestellt war, ist verloren, doch die kleine menschliche Gipsfigur konnte dank der Hilfe des Restaurierungsateliers Strotmann & Partner, Siegburg vor der vollständigen Auflösung in der brackigen Schlammbrühe bewahrt und im Rahmen einer Restaurierungspatenschaft stabilisiert, gereinigt und instandgesetzt werden. Hierfür musste der in der Flut aufgeweichte Gips langsam getrocknet, desinfiziert und während des Trocknungsverfahrens vorsichtig wieder in Form gebracht werden.

Strotmann & Partner übernehmen auch die Restaurierung zweier weiterer Gipsplastiken der Künstlerin. Mit ihrer Forschung und Wissenschaft im Bereich Baumaterialien, Stein- und Wandmalereikonservierung, Sichtbeton sowie künstlerische Betonkonservierung fördern Strotmann & Partner ein biologisches, ökologisches sowie ästhetisches Bild der neuesten Architektur. Gleichzeitig erhalten sie zusammen mit der Denkmalpflege historische Bauten und Denkmäler.

Informationen zur Künstlerin:

Erna Deisel-Jennes wurde als Erna Wilhelmine Jennes am 30.03.1908 in Rheydt geboren und verbrachte ihre Jugendzeit in Düsseldorf. Sie studierte in Berlin und schulte sich durch zahlreiche Kunstreisen innerhalb Europas. Einen großen Teil ihres Lebens verbrachte sie mit ihrem Ehemann, dem Kunstlehrer und Bildhauer Theo Deisel in Heimersheim, einem Stadtteil von Bad Neuenahr-Ahrweiler. Grundlage ihres Werkes ist eine zutiefst humanistische Sicht auf den Menschen mit klassischen Bezügen zur griechisch-römischen Antike. Zuletzt lebte sie in der Freiherr-von-Stein-Straße in Heimersheim. Am 13.02.1990 verstarb die Künstlerin. Zu ihren bekanntesten Werken innerhalb des Stadtgebietes gehörte der zu Beginn der 50er Jahre im Hauptportal des Peter-Joerres-Gymnasiums in der Wilhelmstraße angebrachte Reliefzyklus „Sinnbilder des Lebens“, der 1984 den Umbaumaßnahmen weichen musste.

Erna Deisel-Jennes, Weinbrunnen; Schenkung: Horst Müller, Sinzig


Erna Deisel-Jennes in museum-digital


Über die Bildhauerin und ihr künstlerisches Schaffen


Bild des intakten Brunnenmodells


 

Simeonstift Trier startet mit der Restaurierung erster Gemälde aus dem Ahrtal

4.05.2022 | Jeder der Anwesenden hat noch den Zustand vor Augen, in dem die Gemälde und Zeichnungen aus Ahrweiler ins Depot des Stadtmuseums Simeonstift in Trier geliefert wurden. Der Geruch hängt noch in der Luft des Lagerraums. „Wir haben Filteranlagen mit Luftentfeuchtern aufgestellt. Anfangs mussten wir mehrmals die Woche die Geräte leeren, weil sich so viel Wasser darin gesammelt hat“, berichtet Dimitri Scher, der als Restaurator für das Simeonstift tätig ist. Das war vor neun Monaten. Nun trifft er sich mit Kolleginnen und Kollegen vor Ort, um zu beraten, wie es mit der Bewahrung des Kulturguts aus Ahrweiler weitergehen soll. Als die Werke in Trier ankamen, waren sie nicht nur durchnässt, sondern mit einer dicken Schlammschlicht überzogen. Die Bildträger lösten sich ab, Keilrahmen waren verzogen, Farbschichten abgeplatzt. Unter dem bräunlichen Belag, der schnell zu einer betonartigen Masse antrocknete, konnten die Motive teils kaum noch erkannt werden. In einem ersten Reinigungsschritt wurden die Oberflächen daher vom groben Schmutz befreit, um eine Zuordnung zu ermöglichen.

Dank der Expertise von Heike Wernz-Kaiser, der Leiterin des früheren Stadtmuseums Bad Neuenahr-Ahrweiler, konnten darunter unter anderem Arbeiten von Pitt Kreuzberg, Hermann Schmitzbonn oder Gerd Lehnen identifiziert werden – bekannte und beliebte Künstler der Region, deren Werke das Bild des Ahrtals geprägt haben. 30 Prozent der umfangreichen Sammlung von Malerei, Grafik, Skulptur und angewandter Kunst, die das Stadtmuseum Bad Neuenahr-Ahrweiler nach seiner Schließung aus Brandschutzgründen in einer konservatorisch gesicherten Tiefgarage eingelagert hatte, fielen dem Hochwasser zum Opfer. Es könnten mehr werden, denn ob sich alle Werke wiederherrichten lassen, blieb auch bei der aktuellen Sichtung durch die Expertenrunde fraglich.

Für eine Beurteilung wurde daher auch die Meinung von Prof. Dr. Tilly Laaser, vom Lehr- und Forschungsgebiet „Konservierung und Restaurierung von Gemälden“ der Technischen Hochschule Köln, herangezogen, die mit einer Mitarbeiterin zur Begutachtung der Kunstwerke nach Trier gereist war. Als der Museumsverband Rheinland-Pfalz im vergangenen Jahr einen Aufruf zur Rettung der Werke startete, erklärte sie sich sofort zur Unterstützung bereit. Mit Kolleginnen und Kollegen anderer Bereiche will sie ein fächerübergreifendes Projekt ins Leben rufen, bei dem die angehenden Restauratorinnen und Restauratoren ihrer Hochschule nicht nur ihre fachpraktischen Dienste anbieten. Auch prospektiv soll Knowhow für ein schnelles Handeln im Katastrophenfall gesammelt werden. „Wir möchten aus dieser Situation lernen und das Wissen zum Kulturgutschutz für die Zukunft vernetzen“, kündigte die Restauratorin an. Bundesweit hatten zahlreiche Museen und Institutionen ihre Hilfe angeboten, sei es mit Fachkräften oder Patenschaften – darunter das Römisch-Germanische Zentralmuseum und das Dommuseum in Mainz, das Historische Archiv der Stadt Köln, das ZKM Karlsruhe, die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, das Landesmuseum Württemberg, die Klassik Stiftung Weimar und das Jüdische Museum Berlin.

Wo die Werke nach ihrer Restaurierung einen dauerhaften Platz finden werden, ist dabei noch offen. „Natürlich sind hier „nur“ Objekte zu Schaden gekommen. Das steht in keinem Verhältnis zu dem, was den Menschen im Ahrtal widerfahren ist. Aber die Kunstwerke sind Teil der Identität dieser Region. Daher ist es wichtig, ihr Andenken zu bewahren“, so Dr. Elisabeth Dühr, Direktorin des Stadtmuseums Simeonstift und Vorsitzende des Museumsverbands Rheinland-Pfalz.

"Bildnis Irmgard Külz" wird aus dem Spendentopf des Museumsverbands restauriert

25.04.2022 | Das Bildnis Irmgard Külz, 1913 gemalt vom Münchner Maler Carl Kögelwird mit finanziellen Mitteln aus dem Spendentopf des Museumsverbandes restauriert. Für dieses Gemälde engagieren sich Restaurierungspaten. Die Fotos zeigen das Bildnis Irmgard Külz mit originaler Rahmung 2017 vor (Abb. 1) und 2021 nach einem durch die Flutkatastrophe entstandenen Wasserschaden (Abb. 2). Das Gemälde wurde der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler 2017 von der Autorin und Lyrikerin Beatrix Kefferpütz als Schenkung übergeben.

Das Bildnis ist für die Geschichte der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler bedeutend: Dargestellt ist die 11-jährige Irmgard Külz mit langen blonden Zöpfen und weißem Kleid auf einer Bank sitzend. In der rechten Hand hält sie einen bunten Strauß von Wiesenblumen, in der linken einen Sommerhut. Ihre helle Gestalt ist eingebettet in das natürliche Grün der Ahrlandschaft, die im Hintergrund zusammen mit dem Neuenahrer Berg zu erkennen ist.

Irmgard Külz war die Tochter der Schriftstellerin Emma Trosse (1863-1949) und des Arztes Constantin Külz (1869-1923). Dieser hatte mit der Klinik Külz das erste Sanatorium für Diabetiker im Heilbad Neuenahr gegründet. Der Ruf des Heilbades als Diabetesbad ist stadtgeschichtlich eng mit dem Namen dieser Klinik verbunden. Ihre Mutter Emma Trosse gehörte zu den ersten weiblichen Gasthörerinnen der Friedrich-Wilhelm-Universität Berlin. Sie war Lehrerin, Klinikleiterin und Autorin von wissenschaftlicher Literatur und Sachliteratur. Von großer Bedeutung sind ihre Beiträge zur Sexualwissenschaft, die Pionierarbeiten auf dem Gebiet der weiblichen Homosexualität darstellen. Später arbeitete sie in der Klinik ihres Mannes, veröffentlichte medizinische Abhandlungen und übernahm nach dessen Tod die Leitung der Klinik.

Die als Mädchen porträtierte Kunsthistorikerin Dr. Irmgard Quednow (1902-1961), geborene Külz, arbeitete mit an dem Buch Die Kunstdenkmäler des Kreises Ahrweiler und untersuchte die Madonna in der St.-Marien-Kapelle Ahrweiler. Sie wurde mit einer Arbeit über Die Dekorative Architektur und die Plastik des 14. Jahrhunderts in der Stiftskirche Unserer Lieben Frau zu Oberwesel promoviert. Später übernahm sie die Leitung der Klinik von ihrer Mutter, während sich ihr Ehemann Dr. med. Erwin Quednow-Külz und später ihr Sohn Horst Quednow mit seiner Ehefrau Helene bis in die 1990er Jahre der erfolgreichen Behandlung der Diabetespatienten widmeten.

Informationen zum Künstler:

Carl Kögl (1873-1946) ist ein Künstler der renommierten Münchner Malerschule. Kögl wurde in München als Sohn eines Tapezierers geboren. Seine künstlerische Ausbildung ist ungeklärt. Bekannt sind Arbeiten von ihm im Münchner Raum und in der Hainichener Trinitätskirche sowie im dortigen Heimatmuseum. Durch seine Einheiratung in die weitverzweigte Familie Külz 1921 finden sich Spuren seines künstlerischen Schaffens auch in Bad Neuenahr im Ahrtal: Neben dem Bildnis der Irmgard Külz zeichnet er hier auch für die 1910/11 erfolgte Ausmalung über dem Hochaltar der Rosenkranzkirche verantwortlich.

Carl Kögl. Bildnis Irmgard Külz, 1913, Öl auf Leinwand, H. 98,5; B. 71 cm.


Schenkung für stadtgeschichtliche Sammlung | Blick aktuell (04.08.2017)


Carl Kögl: Bildnis Irmgard Külz | museum-digital


Neuer Glanz für Quellenentdecker Georg Kreuzberg: Porträt wird restauriert

03.02.2022 | Die Flutwelle im Juli 2021 hat nicht nur das Leben und die Landschaft des Ahrtals innerhalb kürzester Zeit vollkommen verändert. Auch das Lebenswerk eines der markantesten Unternehmerpersönlichkeiten der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, des Quellenentdeckers Georg Kreuzberg (1796-1873), ist von den Zerstörungen betroffen. Kreuzberg war Gründer des Apollinarisbrunnens und des Heilbades Neuenahr. Das mineralhaltige Wasser wird heute als Apollinaris Mineralwasser unter dem Dach des Coca-Cola Konzerns von Bad Neuenahr aus vertrieben.

Trotz seiner Verdienste existieren kaum Abbildungen von Kreuzberg. Erst im Februar 2021 konnte die Stadt ein Porträt, gemalt 1959 von Hanns Matschulla, aus Privatbesitz ankaufen. Es wurde in der Flutnacht beschädigt und glücklicherweise im Zuge der „Notbergung Ahrweiler“ gerettet. Als wichtiges stadtgeschichtliches Dokument und darüber hinaus als Beleg für das expressive künstlerische Schaffen von Hanns Matschulla (1901-1971) wird es nun mit Spendenmitteln des Museumsverbandes Rheinland-Pfalz restauriert.

Hanns Matschulla hat als Bildhauer und Maler zahlreiche Kunstwerke im Stadtgebiet von Bad Neuenahr-Ahrweiler und im Kreis Ahrweiler hinterlassen. Was nach der Flut noch vorhanden ist, konnte noch nicht erfasst werden. Trotz zahlreicher Auftragsarbeiten hat sich der Künstler eine eigene Handschrift bewahrt: Bei dem Porträt von Georg Kreuzberg handelt es sich nicht um ein traditionell bürgerliches Bildnis, der Maler betont vielmehr mit der Wuchtigkeit und Expressivität seines Farbauftrages die aktive Kraft und die Willensstärke des Unternehmers. Dieser Eindruck wird dadurch verstärkt, dass der Oberkörper das kleine Bildformat (82 x 66 cm) fast zu sprengen scheint, um in seiner ganzen Größe hervorzutreten.

Wie die Dokumentation des Zustandes des Gemäldes zeigt, ist die für Matschulla charakteristische Leuchtkraft der Farben noch erhalten (Abb. 1). Es ist zu hoffen, dass die Farben gut von den Resten der bräunlichen Schlammschicht befreit werden können. Problematisch ist, dass sich die Malpappe durch die Feuchtigkeit verzogen hat. Sie kann nicht planiert werden, da dies für die Malschicht zu gefährlich wäre. Die Rückwand weist darüber hinaus Schimmelbildung und Risse auf (Abb. 2). Den Notsicherungsmaßnahmen durch Diplom-Restauratorin Henrike Mall vom ZKM Karlsruhe verdankt das Bild jedoch einen hohen Reinigungsgrad.

Weitere Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahmen werden von Diplom-Restauratorin Anna-Helen Gnoyke in ihrem Atelier in Weißenfels/Saale durchgeführt. Gnoyke meldete sich auf den Aufruf zu Restaurierungspatenschaften, den der Museumsverband im August 2021 über den Verband der Restauratoren (VDR) startete. Sie ist auf die Konservierung und Restaurierung von Gemälden, Holz-Skulpturen und gefassten Holzobjekten spezialisiert.

Informationen zum Künstler:

Hanns Matschulla (1901-1971), „Georg Kreuzberg sprengt seinen Rahmen“, 1959.
Der Maler und Bildhauer Hanns Matschulla stammt aus Lipiny (Oberschlesien), verbrachte aber den größten Teil seines kreativen Lebens in Ahrweiler. Er hinterließ in großer Zahl Kunstwerke, aber auch kunsthandwerkliche Arbeiten in Holz und Stein. Arbeiten von Matschulla sind an vielen Stellen im Kreis Ahrweiler zu finden. Matschulla war Gründungsmitglied der 1941 gegründeten Are-Künstlergilde Bad Neuenahr-Ahrweiler. (Quelle)


Kreuzberg-Porträt aus den Fluten gerettet | Rhein-Zeitung (17.02.22)


Flut: Weiterer bedeutender Kunstgegenstand gerettet | Blick aktuell (18.02.22)


Kreuzberg-Porträt wird in Sachsen-Anhalt restauriert | General-Anzeiger Bonn (20.02.22)


 

Weihnachtgrüße aus Ahrweiler und Ludwigshafen an alle Restaurator:innen

23.12.2021 |

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kunstfreunde,

Sie haben sich nach der Flutkatastrophe an der Ahr im Juli dieses Jahres spontan bereit erklärt, bei der Rettung und Wiederherstellung der in hohem Maße betroffenen Sammlungsstücke der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler behilflich zu sein. Für diese Solidarität möchten wir uns zum Ende des Jahres noch einmal ausdrücklich sehr herzlich bedanken und Ihnen noch eine kleine Rückmeldung über den aktuellen Stand geben.

Die im Zuge der Notbergung geretteten Sammlungsstücke befinden sich bei unterschiedlichen unterstützenden Museen, die über entsprechende Lagerkapazitäten verfügen. Dort wurden die Objekte erstversorgt, ggf. stabilisiert oder hinsichtlich evtl. Schimmelbildung behandelt. Sehr dringlich zu behandelnde Sammlungsstücke wurden von Restaurierungswerkstätten unterstützender Museen aufgenommen, die in der Lage sind, notwendige Maßnahmen zeitnah umzusetzen. Für einen bereits gesichteten Teilbestand ist eine Priorisierung entsprechend der stadt- bzw. regionalgeschichtlichen Bedeutung erfolgt. Eine Sichtung hinsichtlich des restauratorischen Aufwands steht jedoch noch aus.

Beim Wiederaufbaufond Hochwasser Rheinland-Pfalz wurde ein Budget angemeldet, um ab dem nächsten Jahr mit der Wiederherstellung der Sammlungsstücke beginnen zu können. Der Museumsverband Rheinland-Pfalz richtete ein Spendenkonto für die Restaurierung von Kulturgut aus dem Sammlungsbestands des Stadtmuseums Ahrweiler ein.

In einem nächsten Schritt werden Kostenangebote eingeholt und - nach Abwägung von Priorisierung und Restaurierungsmaßnahmen - Objekte für Patenschaften bzw. Auftragsvergaben ausgewählt. Über die Website des Museumsverbands Rheinland-Pfalz RLP https://www.museumsverband-rlp.de/hochwasser werden wir Sie über die Fortschritte auf dem Laufenden halten. Sobald diese Arbeiten abgeschlossen sind, werden wir uns bei Ihnen melden und auf Ihr freundliches Angebot der Unterstützung zurückkommen.

Zunächst aber wünschen wir Ihnen Frohe Weihnachten und einen hoffentlich gesunden Start ins neue Jahr!

Es grüßen aus Ludwigshafen und Ahrweiler
Bettina Scheeder und Heike Wernz-Kaiser

Kulturstaatssekretär Hardeck überzeugt sich von Solidarität bei Rettung von Kulturgütern

07.12.2021 | Kulturstaatsekretär Prof. Dr. Jürgen Hardeck konnte sich vergangenen Dienstag im Erkenbert-Museum Frankenthal einen Eindruck von der Solidarität bei der Rettung von Kulturgütern des Ahrtals verschaffen.

„Die Museumsleitung des Erkenbert-Museums hat die Übernahme der Restaurierung einiger Objekte aus dem Museum im Ahrtal angeregt und der Stadtvorstand und Ältestenrat haben hierzu ihre Genehmigung erteilt. Das ist keinesfalls selbstverständlich und ich möchte Ihnen hier in Frankenthal, die sie dies möglich machen, sehr herzlich danken. Danken möchte ich insbesondere auch Bettina Scheeder und Dr. Elisabeth Dühr vom Museumsverband Rheinland-Pfalz, ohne deren Netzwerk und großes Engagement diese Hilfen nicht funktioniert hätten“, erklärte Kulturstaatssekretär Jürgen Hardeck. 

Die sieben Gemälde, die gerade in Frankenthal restauriert werden, sind zum Teil über hundert Jahre alt. „Es ist gut zu wissen, dass diese Gemälde, die heute in Ihre Obhut zur Restaurierung gegeben werden hier in Frankenthal eine sichere Möglichkeit der Unterbringung und konservatorische adäquaten Aufbewahrung finden, solange es in Ahrweiler diese Möglichkeit eben noch nicht wieder gibt“, sagte Hardeck.

Bei der ersten Begutachtung anwesend waren neben Staatssekretär Prof. Dr. Jürgen Hardeck des Ministeriums für Familie, Frauen, Kultur und Integration des Landes Rheinland-Pfalz, der Oberbürgermeister der Stadt Frankenthal Martin Hebich, die Leiterin des Stadtmuseums Bad Neuenahr-Ahrweiler Heike Wernz-Kaiser und die Geschäftsführerin des Museumsverbandes Rheinland-Pfalz Bettina Scheeder.

Restauratorin Joanna Bella untersuchte die Schäden an den Gemälden mit feinmechanischem Hilfsmitteln und gab eine erste Einschätzung zu Restaurierungsbedarf und -möglichkeiten ab.

Erkenbert-Museum übernimmt Restaurierung von sieben Gemälden aus dem Ahrtal

11/21 | Einem Aufruf des Museumsverbands Rheinland-Pfalz um Hilfe für das gebeutelte Museum folgend boten die Stadt Frankenthal und das Erkenbert-Museum ihre Unterstützung bei der Restaurierung von sieben Gemälden, die bei der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal schwer beschädigt wurden, an. Die schlimmsten Schäden an den Gemälden wurden bereits im Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe beseitigt. Dort wurde eine Grundreinigung der unter dicken Schlammschichten verborgenen Bilder durchgeführt. Mitarbeiter des Erkenbert-Museums holten die Objekte dort ab und brachten sie am 7. Dezember 2021 ins Erkenbert-Museum. 

Die Restaurierungsarbeiten werden dort von der erfahrenen Gemälderestauratorin Joanna Bella durchgeführt. Die Dauer der Restaurierung wird sich aus der Begutachtung der Arbeiten und der Erstellung eines Restaurierungskonzeptes ergeben. Bei fünf der sieben Gemälde handelt es sich um Werke von Künstlern, die aus Ahrweiler und Umgebung sowie aus der Eifel stammten. 

Informationen zu den Künstler:innen & ihren Werken:

Bernhard Müller-Feyen (1931-2004), Kurgarten Bad Neuenahr, 1959.
Der Maler und Bildhauer Bernhard Müller-Feyen stammt aus Adenau in der Eifel. Das Gemälde ist Teil seiner malerischen Werkphase. Zentrales Motiv ist der farbenprächtige Kurpark des Heilbades Neuenahr im sommerlichen Licht des Jahres 1959. 

Pitt Kreuzberg (1888-1966), Ohne Titel & Petri Fischzug
Der Maler Pitt Kreuzberg stammt aus Ahrweiler und verstarb an seinem langjährigen Wohnort in Schalkenmehren. Zeit seines Lebens war er ein Querdenker und Suchender nach den Geheimnissen des Lebens. Zu seinem künstlerischen Nachlass zählen unverwechselbare Porträts der Eifellandschaft und ihrer Menschen, die durchdrungen sind vom tiefen Glauben an eine Dynamik der Dinge und einen ewigen Naturkreislauf. Das Gemälde „Ohne Titel“ und „Petri Fischzug“ sind typische Arbeiten des Spätwerks des Künstlers Ende der 1950er Jahre. 

Carl Weisgerber (1891-1968), Förster im Wald (Öl auf Leinwand)
Carl Weisgerber wurde in Ahrweiler geboren und begann schon früh Tiere zu zeichnen und zu präparieren. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs begann er 1919 sein Studium der Landschafts- und Tiermalerei bei Prof. Max Clarenbach an der Düsseldorfer Malerschule. Zu Lebzeiten besaß Weisgerber in Düsseldorf, der Region Niederrhein und der Ahreifel große Beliebtheit. Zu seinen bedeutendsten Werken gehören die großformatigen Eifelpanoramen und Motive des Düsseldorfer Hofgartens. 

Grete Willers (1883-1977), Schloss Kreuzberg (Öl auf Leinwand, 1915)
Grete Willers wurde am 30.07.1883 in Oldenburg geboren. Nach dem Studium der Malerei in Düsseldorf, München und Paris gehört sie u.a. zu den frühen Mitgliedern im „Jungen Rheinland“ in Düsseldorf. 1921 studierte sie am Bauhaus in Weimar bei Johannes Itten, Oskar Schlemmer, Gertrud Grunow, Walter Gropius, Paul Klee und Wassily Kandinsky und widmete sich seit dieser Zeit der Tapisserie. In Dessau hielt sie sich 1927 in der Versuchswerkstatt auf, 1928 wechselte sie als Leiterin der Webereiklasse an die Folkwangschule für Gestaltung in Essen. Das Ahrtal besuchte Grete Willers 1915, nachdem sie ihr Studium in Paris wegen des Ersten Weltkrieges aufgeben musste.

Hinzu kommen zwei Arbeiten aus dem Atelier einer Karlsruher Restauratorin – eines davon von Ernst Kley, dem Mitgründer der Are-Künstlergilde e.V. Bad Neuenahr-Ahrweiler.


Rettung nach der Flut: Frankenthaler Erkenbert-Museum hilft Bad Neuenahr-Ahrweiler | Die Rheinpfalz (08.12.2021)


Frankenthal: Erkenbertmuseum restauriert Gemälde aus Ahrtal | SWR (09.12.2021)


Nach Ahrtal-Flut: Gemälde werden in Frankenthal restauriert | Mannheimer Morgen (13.12.2021)


Das Erkenbert-Museum und die Flutkatastrophe im Ahrtal | Das Wochenblatt (10.02.2022)


 

Vereinigung Pfälzer Kunstfreunde spendet 10.000 Euro für flutgeschädigtes Kulturgut

16.11.2021 | Die Vereinigung Pfälzer Kunstfreunde (VPK) spendet 10.000 Euro aus dem Erlös ihrer „Benefizveranstaltung zugunsten der Flutopfer im Ahrtal“ für die Restaurierung von flutgeschädigten Exponaten des Stadtmuseums Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die Scheckübergabe fand am 16. November 2021 im Herrenhof Mußbach statt. Bei der Scheckübergabe anwesend waren Dr. Hermann Bleiholder, Vorsitzender der Vereinigung Pfälzer Kunstfreunde, Bettina Scheeder, Geschäftsführerin Museumsverband Rheinland-Pfalz, Museumsleiterin Heike Wernz-Kaiser vom Stadtmuseum Bad Neuenahr-Ahrweiler und die Vorsitzende der Vereinigung Pfälzer Kunstfreunde Hanne Korb.

Im Rahmen einer Benefizaktion der Pfälzer Kunstfreunde im Oktober 2021 wurden Spenden im Wert von 10.000 Euro gesammelt. Zum Verkauf kamen Original-Grafiken von rund 60 Künstlerinnen und Künstlern aus dem Archiv der Kunstfreunde – darunter Werke von Rudolf Scharpf oder der Pfalzpreisträgerin Heike Negenborn.

Der gesamte Spendenerlös kommt nun der Aktion „SolidAHRität: Spenden für die Restaurierung von Kulturgut“ zugute. Vor dem Hintergrund der Flutkatastrophe im Ahrtal hatte der Museumsverband Rheinland-Pfalz e.V. unter diesem Titel im August zu Spenden für die aufwändige Restaurierung der beschädigten Museumsobjekte des Stadtmuseums Bad Neuenahr-Ahrweiler aufgerufen. Knapp 2.800 Objekte und damit beinahe der gesamte Sammlungsbestand wurden von der Flutkatastrophe in Mitleidenschaft gezogen.


Interview mit der Museumsleiterin Heike Wernz-Kaiser | Die Rheinpfalz (16.11.2021)


 

SPD-Fraktion des Kulturausschusses im Landtag besichtigt Gemälde aus dem Ahrtal

08.11.2021 | Um sich ein Bild vom Zustand der geretteten Gemälde aus dem Ahrtal zu machen, hat die SPD-Fraktion des Kulturausschusses des rheinland-pfälzischen Landtags das Depot des Trierer Stadtmuseums besucht. Seit Anfang August lagern und trocknen hier Kunstwerke aus dem Ahrtal, die durch Vermittlung des Museumsverbands Rheinland-Pfalz in einer Notrettungsaktion auf Museen in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen verteilt wurden.

In Begleitung von Oberbürgermeister Wolfram Leibe, Kulturdezernent Markus Nöhl und Dr. Elisabeth Dühr, Vorsitzende des Museumsverbands Rheinland-Pfalz, verschaffte die Gruppe sich einen Überblick über die Situation: Restaurator Dimitri Scher schilderte die Schäden, die das Hochwasser an den Kunstwerken verursachte, die in Ahrweiler in einer Tiefgarage gelagert wurden. Die frühere Leiterin des Stadtmuseums Bad Neuenahr-Ahrweiler, Heike Wernz-Kaiser, war ebenfalls vor Ort und beschrieb die dramatische Rettung der Kunstwerke aus dem völlig zerstörten unterirdischen Depot.

Die Mitglieder des Kulturausschusses zeigten sich beeindruckt ob der bereits geleisteten Arbeit zur Rettung der Kunstschätze und sagten ihre Unterstützung für die weiteren Schritte zu: „Was wir hier vor uns sehen, ist unser aller kulturelles Erbe in Rheinland-Pfalz, und dem sollten wir uns verpflichtet fühlen“, so eine Sprecherin des Kulturausschusses.

Erste Gemälde aus Ahrweiler im Rahmen von Restaurierungspatenschaft teilrestauriert

15.10.2021 | Die ersten aus der Flut geretteten Gemälde der stadtgeschichtlichen Sammlung Ahrweiler sind teilrestauriert. „Schloß Kreuzberg“ von Grete Willers und Ernst Kleys „Inferno – Bomben über Ahrweiler“ wurden nach der Erstversorgung durch das ZKM im Rahmen einer Restaurierungspatenschaft von der freiberuflichen Restauratorin Juliane Lange instand gesetzt. Vorder- und Rückseite der Gemälde wurden gereinigt und genäht. Die Hartfaserplatte des Kley-Gemäldes konnte wieder in einen planen Zustand gebracht werden. Auch die Rahmen wurden versorgt. Eine weitere Behandlung, sofern erwünscht oder erforderlich, wird im Erkenbert Museum Frankenthal erfolgen, wo sieben restaurierte Gemälde der Sammlung zwischengelagert werden sollen.

150.050 Euro bei Kunstauktion zugunsten des Ahrtals ersteigert

24.09.2021 | Im Rahmen der Auktion „Aktion Kunst & Kultur im Ahrtal“ wurden am 22.09.2021 im Ludwig Museum Koblenz Werke im Wert von insgesamt 150.050 Euro versteigert. Sowohl prominente als auch regionale Künstlerinnen und Künstler haben ihre Werke zugunsten von Kulturschaffenden im Ahrtal gespendet. Mehr als 50 Werke kamen unter den Hammer, darunter Werke von Joseph Beuys, Titus Lehner, Gottfried Helnwein oder der chinesischen Konzeptkünstlerin Jiny Lan. Es können aktuell noch Werke zum Startpreis erworben werden.

Die Spendenerlöse kommen der Bürgerstiftung der Volksbank RheinAhrEifel eG zugute. Vor dem Hintergrund der Flutkatastrophe widmet die Stiftung ihr Engagement den Betroffenen und Helfern in den Katastrophengebieten. Über die Verteilung der Spendengelder an Kulturinstitutionen und Kulturschaffende aus dem Ahrtal berät sich das Stiftungskuratorium eng mit einem Expertenkreis aus dem Bereich Kunst und Kultur.

Die Schirmherrschaft für die Charity-Auktion hatte Nicole Steingaß, Staatssekretärin des Ministeriums für Inneres und Sport, inne. Prof. Dr. Jürgen Hardeck, Staatssekretär im Ministerium für Familie, Frauen, Kultur und Integration des Landes Rheinland-Pfalz, hat im Namen seines Ministeriums für Werke mitgeboten.


Ludwig Museum Koblenz: Kunstauktion für Künstler im Ahrtal | SWR AKTUELL (23.09.2021)


Charity-Auktion für Künstler im Ahrtal | Deutsche Welle (22.09.2021)


 

Socken, Stoffe, Solidarität: Spenden-Aktion im Freilichtmuseum #SolidAHRität

16.08.2021 | Das Rheinland-Pfälzische Freilichtmuseum in Bad Sobernheim startet nach Aufruf des Museumsverbands Rheinland-Pfalz e.V. zu „#SolidAHRität“ eine Benefizaktion: Auf dem Tuchmarkt am 14. und 15. August 2021 im Rheinland-Pfälzischen Freilichtmuseum sammelten die Veranstalter*innen zugunsten der Flutopfer im Ahrtal. An der Schiffschaukel, den Marktständen und bei den Handwerker*innen wurden fleißig die Spendenboxen gefüllt.

Zusammen mit den Eintrittsgeldern ergab sich die stolze Summe von rund 9.500 Euro. Das Geld kommt sowohl Menschen, die privat Opfer der Flutkatastrophe wurden, als auch den betroffenen Museen im nördlichen Rheinland-Pfalz zugute. Zu gleichen Teilen verrechnet, gehen jeweils rund 4.750 Euro an das Spendenkonto des Landes Rheinland-Pfalz sowie an den Museumsverband Rheinland-Pfalz e.V., der unter dem Stichwort „SolidAHRität“ zu Spenden für die aufwendige Restaurierung von Kulturgut aufgerufen hat.

Restaurierung von fünf Skulpturen durch Ernst von Siemens Kunststiftung gesichert

19.08.2021 | Von großer Solidarität und Einsatzbereitschaft sind die Aufräum- und Wiederaufbauarbeiten in den von der Flutkatastrophe betroffenen Gebieten geprägt. Gleiches gilt auch für die Bergung und Rettung von größtenteils leider stark beschädigten Kunst- und Kulturgütern aus den überfluteten Museen.

Bei der Bergung eines ausgelagerten und überfluteten Sammlungsbestandes des Stadtmuseums in Bad Neuenahr-Ahrweiler unterstützte ein ortsansässiger Restaurator gemeinsam mit seiner ebenfalls als Restauratorin ausgebildeten Schwester die Bergungsarbeiten über Tage.

Fünf plastische Steinobjekte, darunter zwei um 1530 entstandene Schildträger-Figuren, befinden sich nun in der fachkundigen Obhut des Restaurators. Sie sind  aufgrund ihrer Verschmutzung und des Schimmelbefalls in kritischem Zustand und müssen dringend gereinigt werden, bevor weitere erhaltende Maßnahmen durchgeführt werden können.

Ein Projekt der Corona-Förderlinie für Selbständige in Museen und Sammlungen der Ernst von Siemes-Kunststiftung.


Weitere Restaurierung von fünf Skulpturen gesichert | Ernst Von Siemens Kunststiftung


 

Kulturministerin Katharina Binz begutachtet gerettete Gemälde in Trier

11.08.2021 | 55 Gemälde aus der städtischen Kunstammlung des Stadtmuseums Bad Neuenahr-Ahrweiler werden von Kulturministerin Katharina Binz und Museumsleiterin Heike Wernz-Kaiser zusammen mit Elisabeth Dühr, Vorsitzende des Museumsverbands Rheinland-Pfalz, das erste Mal seit der Bergung begutachtet.

„Wo Menschen um ihr Leben und ihre Existenz kämpfen, scheint die Restaurierung von Kunstwerken zunächst zweitrangig“, erklärt Museumsdirektorin Dr. Elisabeth Dühr. „Für die Identität der Menschen im Ahrtal sind diese Werke jedoch von großer Bedeutung, ihre Restaurierung ist ein wichtiger Beitrag zur Zukunftsfähigkeit der Region. Ich hoffe, dass in naher Zukunft eine langfristige Lösung zur Bewältigung dieser Aufgabe gefunden wird.“