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„WIM – Wandel im Museum“

Change Management-Projekt des Museumsverbands Rheinland-Pfalz (2023-2024)

Kleine Museen müssen vielfältige Herausforderungen bewältigen: Sie sollen ihre Sammlung adäquat bewahren und attraktiv präsentieren, begleitende Angebote für ihre Zielgruppen entwickeln und durchführen, Öffentlichkeitsarbeit betreiben sowie die komplette Administration selbstständig bewältigen. Oft fehlen das nötige Know-How, Zeit und finanzielle Mittel, um diese Aufgaben angemessen zu erfüllen. Damit die vorhandenen Potenziale umfänglich genutzt und die Ressourcen gezielt eingesetzt werden können, ist eine auf die Bedürfnisse der Häuser abgestimmte Beratung notwendig.

Das Change Management-Projekt „WIM – Wandel im Museum“ des Museumsverbands Rheinland-Pfalz unterstützt kleine Museen im Land, die genannten Anforderungen zu meistern, und zeigt ihnen Perspektiven für die Zukunft auf. WIM steht dabei nicht nur für strategischen Wandel, sondern auch für Wissenstransfer, Wirksamkeit und Wohlfühlen im Museum. Während der aktuellen Projektlaufzeit 2023 bis 2024 stellen sich fünf kleine Museen aus ganz Rheinland-Pfalz ihren jeweiligen Herausforderungen. Sie werden dabei von zwei erfahrenen Referentinnen fachlich fundiert und bedarfsgerecht begleitet:

Elisabeth Portz-Schmitt ist Diplom-Pädagogin mit langjähriger Erfahrung in der Erwachsenenbildung. Bettina Scheeder bringt als ehemalige Geschäftsführerin des Museumsverbands Rheinland-Pfalz ihren umfangreichen Erfahrungsschatz in der Museumsberatung großer und kleiner, ehrenamtlich betreuter sowie hauptamtlich geleiteter Museen in das Projekt ein. Die Museen aus dem Vorgängerprojekt „Changemanagement – Museen im Wandel“ (2019–2022) stehen zusätzlich als Mentoren für die neuen Projektteilnehmerinnen und -teilnehmer zur Verfügung und berichten über die angestoßenen Veränderungsprozesse innerhalb ihrer Organisationen.

Das Projekt „WIM – Wandel im Museum“ wird gefördert vom Ministerium für Familie, Frauen, Kultur und Integration Rheinland-Pfalz. Die Auftaktveranstaltung fand am 8. September 2023 im Stadtmuseum Neustadt in der Villa Böhm statt.


Auftaktveranstaltung | Stadtmuseum Neustadt in der Villa Böhm | 8. September 2023


 

Workshops und Exkursionen im Rahmen von WIM

#5 | Geplante Veranstaltungen & Termine

  • 19.04.2023 | Friedensmuseum Brücke von Remagen | Thema: Museen als 3. Ort
  • April bis Sept. 2024 | Termine vor Ort mit Mentor:innen und Projektleiterinnen
  • 06.09.2024 | N.N. | N.N.
  • 08.11.2024 | Abschlussveranstaltung

#4 | Workshop: Sammlungskonzepte

Terra-Sigillata-Museum Rheinzabern | 16.02.2024

Das zweite Arbeitstreffen im Rahmen des Change Management-Projekts WIM führte die Projektteilnehmenden ins Terra-Sigillata-Museum Rheinzabern. Als deutschlandweit einziges Museum seiner Art bewahrt das archäologische Museum die Geschichte des römischen Töpferorts „Tabernae“ für die Nachwelt. Im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. entwickelte sich Tabernae, wie Rheinzabern einst genannt wurde, zum größten Keramikproduktionszentrum nördlich der Alpen. Das Museum vermittelt anschaulich Herstellung, Vertrieb und Handel des vor Ort hergestellten hochqualitativen Tafelgeschirrs Terra Sigillata. Darüber hinaus widmet sich die Ausstellung dem Alltagsleben im römischen Tabernae sowie den Themen Religion, Grabkultur und Mythologie.

Gastgeberin vor Ort war Barbara Thomas, die seit 2023 als hauptamtliche Leiterin für das Museum verantwortlich ist. Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Jockgrim, Karl Dieter Wünstel, sowie Manuel Thomas, 1. Vorsitzende des Trägervereins Terra-Sigillata-Museum Rheinzabern e.V., berichteten aus der Geschichte des Museums und von den Herausforderungen, denen sich das Museum und der Verein aktuell stellen müssen – etwa der Neukonzeption der Dauerausstellung oder der Kommunikation nach außen.

Der inhaltliche Schwerpunkt des Arbeitstreffens lag auf dem Thema Sammlungskonzepte.  Referent Dr. Bernd Klesmann, Leiter des Stadtmuseums und Stadtarchivs Kaiserslautern, gab in seinem Impulsvortrag „Sammeln oder nicht sammeln? Konzepte jenseits des Ausstellungsbetriebs“ zahlreiche praxisnahe Tipps für den Umgang mit Sammlungsstrukturen in Museen. Auch die Fragen nach der Sammlungswürdigkeit einzelner Objekte oder dem Nutzen und Wert einer ganzen Sammlung wurden diskutiert.

Im Rahmen des Workshops erkundeten die Teilnehmenden anschließend die Ausstellungsräume des Terra-Sigillata-Museums und bewerteten diese mit den Erwartungen einer ihnen zugewiesenen Zielgruppe. Diese Bewertung bildete in der Diskussionsrunde die Grundlage für Lob und Kritik an der Präsentation des Hauses. Besonderen Anklang fand die Vermittlungsarbeit des Museums: „Das Terra-Sigillata-Museum setzt bei der Vermittlung seiner Inhalte auf ein ansprechendes Farbschema, dass sich durch sämtliche Räumlichkeiten fortführt. Das Konzept beruht auf der Vermittlung durch eine Vielzahl archäologischer Objekte, die in der Sammlung umfangreich präsentiert werden. Einige interaktive Stationen, besonders für die kleineren Besucherinnen und Besucher, runden das pädagogische Angebot ab. Zudem wird der römische Alltag durch Führungsangebote, wie das Töpfern von Keramikschalen oder einem kulinarischen Programm „Römisch essen“, erlebbar gemacht“, lobten die Museumskollegen und -kolleginnen.

Zum Abschluss des Tages schilderten die Teilnehmenden ihre Eindrücke in einer Feedback-Runde und tauschten sich über mögliche Themen für ihre eigenen Ausstellungen sowie ihre eigenen Sammlungskonzepte aus.

#3 | Exkursion: Stadtgeschichte & -archiv

MARCHIVUM Mannheim | 01.12.2023

Im Rahmen von WIM waren die Projektteilnehmer:innen am 1. Dezember 2023 zu Gast im MARCHIVUM Mannheim. Das MARCHIVUM ist Mannheims Archiv, Haus der Stadtgeschichte und Erinnerung. Es ist aus dem Stadtarchiv Mannheim – Institut für Stadtgeschichte hervorgegangen. Mit dem Einzug in das neue Haus erhielt das Stadtarchiv Mannheim – ISG zum 1. März 2018 den Namen MARCHIVUM. Dieser Name drückt das Selbstverständnis der Institution aus, die sich zu ihrer Tradition bekennt und zugleich neuen Entwicklungen offensteht. Eine Ausstellung widmet sich der Mannheimer Stadtgeschichte von den Anfängen bis heute.

Gastgeber vor Ort war Dr. Christian Groh, der als Abteilungsleiter für die Ausstellungen verantwortlich ist. In seiner Begrüßung ging Dr. Groh auf die Besonderheiten und die Geschichte des Gebäudes ein: ein Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg, der im Laufe der Zeit ganz unterschiedliche Funktionen erfüllte. Im Rahmen einer Führung erhielten die Teilnehmer:innen der Exkursion einen Eindruck davon, wie es gelingen kann, sowohl den Anforderungen eines Archivs als auch den Aufgaben eines Stadtmuseums gerecht zu werden und mit einer modernen und attraktiven Präsentation Besucher:innen für Stadtgeschichte zu begeistern.

Das MARCHIVUM setzt bei der Vermittlung seiner Inhalte auf ein Konzept, das ganz auf Vitrinen und Objekte verzichtet und Informationen interaktiv und digital aufbereitet. Ein Einführungsfilm über die Geschichte Mannheims auf drei Projektionsebenen beeindruckte die Teilnehmer:innen nachhaltig. Über Touchscreens konnten sie außerdem in der Ausstellung durch wichtige Ereignisse scrollen oder den sprechenden Porträts der Kurfürsten Johann Wilhelm, Karl Philipp und Karl Theodor lauschen. Ein besonderes Highlight war in dieser Hinsicht auch die virtuelle Fahrt durch die Straßen Mannheims in einem nachgebauten Benz-Motorwagen.

Im MARCHIVUM spart man aber auch die dunklen Zeiten der Stadtgeschichte nicht aus. Im 1. Obergeschoss des früheren Bunkers befindet sich das NS-Dokumentationszentrum auf einer Fläche von ca. 600 qm. Die vielschichtige und fundierte Aufbereitung dieses stadthistorischen Themenkomplexes und die Führung zur Geschichte Mannheims in der Zeit des Nationalsozialismus hinterließ bei den Teilnehmer:innen tiefen Einrdruck. Biografien von Mannheimer Bürgern wurden beispielsweise erlebbar, indem Opfer und Täter zu Wort kamen. Interaktive Karten informierten darüber, wie viele Einwohner Mannheims in den Konzentrationslagern ermordet wurden.

Zum Abschluss der Exkursion schilderten die Teilnehmer:innen des WIM-Projektes ihre Eindrücke in einer Feedback-Runde und tauschten sich über mögliche Themen für eigene Ausstellungen und Veranstaltungen zur Stadtgeschichte und darüber hinaus aus.

#2 | Workshop: Zielgruppenspezifische Museumspädagogik

Stadt- und Festungsmuseum in Germersheim | 17.11.2023

Bei dem ersten Projektworkshop stand das Thema „Museumspädagogische Angebote für verschiedene Altersgruppen“ im Vordergrund. Impulsgeberin und Referentin im Workshop war Dr. Dorothée Henschel. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Stadtmuseum Simeonstift in Trier und dort zuständig für den Bereich kulturelle Bildung im Museum. Zu Beginn galt es, das Museum kennenzulernen: Die Teilnehmer:innen konnten sich überzeugen, dass das Museum sich wortwörtlich „im Wandel“ befindet, denn einige Ausstellungsbereiche waren bereits im Hinblick auf die zu planende Sanierungsmaßnahme ausgeräumt. Andere Bereiche brachten mit ihrer überreichen Fülle an Objekten und Themen die Anwesenden zum Staunen. Auch kritische Themen kamen zu Sprache: Der Umgang mit der umfangreichen Waffen- und Militariasammlung etwa, mit potenziell gesundheitsgefährdenden Tierpräparaten oder die Frage der Provenienzforschung. Dass es im aktuell geschlossenen Stadt- und Festungsmuseum etwas kühl war, kompensierte eine heiße Suppe zur Mittagspause.

Nach einem Überblick von Dorothée Henschel über die zahlreichen Möglichkeiten und Zielgruppen musealer Vermittlung starteten sechs Kleingruppen in eine intensive Gruppenarbeit: Mit Porträts verschiedener Museumsbesucher:innen und Informationen zu deren Interessen und Familiensituation ausgerüstet, galt es, Ideen und Formate zu entwickeln, die für das Stadt- und Festungsmuseum in Germersheim neue Impulse liefern sollten. Diese sogenannten „Personas“ waren beispielsweise der bodenständige, praktisch orientierte Kurt oder die 13jährige Anna, die zwar gerne zeichnet, aber Museen doch meistens langweilig findet. Dabei gab es manchen Lacher („Auch wir kennen Kurt!“) und Aha-Effekte („Manche Nichtbesucher können Sie mit Ihrem Angebot und an ihrem Standort nicht erreichen.“).

Schließlich standen noch Fragen der Organisation auf dem Programm, und es gab auch eine Hausaufgabe: Das Arbeitsblatt „Das sind unsere nächsten Schritte! Wie geht’s bei uns weiter?“ mit zielführenden Fragen zur Reflektion des Gelernten und der möglichen Anwendung für das eigene Museum.


Stadt- und Festungsmuseum Germersheim: Viel Arbeit und Bewegung hinter den Kulissen | Wochenblatt | 28.11.2023


 

#1 | Fortbildung: Ausstellungen richtig gestalten

Pfälzer Musikantenland-Museum | 05.11.2023

Ausstellungen sind zentrale Bestandteile eines Museums. Richtig umgesetzt regen sie Besucher:innen dazu an, sich nachhaltig mit den präsentierten Inhalten auseinanderzusetzen und berühren auch emotional. Dazu bedarf es längst nicht immer der digitalen High End-Lösung. Auch kleine Kniffe können viel bewirken. Aber wie schaffen es kleine Häuser mit wenig Ressourcen, eine Ausstellung so zu konzipieren, dass sie die Gäste vor Ort tatsächlich erreichen?

Die Fortbildung im Pfälzer Musikantenland-Museum vermittelte in Theorie und Praxis Grundlagen der Ausstellungskonzeption und -gestaltung. Am Beispiel der im Rahmen des Programms „TRAFO – Modelle für Kultur im Wandel“ geplanten Neukonzeption und -gestaltung des Musikantenland-Museums auf Burg Lichtenberg erarbeiteten die Teilnehmer:innen in Kleingruppen verschiedene Teilbereiche des Gesamtprojektes, z.B. eine Stärken-Schwächen-Analyse, eine Gesamtvision, Schlüsselexponate oder Möglichkeiten der Partizipation. Am Ende erfolgte eine Besprechung der Ergebnisse, bei der die Teilnehmer:innen von Referentin und Ausstellungsgestalterin Regina Hauber hilfreiche Tipps für eigene Ausstellungsprojekte erhielten.

TRAFO wurde von der 2015 von der Kulturstiftung des Bundes initiiert, um ländliche Regionen in ganz Deutschland dabei zu unterstützen, Veränderungsprozesse in der regionalen Kulturarbeit anzustoßen.

Gefördert durch: