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30 Jahre Museumsverband

Geschichten, Hintergründe und Meilensteine aus 30 Jahren Verbandsgeschichte!

 

Liebe Freund*innen des Museumsverbands,

seit der Gründung des Museumsverbands Rheinland-Pfalz am 26. Oktober 1992 vertreten wir aktiv die Interessen der Museen gegenüber Politik, Öffentlichkeit und Medien.

Heute beraten wir die Museen im Auftrag der Landesregierung, bieten museumsspezifische Fortbildungen an und engagieren uns aktuell in den Bereichen Digitalisierung, Kulturgutschutz und Changemanagement in Museen – mit einem unveränderten Anspruch an Qualität, Vielfalt und an einen gleichberechtigten Austausch.

In den kommenden Wochen möchten wir Sie mit 30 abwechslungsreichen Episoden aus 30 Jahren Verbandsgeschichte unser Jubiläum mit Ihnen begehen. Es erwarten Sie kurzweilige, interessante und sicherlich auch überraschende Einblicke in die Verbandsgeschichte!

In Vorfreude auf das Verbandsjubiläum grüßt herzlich
Bettina Scheeder

 


 

#17 | Vernetzung als Lebens- und Überlebensmotto

Der Verband aus Sicht seines hessischen Kooperationspartners


Christina Reinsch ist seit 2010 für den hessischen Museumsverband tätig, zunächst als Referentin für Museumsberatung, seit 2020 leitet sie die Geschäftsstelle. In einem persönlichen Grußwort anlässlich unseres 30jährigen Verbandsjubiläums blickt sie auf 22 Jahre Erfahrung mit dem Museumsverband Rheinland-Pfalz zurück. Das erste Mal kam sie um die Jahrtausendwende während ihres Volontariats beim Westfälischen Museumsamt mit dem rheinland-pfälzischen Verband in Berührung:

„Der Museumsverband Rheinland-Pfalz als Institution war da noch jung, die einzige Gründung eines westdeutschen Verbandes nach der sog. „Wende“, soweit mir bekannt ist. In dieser Zeit und auch in den Jahren danach war die nun berufene Geschäftsführerin [Anmerkung: Bettina Scheeder] intensiv damit befasst, die finanzielle Basis für die Verbandsarbeit und die Förderung der Museen im Flächenland Rheinland-Pfalz zu konsolidieren und den Verband als unabdingbare Größe für die Belange der kleineren Museen im Land zu etablieren.

Da Not bekanntlich erfinderisch macht, hat der Verband von Beginn an – auch schon unter Ulrich Löber – auf das System der „Hilfe zur Selbsthilfe“ gesetzt. Mit dem Amtsantritt von Bettina Scheeder wurde der fachliche Austausch durch „Regionalkonferenzen“ intensiviert und zu einem eigenen Fortbildungsformat ausgebaut. Auch wenn der Verband bezogen auf die Größe des Landes und das hauptamtliche Personal in der Museumsberatung eher in der hinteren Reihe stand, gelang es der Geschäftsstelle über die bei den Regionalkonferenzen verhandelten Themen Akzente zu setzen, die bundesweit für Aufmerksamkeit sorgten und nah am Puls der Zeit waren. Im Vergleich zu vielen anderen Museumsverbänden war er sogar auch bisweilen der Zeit voraus, wie etwa bei dem heute aus dem öffentlichen Diskurs gar nicht mehr wegzudenkendem Thema der Barrierefreiheit und Inklusion im Museum.

Dies gilt auch für ein weiteres Themenfeld, welches im vergangenen Jahr traurige Aktualität bekam und die Arbeit der Geschäftsstelle über Monate bestimmte: Die Flutkatastrophe im Ahrtal und das Notfallmanagement zur Rettung von Museumsgut. Die hier geleistete Unterstützung zur Koordinierung der Bergung und Sicherung der Kulturgüter aus den betroffenen Museen, aber auch die genaue Analyse der Schwachstellen war beispielgebend für viele andere Bundesländer und hat als reicher Schatz an Erfahrungswissen Vorbildfunktion für den Umgang mit künftigen Schadensereignissen.

Doch blicken wir noch einmal zurück: Immer wieder neue Kooperationen einzugehen, wurde zum Lebens- und Überlebensmotto der Museumsberatungsstelle des Museumsverbandes in Rheinland-Pfalz. Was inhaltlich und für die Vernetzung im Lande sicher sehr bereichernd war und ist, bedeutete und bedeutet aber auch, immer wieder von Neuem sich mit Partnern zusammenzufinden, zunächst erst einmal Strukturen der Zusammenarbeit zu entwickeln und viel Energie für die bestmögliche Ausgestaltung der gemeinsamen Projekte aufzuwenden.

Die daraus gewonnenen Erfahrungen zu teilen, war für die Kolleginnen aus Rheinland-Pfalz stets selbstverständlich. Bei der Neuausrichtung des Museumsverbandes Hessen, die vor zwei Jahren mit der Besetzung einer hauptamtlichen Geschäftsführung und weiteren neuen Stellen eingeleitet wurde, war daher auch der enge Austausch über Chancen und Risiken von Kooperationen für die Formulierung eigener Ziele und Vorhaben äußerst wertvoll. Schon seit 2012 kooperieren der Museumsverband Rheinland-Pfalz und der Hessische Museumsverband offiziell im Rahmen der Weiterbildungsveranstaltungen miteinander. In dieser Zeit haben wir etwa zwanzig gemeinsame Veranstaltungen organisiert, die durchweg große Resonanz bei den Teilnehmenden fanden. Fachlich profitierten wir darüber hinaus auch von der Jurorentätigkeit bei der Vergabe des Museumspreises der Sparkassen Kulturstiftung Hessen-Thüringen.

Der Kontakt zu anderen Museumsverbänden, das gemeinsame fachliche Arbeiten und die Mitwirkung auf nationaler Ebene bildete das erweiterte Arbeitsfeld, wo Bettina Scheeder dem Museumsverband Rheinland-Pfalz Reputation verschaffte, sich umfangreich vernetzte und zu einer Aktivistin für die Belange gerade auch der kleinen Museen im Lande wurde.

Im Rahmen der Konferenz der Museumsberatungsstellen der Länder, kurz KMBL, fallen darunter die Mitwirkung in der AG Digitalisierung (mit dem Start von Museum Digital 2009), in der AG Kleine Museen und der AG Fortbildung. Zudem war der Museumsverband Rheinland-Pfalz oft Gastgeber für die Kolleg*innen aus den anderen Bundesländern. Als Sprecherin der KMBL kümmerte Bettina Scheeder sich von 2013–2014 um die nationalen Belange, kommunizierte die aktuellen Themen schnell und kompetent zwischen den Landesstellen und Verbänden, dem DMB und unterschiedlichen Gremien und sorgte dafür, dass die Homepage der KMBL 2013 / 2014 nach jahrelanger Diskussion endlich umgesetzt wurde.

Von 2007 bis 2014 war sie als Mitglied im Vorstand des Deutschen Museumsbundes quasi meine Vorvorgängerin und hat in dieser Zeit insbesondere die Belange der Museumsämter und -verbände und der Museen in der Fläche vertreten. Aus dieser Zeit verbindet sie mit uns, in diesem Falle mit meiner Kollegin Heike Heinzel, die gemeinsame AG-Arbeit am „Leitfaden Museumskonzept“ des DMB, ein zähes Projekt, dass nur deshalb zum Abschluss gekommen ist, weil, so die Zeitzeugin, Bettina nach langer Diskussion in großer Runde die Initiative ergriff und auf einen Schlusspunkt insistierte, der dann im Rahmen einer Mammutsitzung in Ludwigshafen gesetzt wurde. Bettina Scheeder war bei etlichen weiteren Leitfäden des Deutschen Museumsbundes beteiligt, wobei „beteiligt“ das falsche Wort ist. In der Regel hat sie auch die Hauptlast der Arbeit auf sich geladen.

Ich habe meine Ausführungen begonnen mit dem Hinweis auf die späte Institutionalisierung der Museumsberatung in der Verantwortung des Museumsverbandes Rheinland-Pfalz. Was möchte ich nun als Partnerverband mit auf den Weg geben? Es ist der Wunsch, dass – wie bei uns – auch bei Ihnen die Museumsberatung gestärkt wird. Sie ist ein entscheidendes Instrument zur Qualitätssicherung der Museumsarbeit im Lande und bedarf einer angemessenen personalen Ausstattung, um ihren Auftrag auch flächendeckend einlösen zu können. Dieses sichert nicht nur den nachhaltigen und effizienten Einsatz von Fördermitteln, sondern trägt auch dazu bei, Museen mitzunehmen bei den gesellschaftlich relevanten Herausforderungen der nächsten Jahre. An Aufgaben mangelt es da nicht, wenn ich auf Themenfelder wie Digitalisierung, gesellschaftliche Teilhabe, Provenienzforschung und Nachhaltigkeit schaue. Möge der Museumsverband hier Mittler und Kommunikator sein als Ansprechpartner für die Museen, aber auch als Stimme der Museen.“

 

#16 | Eckart Köhne über die Arbeit des Museumsverbands

Eckart Köhne ist seit 2014 Direktor des Badischen Landesmuseums in Karlsruhe und war bis Mai 2022 Präsident des Deutschen Museumsbundes (DMB). Von 2001 bis 2004 war er als Referent beim Museumsverband Rheinland-Pfalz tätig. Hier zeichnete er sich für das „Projekt Museumsberatung“ verantwortlich. Ziel des Projekts war es, basierend auf einer Evaluation der rheinland-pfälzischen Museumslandschaft ein Konzept für die Museumsberatung in Rheinland-Pfalz zu entwickeln. 

Anlässlich unseres 30jährigen Jubiläums spricht Eckart Köhne in seinem Grußwort über seine Zeit beim Verband und die Mitarbeit des Museumsverbands in der Arbeitsgruppe des DMB „Museen und Barrierefreiheit“, deren Leitung Bettina Scheeder inne hatte.

#15 | Koffer voller Erinnerungen

Projektförderung: Demenzarbeit im Museum

In Deutschland gibt es gegenwärtig mehr als 1,6 Millionen Menschen mit Demenz. Mit zunehmenden Alter steigt das Risiko zu erkranken. Bei der gegenwärtigen demographischen Entwicklung rechnet man dementsprechend bis 2050 mit 3 Millionen Demenzkranken. Fast jede Familie wird davon betroffen sein. 

Heute weiß man: Das Bedürfnis nach kultureller Teilhabe geht bei einer Demenz nicht verloren. Kunst und Kultur sind der Schlüssel zur emotionalen Welt von Menschen mit Demenz. Und gerade Museen als Gedächtnis- und Speicherorte einer Gesellschaft können ihren Teil zur Erinnerungsarbeit, Förderung der Kreativität und aktiven Teilhabe beitragen.

Mit den „Koffern voller Erinnerungen“ wurde deshalb vom Museumsverband Rheinland-Pfalz im Jahr 2017 ein Projekt ins Leben gerufen, das die aktive Teilhabe von Menschen mit Demenz in Rheinland-Pfalz fördern soll. Museen erhalten kostenlos einen oder mehrere Koffer und bestücken sie in Eigenregie mit Originalobjekten zu ortsspezifischen oder alltagsgeschichtlichen Themen. Die Objekte lassen die Vergangenheit lebendig werden und wecken Erinnerungen. Die Erinnerungskoffer kommen sowohl in den Museen als auch in Pflegeeinrichtungen vor Ort zum Einsatz. Sie eignen sich ebenfalls für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen und für generationenübergreifende Gruppen. 50 Koffer machen derzeit in Rheinland-Pfalz die Vergangenheit lebendig. Gefördert wurde das Projekt durch den Stiftungsfonds DiaDem. 

# 14 | Beispielhaft Barrieren abbauen

Um Menschen mit Behinderungen kulturelle Teilhabe zu ermöglichen, setzen wir bereits seit 2008 auf die Qualifizierung der Museen. Unsere Fortbildungen sowie Beratungs­gespräche vor Ort trugen dazu bei, die Berührungsängste der rheinland-pfälzischen Museen abzubauen und die Museumsmitarbeitenden für das Thema zu sensibilisieren – etwa zu räumlicher Barrierefreiheit, Leichter Sprache oder kultureller Teilhabe für Menschen mit Demenz.

Wir haben uns außerdem für die Entwicklung des Zertifizierungs­programms „Reisen für Alle – Barrierefrei geprüft“ der Rheinland-Pfälzischen Tourismus GmbH (RPT) stark gemacht. Auf Betreiben des Museums­verbands nahmen seit 2013 neben den Gästebetrieben auch Museen an den Schulungen der RPT teil und zertifizieren sich für barrierefreies Reisen. Rund 50 Museen und museumsähnliche Einrichtungen wurden bisher barrierefrei geprüft und zum Teil bereits rezertifiziert. Hierunter zählen große hauptamtlich sowie kleine ehrenamtlich geleitete Einrichtungen von A wie Arp Museum Bahnhof Rolandseck bis Z wie Zeller Wein- und Heimatmuseum.

Als erster deutscher Museumsverband haben wir 2014 eine Zielvereinbarung zur Herstellung von Barrierefreiheit mit den Organi­sa­tionen und Selbsthilfegruppen behinderter und chronisch kranker Menschen in unserem Bundesland geschlossen. Aus dieser Zusammenarbeit ging etwa das Pilotprojekts „Museum – einfach für Alle“ hervor, welches wir gemeinsam mit der Lebenshilfe Rheinland-Pfalz initiiert haben. Im Rahmen des Projekts berieten Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung Museen vor Ort: Ist das Museum barrierefrei? Werden Inhalte verständlich vermittelt? Gibt es Informationen in Leichter Sprache?

Da es nicht reicht, nur über Barrierefreiheit zu reden, fördert das Kulturministerium auf Empfehlung des Museumsverbands seit 2014 Maßnahmen zur barrierefreien Erschließung des kulturellen Erbes auch finanziell in besonderem Maße. Der inhaltliche Zugang von Dauer- und Sonder­ausstellungen für Menschen mit Behinderungen steht dabei im Fokus. Davon konnte sich auch der Landesbehinderten­beauftragte mehrfach bei seinen Besuchen der rheinland-pfälzischen Museen überzeugen.

Digital fördern wir ebenfalls die kulturelle Teilhabe aller: Unser Museumsportal informiert deshalb umfassen zu barrierefreien Angeboten der Museen – auch in Leichter Sprache oder in Gebärdensprache. Bei der Programmierung wurde darauf geachtet, Barrierefreiheit konsequent umzusetzen. Unser Portal ist seit 2019 nach BITV („Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung-Test“) barrierefrei zertifiziert und wird auf der Liste „barrierefreier Webseiten“ (ehemals „Liste 90plus“) der Informationsplattform „BIK für Alle“ geführt. Museen, die nach „Reisen für Alle“ barrierefrei zertifiziert sind, werden im Museumsportal Rheinland-Pfalz besonders gekennzeichnet.


 

#13 | Museen Sie doch mal in Rheinland-Pfalz!

Julia Kiefer, ehemalige Praktikantin des Museumsverbands, erinnert sich ...

Julia Kiefer studierte Mittlere und Neuere Geschichte sowie Politikwissenschaften in Heidelberg. 2004 absolvierte sie ein Praktikum beim Museumsverband Rheinland-Pfalz und arbeitete anschließend als freie Mitarbeiterin für den Verband. Nach weiteren Etappen in baden-württembergischen Museen arbeitet sie seit 2011 bei der LEADER-Geschäftsstelle Mittlerer Schwarzwald in Schiltach, zuerst als Mitarbeiterin und seit 2017 als Geschäftsführerin: LEADER steht für "Liaison entre actions de développement de l´économie rurale“ (Verbindung von Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft). LEADER ist ein Förderinstrument der Europäischen Union (ELER) und des Landes Baden-Württemberg zur Unterstützung innovativer Projekte im ländlichen Raum.

„Museen Sie doch mal in Rheinland-Pfalz! Mit diesem Werbeplakat und vielen Museums- und Ausstellungsflyern im Gepäck ging es während meiner Praktikumszeit beim Museumsverband Rheinland-Pfalz für die Geschäftsstelle des Verbands 2004 auf die Rheinland-Pfalz-Ausstellung nach Mainz. 10 Tage waren abwechselnd Frau Scheeder und Herr Birk sowie immer mal wieder Museumsleiter:innen vor Ort, um den Verband und seine Arbeit vorzustellen und auf die vielseitige Museumslandschaft im Land aufmerksam zu machen.

In Erinnerung geblieben sind mir, neben der Jugendherberge in Mainz und der Notwendigkeit, seine vollen Kaffeetassen ohne Kleckern durchs Getümmel zu tragen, vor allem die vielen bereichernden Gespräche mit Menschen vor Ort, die oftmals überrascht waren von der Fülle an Museen in ihrem Bundesland, der Austausch mit den Standnachbarn, das herzliche Auf-Menschen-Zugehen von Frau Scheeder und ihr schier unendliches Wissen über die Museumsarbeit.“

#12 | Bilden Sie sich weiter!

Zahlen und Fakten zu unseren Veranstaltungen seit der Jahrtausendwende

Nach der Einrichtung einer eigenen Geschäftsstelle startete der Museumsverband im Jahr 2000 mit den ersten museumsspezifischen Fortbildungen in Rheinland-Pfalz. Die ersten drei Fortbildungen haben wir dabei noch mit der Abtei Brauweiler in NRW ausgerichtet, bevor im Jahr darauf das erste eigene Fortbildungsprogramm auf die Beine gestellt werden konnte. Seitdem gibt es zusätzlich zu unseren eigenen Veranstaltungen immer wieder attraktive Termine in Kooperation mit den Museumsverbänden in Baden-Württemberg, Hessen und dem Saarland.

Erste Themen

Die erste Fortbildung des Museumsverbands überhaupt führte in das Thema Fundraising ein! Ab 2001 drehte sich bei unseren eigenen Fortbildungen dann alles um Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Marketing in Museen – ein Themenfeld, das bereits seit Gründung des Verbands als Ziel unserer Verbandsarbeit in unserer Vereinssatzung verankert ist!

Am häufigsten geschult!

Zur Digitalisierung haben wir über die Jahre 47 Veranstaltungen mit 632 Teilnehmenden durchgeführt. In keinem anderen Themenfeld haben wir häufiger oder mehr Personen geschult. Neben wechselnden Programmen wie IMDAS-Pro, Johann@HILF, Primus und seit 2009 museum-digital stand dabei beispielsweise auch die digitale Objektfotografie im Fokus.

Unser erfolgreichstes Thema!

Am erfolgreichsten waren mit durchschnittlich 33 Teilnehmenden pro Veranstaltung unsere Fortbildungen und Infoveranstaltungen zu diversen Rechtsfragen. Insgesamt haben sich 602 Personen in 19 Veranstaltungen zum Thema weitergebildet. (Zugegeben, es gab Anfang der 2000er-Jahre zwei Veranstaltungen zum Tourismus, die noch erfolgreicher waren, was die durchschnittliche Teilnehmerzahl anbelangt … Das Thema wurde allerdings danach nie wieder aufgegriffen.)

230 Veranstaltungen mit 5219 Teilnehmenden in 22 Jahren

Angefangen im Jahr 2000 bis Frühjahr 2022 haben wir 230 Veranstaltungen mit 5219 Teilnehmenden durchgeführt! Für die Zeit vor der Jahrtausendwende liegen uns keine zuverlässigen Zahlen vor. Darunter waren insgesamt 195 Schulungseinheiten:

  • 172 Fortbildungen analog und digital (davon 27 Veranstaltungen für Volontäre und Volontärinnen)
  • 23 Infoveranstaltungen mit 60 Teilnehmenden im Schnitt

Unsere Regionalkonferenzen sind hier noch gar nicht eingerechnet, dafür aber unsere Mitgliederversammlungen und die Rheinland-pfälzischen Museumstage, in deren Rahmen wir ebenfalls fortbilden oder kulturpolitische Fragen erörtern. Durchschnittlich haben wir in 22 Jahren 10,5 Veranstaltungen pro Jahr durchgeführt … konservativ gerechnet – unsere Datenbasis weist nämlich Anfang der 2000er-Jahre Lücken auf. Hinzu kommen jedes Jahr 8 Regionalkonferenzen in den vier Museumsregionen.

Aktuell und in Zukunft

Für den Herbst 2022 haben wir erstmals eine Informationseinheit zum Thema Nachhaltigkeit und Energiekrise organisiert. Ebenfalls auf der Agenda standen zuletzt Open Access und Open Source sowie Notfall- und Kulturentwicklungsplanung. Welche Themen wohl die Zukunft bringen mag?

#11 | Heute in aller Munde, 2002 für viele noch ein Fremdwort!

Demografischer Wandel als Herausforderung für die Kultur

Erstmals sahen sich Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur – darunter auch der Museumsverband – 2002 im Rahmen einer von der Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz (ZIRP) unter dem Motto „Zukunftsradar 2030“ landesweit initiierten Veranstaltungsreihe mit den Herausforderungen des demografischen Wandels konfrontiert. Auch wir lernten von der ZIRP neue gesellschaftspolitische Fragen und zukünftige Zielgruppen kennen.

Zur Sensibilisierung der rheinland-pfälzischen Museen lud der Museumsverband anschließend 2005 auf eine Infoveranstaltung ins Wilhelm-Hack-Museum nach Ludwigshafen. Im Rahmen der Veranstaltung, die in Kooperation mit der ZIRP erfolgte, wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit den Hochrechnungen demografischer Daten der jeweiligen Museumsstandorte konfrontiert. Der größte Bevölkerungsschwund mit rund 30% wurde der Stadt Pirmasens attestiert, während für Alzey ein Zuwachs von rund 20% prognostiziert wurde.

Die sich ändernden ökonomischen Bedingungen in Deutschland – etwa die zunehmende Zahl prekärer Arbeitsverhältnisse und die größer werdende Schere zwischen Arm und Reich – machten zusätzlich deutlich, dass Museen sich in Zukunft mit der Zusammensetzung des Publikums und einer sich entsprechend verändernden Angebotspalette auseinandersetzen müssen.

Mit diesen Informationen im Kopf begaben sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei geschlossenen Augen auf eine halbstündige Zeitreise: Informationen wurden verarbeitet, erste Ideen entwickelt. In dem anschließenden lebhaften Austausch gab es zahlreiche Vorschläge, wie die Museumsarbeit der Zukunft angesichts neuer Herausforderungen aussehen könnte. Für den Museumsverband ein wahrer Fundus an neuen Aufgaben mit weitreichenden Folgen für unser Fort- und Weiterbildungsangebot!

Seitdem nehmen wir neben den ureigenen Museumsaufgaben stärker als bisher gesellschaftspolitische Fragen und zukünftige Zielgruppen in den Blick. Ziel ist es damals wie heute, Menschen, die bislang selten den Weg ins Museum finden, den Zugang zu ermöglichen: Kinder und Jugendliche bzw. Schüler:innen (seit 2002), Senior:innen (seit 2010), Menschen mit Behinderungen (seit 2011), Menschen mit Migrationshintergrund (seit 2011) und Menschen mit Demenz (seit 2012).
 


Übrigens: Die ZIRP, die sich mit den Herausforderungen des demografischen Wandels in Rheinland-Pfalz beschäftigt, feiert ebenfalls in diesem Jahr ihr 30jähriges Jubiläum – wir gratulieren!


Und so blickt Rheinland-Pfalz 2022 in die Zukunft: Statistische Analysen. Demografischer Wandel in Rheinland-Pfalz (Stand 28.06.2022)


 

#10 | Vom Zettelkasten zum digitalen Inventarisieren

Digital von Anfang an: Beratung zur Sammlungsinventarisierung

Wie behält ein Museum über tausende, zehntausende oder sogar hunderttausende Objekte den Überblick? Die Antwort lautet: Mit einer Datenbank! Einer Datenbank als digitales Verzeichnis der Originale.

Schon 1988, also vier Jahre vor der Gründung des Verbands, trafen sich elf Museumsmitarbeiter:innen aus Trier, Koblenz, Kaiserslautern, Mainz und Bad Dürkheim am 20.11.1988 im damaligen Ministerium für Kultur, Jugend, Familie und Frauen mit einem Vertreter eines Mannheimer Museums zum Austausch über „Software zur Inventarisierung an den Museen in Rheinland-Pfalz“.

Als der Museumsverband Rheinland-Pfalz dann 1992 gegründet wurde, spielten Karteikarten, die klassischerweise in analogen Zeiten zum Inventarisieren verwendet wurden, für die Museumsberatung bereits keine Rolle mehr. Während andere Museumsverbände, wie beispielsweise der 1928 gegründete Hessische Museumsverband, ihre Mitglieder bereits seit Dekaden zum Inventarisieren mit Karteikarten schulten, wurde diese Phase der Beratung in Rheinland-Pfalz übersprungen. Noch heute macht sich das bemerkbar: In Hessen und anderen Bundesländern verfügen zahlreiche Museen über eine analoge Sammlungsdokumentation, in der rheinland-pfälzischen Museumslandschaft ist dies dagegen eher die Ausnahme als die Regel.

Vor 2001, als der Verband weder über eine eigene Geschäftsstelle noch hauptamtliches Personal verfügte, stand der gegenseitige Austausch und die kollegiale Weiterbildung im Fokus. Ab 2001 übernahm die Geschäftsstelle die Organisation der Fortbildungen zur digitalen Inventarisierung. Auch das damit zusammenhängende Fortbildungsthema „Digitale Objektfotografie“ avancierte zum Dauerbrenner. Geschult wurde vorerst zu wechselnden Programmen: IMDAS-Pro, Johann@HILF und Primus 1.0. 2009 war es dann so weit: Der Museumsverband Rheinland-Pfalz stieg bei „museum-digital“ ein und konzentrierte sich fortan bei der Beratung auf diese nichtkommerzielle Software. Das Motto lautet nicht erst seitdem: Digital first! Dennoch können Museen auch heute noch mit museum-digital Karteikarten erstellen.

#9 | Was macht eigentlich der Vorstand des Museumsverbands, Elisabeth Dühr?

Dr. Elisabeth Dühr (* 1957) studierte Kunstgeschichte, Geschichte und Philosophie in Heidelberg und Bonn. Seit 1989 ist sie am Stadtmuseum Simeonstift Trier tätig, seit 1997 als Direktorin. Mit der Neueröffnung des Museums im Jahr 2007, der Profilschärfung der stadtgeschichtlichen Sammlung und der Erweiterung der Vermittlungsangebote hat sie die Museumsstadt Trier maßgeblich geprägt. Seit 2011 ist sie zudem Vorstand des Museumsverbands Rheinland-Pfalz.

Der ehrenamtlich tätige Vorstand des Museumsverbands Rheinland-Pfalz setzt sich aus den Regionalvertreter:innen der Regionen Koblenz, Pfalz, Rheinhessen und Trier, den Beisitzer:innen, der Vorsitzenden, dem stellvertretenden Vorsitzenden und Schatzmeister, dem Schriftführer und der Geschäftsführung des Verbands zusammen. Alle sind gleichermaßen stimmberechtigt.

Durch die im Vorstand fest verankerte Regionalvertretung wird eine Einbeziehung der Regionen in die Verbandsarbeit gewährleistet. Ziel ist es, die Besonderheiten der rheinland-pfälzischen Museumslandschaft abzubilden sowie die Förder- und Fortbildungsmaßnahmen den tatsächlichen Bedarfen der Museumsmitarbeiter:innen vor Ort anzupassen. Insbesondere die zweimal jährlich stattfindenden Regionalkonferenzen bieten ein gutes Stimmungsbarometer dafür, welche Themen die Museen in den Regionen bewegen. Diese Themen dann in die Vorstandssitzungen zu tragen, ist Aufgabe der Regionalvertretung. Auf dieser Grundlage lassen sich anschließend gezielte Fortbildungen und unterstützende Informationen für alle Museen im Land entwickeln.

Hilfestellung vor Ort wird im Verband generell großgeschrieben. Die Vertreter:innen der Regionen fungieren als wichtige Ansprechpartner:innen für konkrete Fragen und geben je nach Möglichkeit gerne Hilfestellung: Ob Informationen abgefragt werden oder technische Unterstützung benötigt wird, die Regionalvertreter:innen sind in ihrem Wirkungsbereich aktive Unterstützer:innen. Unser Augenmerk liegt dabei auf der großen Zahl ehrenamtlich geführter Museen in unserem Bundesland.

Im Auftrag der Landesregierung trifft sich der Vorstand außerdem zweimal jährlich, um die eingereichten Förderanträge zu beraten und eine qualifizierte Stellungnahme für das zuständige Ministerium zu erarbeiten. Dabei ist die Kenntnis der antragstellenden Häuser von entscheidender Bedeutung. Geschäftsführung und Vorstandsmitglieder tragen gemeinsam und in Abstimmung die Argumente für eine Förderung oder für die Überarbeitung der Anträge zusammen.

Auch die Mitarbeit einzelner Vorstandsmitglieder in Gremien und Arbeitskreisen ist wichtig für das Netzwerk des Verbands und hilft, aktuelle Anliegen aus der Museumslandschaft in die politische Diskussion einzubringen. Zu wichtigen museumpolitischen Fragestellungen wie beispielsweise Restitution, Digitalisierung oder Changemanagement bringen die Vorstandsmitglieder ihre Erfahrungen ein und helfen so, die Informationen des Verbands für alle Museen im Land zeitnah und qualifiziert zur Verfügung zu stellen. Geschäftsführung und Vorstand arbeiten Hand in Hand für die Museen in Rheinland-Pfalz und sind bemüht, museale Anliegen in die politische Entscheidungsfindung zu tragen und Hilfestellung bei der Professionalisierung der Häuser selbst zu leisten.

#8 | Ein neues Jahrtausend bricht an: Museumsverband 2.0.

Anfang der 2000er-Jahre standen Veränderungen ins Haus. Der Verband sollte zusätzliche Aufgaben für die Landesregierung übernehmen und als zentrale Anlauf-, Förder- und Beratungsstelle für die Museen in Rheinland-Pfalz aufgebaut werden. Nach zahlreichen Verhandlungen wurde schließlich am 30. März 2001 eine Vereinbarung zwischen dem Land Rheinland-Pfalz und dem Museumsverband unterzeichnet, in der beide Partner erklärten, „dass es gemeinsame Aufgabe ist, die Museumslandschaft in Rheinland-Pfalz gemäß den Zielsetzungen des Museumsplans Rheinland-Pfalz voranzutreiben“. Dabei sollte neben der finanziellen Unterstützung der Museen durch das Land die Erweiterung von Dienstleistungs-, Beratungs- und Fortbildungsangeboten für die nichtstaatlichen Museen ein größeres Gewicht als bislang erhalten.

Ab dem 1. April 2001 trat die Vereinbarung in Kraft. Dem Verband oblag nun in Absprache mit dem zuständigen Ministerium die Vergabe der Fördermittel für die nichtstaatlichen Museen. Anträge auf Förderung waren nicht mehr an das Ministerium zu richten, sondern an die Geschäftsstelle des Museumsverbands. Auch Beratungsanfragen waren nun nicht mehr an das Ministerium oder die „staatlichen Vertrauensleute für die Museumsberatung“ (die Direktor:innen der Landesmuseen und des Historischen Museums der Pfalz in Speyer) zu stellen.

Um zu ermitteln, unter welchen Bedingungen eine Beratung aller rheinland-pfälzischen Museen einheitlich organisiert und durchgeführt werden könnte, wurde vom Museumsverband in der Folge das Projekt „Konzept Museumsberatung“ initiiert. Ziel des Projekts war es, Inhalte und Organisation der Museumsberatung im Hinblick auf eine kontinuierliche Verbesserung der Museumsarbeit im Land zu definieren. Von 2001 bis 2003 wurden die nichtstaatlichen Museen statistisch erfasst und ihre Beratungsbedarfe eruiert. Auf dieser Basis wurde eine Beratungskonzept entwickelt, das bis heute einen Mix aus kollektiver und individueller Museumsberatung, aus Projektarbeit und nachhaltiger Vernetzung vorsieht.

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Zur Abbildung: Der Vorsitzende des Museumsverbands Peter Eisenlohr dankt Staatsministerin Dr. Rose Götte für ihre Unterstützung. Die Ministerin hatte sich in ihrer Amtszeit für eine Erweiterung des Aufgabenspektrums und für die damit einhergehende Institutionelle Förderung des Verbands eingesetzt. Das Foto wurde am 7. Mai 2001 während des 5. Rheinland-Pfälzischen Museumstags im Landesmuseum Mainz aufgenommen.

#7 | Was hat es mit den rheinland-pfälzischen Museumsregionen auf sich?

Die Museumslandschaft Rheinland-Pfalz ist in die vier Regionen Koblenz, Mainz, Pfalz und Trier aufgeteilt. Die Einteilung ist historisch: Die Regionen gehen auf ehemalige Regierungsbezirke zurück – seit der Gründung des heutigen Bundeslands Rheinland-Pfalz im Jahr 1946 waren es mal fünf, mal drei an der Zahl!

In Mainz, Trier und Koblenz gibt es noch heute entsprechende Landesmuseen, die das regionale Kulturerbe bewahren. Für die Pfalz übernimmt das Historische Museum der Pfalz in Speyer diese Aufgabe. Die Direktor:innen der vier genannten Museen berieten bis in die 1990er-Jahre automatisch als „staatliche Vertrauensleute für die Museumsberatung“ die Museen ihrer Region.

Heute ist die Museumsberatung zentral und landesweit über den Museumsverband Rheinland-Pfalz organisiert. Den regionalen Besonderheiten wird aber nach wie vor Rechnung getragen: Die in unserem Bundesland einzigartige Einbeziehung der Regionen in die Verbandsarbeit ist wesentlicher Kern unseres Selbstverständnisses und wir setzen seit Beginn der Vereinsgründung bis heute auf Regionalarbeit vor Ort, etwa im Rahmen von sogenannten Regionalkonferenzen, die zweimal im Jahr in jeder Region stattfinden. So ist sichergestellt, dass die einzelnen Häuser auch vor dem Hintergrund ihres jeweiligen regionalen Umfelds angesprochen werden und ihre Mitarbeiter:innen sich vor Ort vernetzen können. Maßgeblich trägt dazu auch die im Vorstand des Museumsverbands fest verankerte Regionalvertretung bei.

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EXKURS: Das 1946 gebildete Bundesland Rheinland-Pfalz gliederte sich bis 1968 in die ebenfalls 1946 neu errichteten Regierungsbezirke Montabaur (Sitz ebd.), Rheinhessen (Sitz in Mainz) und Pfalz (Sitz in Neustadt an der Weinstraße) sowie die bereits 1816 von Preußen eingerichteten Regierungsbezirke Koblenz und Trier. Später wurden sie zu drei Regierungsbezirken Koblenz, Trier, Rheinhessen-Pfalz fusioniert. Montbaur wurde in den Bezirk Koblenz eingegliedert.

#6 | Impressionen rund um die Geschäftsstelle des Museumsverbands Rheinland-Pfalz


#5 | Ludwigshafen – mon amour!

Warum unsere Geschäftsstelle in Ludwigshafen am Rhein ist …

Immer wieder werden wir gefragt, warum die Geschäftsstelle des Museumsverbands ihren Sitz eigentlich in Ludwigshafen am Rhein und nicht etwa in der Landeshauptstadt Mainz hat. Die Antwort müsste wohl „aus Zufall“ lauten, denn eine ständige Geschäftsstelle war bei der Gründung des Verbands gar nicht vorgesehen. Stattdessen sollte sie mit der jeweils gewählten Geschäftsführung, die Museumsdirektor:in und Geschäftsführer:in des Museumsverbands in Personalunion war, an deren Dienstort wandern. Auch für die anfallende Verbandsarbeit sollte die Geschäftsführung auf die Infrastruktur und die Personalressourcen ihres Hauses zurückgreifen.

Die erste Geschäftsstelle war dementsprechend nicht im Süden des Landes beheimatet, sondern mit ihrem Geschäftsführer Ulrich Löber am Landesmuseum Koblenz angesiedelt. Erst mit dessen Nachfolger Richard Gassen kam sie 1999 nach Ludwigshafen ans Wilhelm-Hack-Museum. Hier wurden erstmals um die Jahrtausendwende zur Unterstützung der Geschäftsführung neue Personalstrukturen geschaffen und eine Volontariatsstelle (1999), eine Halbtagsstelle für Verbandstätigkeiten (2000) sowie eine Stelle für die Vergabe von Fördermitteln und eine Projektstelle zur Erarbeitung eines Beratungskonzepts für die Museen (beide 2001) eingerichtet. Ebenfalls 2001 stand der Umzug der Geschäftsstelle innerhalb von Ludwigshafen in die Von-Weber-Straße 54 an, wo sie bis heute ist. Tatsächlich existiert die Geschäftsstelle des Museumsverbands Rheinland-Pfalz allerdings erst seit 2003 in der Form, in der wir sie noch heute kennen: als ständige, hauptamtlich geführte Geschäftsstelle mit festem Sitz in Ludwigshafen am Rhein.

Für uns liegt die Antwort aber auch darüber hinaus auf der Hand: Wir können uns einfach keinen besseren Ort für unsere Geschäftsstelle vorstellen als Ludwigshafen mit seinem rauen Industriecharme, den kühnen städteplanerischen Utopien, dem „modernsten Bahnhof Deutschlands“ und der kurpfälzischen Mundart … Allen, die noch nicht überzeugt sind und Ludwigshafen nur als hässlichste Stadt Deutschlands kennen, sei die Teilnahme an einer der hiesigen Germany's Ugliest City Tours empfohlen. In deren Rahmen lernten bereits hunderte Menschen die Eigenarten, aber auch die Selbstironie dieser Stadt kennen und lieben.


 

#4 | Gründungsmitglieder

Zur Gründungsversammlung erschienen laut Anwesenheitsliste insgesamt 72 Personen, darunter 68 Personen aus 56 verschiedenen Museen des Lands oder den dazugehörigen Trägervereinen und 4 Personen aus der Politik und Denkmalpflege. Von den 56 Gründungsmuseen existieren heute noch 51 Museen. Das Naturkundemuseum Maria Laach, das Museum der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, Gabys Spinnwebsammlung und die Heimatausstellung Bad Münster sind inzwischen (zum Teil vorübergehend) geschlossen. Die Sammlung des Museums für moderne Keramik ist weitestgehend in der Sammlung des Landesmuseums Mainz aufgegangen. Wieder andere haben zwischenzeitlich ihren Namen geändert oder präsentieren ihre Sammlung an einem neuen Ort, existieren aber nach wie vor:


Gründungsmuseen des Museumsverbands Rheinland-Pfalz


 

#3 | „Biegen oder Brechen“: Thonet als Gründungsvater des Museumsverbands

Im Rahmen seiner Gründungsrede stellte der erste Geschäftsführer des Museumsverbands Rheinland-Pfalz und Direktor des Landesmuseums Koblenz, Ulrich Löber, den in Mainz anwesenden Gründungsmitgliedern ein eigens für den neuen Verband entworfenes Signet vor (Abb. 1). Dieses Logo war, wie er unterstrich, in Anlehnung an die Bugholzspirale der Gebrüder Thonet (Abb. 2) entstanden. Bugholz ist eine heute in der Möbelherstellung übliche Art der Holzbearbeitung, bei der Holzstücke gedämpft, in Formen und Kurven gebogen und dann getrocknet werden, um in diesen Formen zu härten. Als Michael Thonet dieses Verfahren um 1830 entwickelte, galt es als absolut innovativ. Mit der Wahl des Motivs verband sich folglich die Hoffnung, der neue Verband möge ebenso dynamisch, elastisch und zugleich formstabil wie die Spirale und so innovativ und erfolgreich wie die Gebrüder Thonet selbst sein. Zu seinen Mitstreitern sagte Löber wörtlich: „Ich halte dieses Logo für besonders geeignet, die Erwartungen, die wir alle in dieser Geburtsstunde unserem Museumsverband auf den Weg geben, zu versinnbildlichen.“

Das Logo fand tatsächlich Verwendung beim ersten 1994 gedruckten Museumsverzeichnis Rheinland-Pfalz. Es zierte „Das Eingangsbuch als Grundlage der Inventarisierung musealer Sammlungen“ und die ersten Museumsmitteilungen, die der Verband von 1997 bis 2000 herausgab, sowie bis Mitte der 2000er Jahre den Briefkopf des Museumsverbands. Ulrich Löber war als Direktor des Landesmuseums Koblenz und als Museumsberater für die Region mit der Möbelproduktion der Gebrüder Thonet vertraut: An der Neugründung des Museums der Stadt Boppard, dem Geburtsort von Michael Thonet, den er in seiner Rede als „international renommierten Möbeltischler […] und Perfektionist[en] der Bugholztechnik, revolutionären Fertigungstechniker, Unternehmer und Vermarkter“ würdigte, war er federführend beteiligt. Das Museum im Norden von Rheinland-Pfalz besitzt noch heute eine große Thonet-Sammlung. Auch das Landesmuseum selbst kann eine kleine Möbel-Sammlung ihr Eigen nennen.

Die Original-Bugholzspirale, auf die sich Löber in seiner Rede bezog, hing damals wie heute im Werksmuseum der Firma Thonet in Frankenberg am Edersee, dem Hauptstandort der Thonet GmbH. Seine Existenz verdankt das Museum der Sammlerleidenschaft Georg Thonets: Als Urenkel des Firmengründers Michael trug er einen reichen Schatz an historischen Exponaten zusammen und machte sie durch die Eröffnung des Museums im Jahr 1989 einem breiten Publikum zugänglich. Auf einer Gesamtfläche von über 700 qm werden frühe Bugholzmöbel, Jugendstilmöbel, Stahlrohrmöbel der Bauhaus-Zeit und Möbel der Nachkriegszeit gezeigt.


 

#2 | Beim Jupiter!

Am Morgen des 26. Oktober 1992 trafen sich die Gründungsmitglieder des Museumsverbands Reinland-Pfalz in Mainz. Die Erwartungen waren dem Ort des Treffens entsprechend hoch: Die Steinhalle im Landesmuseum Mainz beherbergte schließlich Zeugnisse jahrtausendealter Geschichte. Beim Jupiter, der obersten Gottheit der Römer, stimmte man dann auch für einen Neuanfang und leitete eine Zäsur in der Museumslandschaft Rheinland-Pfalz ein.

Die Steinhalle existiert noch heute und sah sich gerade in jüngster Zeit wieder mit wechselvollen Ereignissen konfrontiert: Von 2016 bis Anfang 2021 wurde der Ort als Zwischenlösung für Plenarsitzungen des rheinland-pfälzischen Landtags genutzt. Nach einer Ankündigung des Landtags, man wolle die Örtlichkeiten über die ursprünglichen Vereinbarungen hinaus auch zukünftig als „Demokratielabor“ nutzen, startete 2021 eine Petition zum Erhalt des herausragenden und europaweit einmaligen Präsentationsorts für das römische Erbe in Mainz. Mit Erfolg: Die Steinhalle soll im alleinigen Besitz des Landesmuseums bleiben und eine angemessene und zeitgemäße Präsentation der historischen Denkmäler erhalten.

Zentrales Objekt ist die 9,2 m hohe Große Mainzer Jupitersäule. Sie wurde 1905 in über 2000 Einzelteile zerschlagen bei Grabungen in der Mainzer Neustadt entdeckt und bereits 1906 wieder zu einer Säule zusammengesetzt im Mainzer Altertumsmuseum aufgestellt. Bedingt durch die Umnutzung der Steinhalle durch den Landtag wurde die Säule bis Anfang des Jahres 2015 abgebaut. Dadurch ergab sich die Chance, den inneren Aufbau der Säule zu untersuchen, sie zu festigen und eine zeitgemäße Restaurierung unter Berücksichtigung und Hinterfragung früherer Restaurierungsphasen durchzuführen. Die Abbildung zeigt Details der Jupitersäule in drei Restaurierungsphasen.


 

#1 | 26. Oktober 1992 – Zeit für eine Revolte

„Museen kurz vor Offenbarungseid“1, „Die Angst joggt über die Museumsflure in Rheinland-Pfalz“2: Im Jahr 1992 geht, liest man die Zeitungsartikel dieser Tage, die Angst vor Rezession und Stillstand, vor Kürzungen und Einsparmaßnahmen in den Museen um. Und immer noch ist Rheinland-Pfalz, auch nach Eingliederung der neuen Bundesländer im Wendejahr 1990, das einzige Bundesland ohne eigene Interessenvertretung der Museen. Also ist es „Zeit für eine Revolte“3, wie Die Rheinpfalz am 28. Oktober 1992 anlässlich der erfolgreichen Gründung des Verbands zwei Tage zuvor am 26. Oktober titelte. 

Kaum einer hatte „nach Jahren des Zögerns“damit gerechnet. Doch die 72 Gründungsmitglieder, hauptsächlich Vertreter und Vertreterinnen von Institutionen im Land, bringen „endlich“ – in der Presse wird manch beredter Stoßseufzer zu Himmel geschickt – „ein sinnvolles Bündnis zu Trutz und Nutz“auf den Weg. Damit ist Rheinland-Pfalz tatsächlich das letzte Bundesland, in dem sich Museen in einem Interessenverband als Sprachrohr für ihre Bedrängnis, ihre Bedürfnisse und Interessen organisieren.

Der neugegründete Verband setzt sich zum Ziel, mit einer Stimme zu reden, Öffentlichkeitsarbeit für die Museen zu machen, die wissenschaftliche Inventarisierung zu verbessern, qualifizierte Beratung zu fördern und landesweite Restaurierungszentren zu etablieren. Zum ersten Geschäftsführer wird Ulrich Löber, Direktor des Landesmuseums Koblenz, gewählt. Matthias Seefelder, Kunstsammler und von 1973 bis 1983 im Vorstand der BASF, wird Vorsitzender des Vereins.


1    WJK, Museen kurz vor Offenbarungseid. Landes-Verband als neue Lobby gegründet, in: Rhein-Zeitung, 27.10.1992.
2   Clauer, Markus, Zeit für eine Revolte. Zur Gründung des Museumsverbandes Rheinland-Pfalz, in: Die Rheinpfalz, 28. Oktober 1992.
3   Ebd.

4   dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH, 26.10.1992.
4   bo, Ein sinnvolles Bündnis zu Trutz und Nutz, in: Allgemeine Zeitung Mainz, 27.10.1992.