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30 Jahre Museumsverband

Geschichten, Hintergründe und Meilensteine aus 30 Jahren Verbandsgeschichte!

 

Liebe Freund*innen des Museumsverbands,

seit der Gründung des Museumsverbands Rheinland-Pfalz am 26. Oktober 1992 vertreten wir aktiv die Interessen der Museen gegenüber Politik, Öffentlichkeit und Medien.

Heute beraten wir die Museen im Auftrag der Landesregierung, bieten museumsspezifische Fortbildungen an und engagieren uns aktuell in den Bereichen Digitalisierung, Kulturgutschutz und Changemanagement in Museen – mit einem unveränderten Anspruch an Qualität, Vielfalt und an einen gleichberechtigten Austausch.

In den kommenden Wochen möchten wir Sie mit 30 abwechslungsreichen Episoden aus 30 Jahren Verbandsgeschichte auf unser Jubiläum einstimmen, das wir zusammen mit Ihnen am 10. Oktober 2022 in Mainz feiern wollen. Kurzweilige, interessante und sicherlich auch überraschende Einblicke in die Verbandsgeschichte erwarten Sie!

In Vorfreude auf das Verbandsjubiläum grüßt herzlich
Bettina Scheeder

 


 

#1 | 26. Oktober 1992 – Zeit für eine Revolte

„Museen kurz vor Offenbarungseid“1, „Die Angst joggt über die Museumsflure in Rheinland-Pfalz“2: Im Jahr 1992 geht, liest man die Zeitungsartikel dieser Tage, die Angst vor Rezession und Stillstand, vor Kürzungen und Einsparmaßnahmen in den Museen um. Und immer noch ist Rheinland-Pfalz, auch nach Eingliederung der neuen Bundesländer im Wendejahr 1990, das einzige Bundesland ohne eigene Interessenvertretung der Museen. Also ist es „Zeit für eine Revolte“3, wie Die Rheinpfalz am 28. Oktober 1992 anlässlich der erfolgreichen Gründung des Verbands zwei Tage zuvor am 26. Oktober titelte. 

Kaum einer hatte „nach Jahren des Zögerns“damit gerechnet. Doch die 72 Gründungsmitglieder, hauptsächlich Vertreter und Vertreterinnen von Institutionen im Land, bringen „endlich“ – in der Presse wird manch beredter Stoßseufzer zu Himmel geschickt – „ein sinnvolles Bündnis zu Trutz und Nutz“auf den Weg. Damit ist Rheinland-Pfalz tatsächlich das letzte Bundesland, in dem sich Museen in einem Interessenverband als Sprachrohr für ihre Bedrängnis, ihre Bedürfnisse und Interessen organisieren.

Der neugegründete Verband setzt sich zum Ziel, mit einer Stimme zu reden, Öffentlichkeitsarbeit für die Museen zu machen, die wissenschaftliche Inventarisierung zu verbessern, qualifizierte Beratung zu fördern und landesweite Restaurierungszentren zu etablieren. Zum ersten Geschäftsführer wird Ulrich Löber, Direktor des Landesmuseums Koblenz, gewählt. Matthias Seefelder, Kunstsammler und von 1973 bis 1983 im Vorstand der BASF, wird Vorsitzender des Vereins.


1    WJK, Museen kurt vor Offenbarungseid. Landes-Verband als neue Lobby gegründet, in: Rhein-Zeitung, 27.10.1992.
2   Clauer, Markus, Zeit für eine Revolte. Zur Gründung des Museumsverbandes Rheinland-Pfalz, in: Die Rheinpfalz, 28. Oktober 1992.
3   Ebd.

4   dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH, 26.10.1992.
4   bo, Ein sinnvolles Bündnis zu Trutz und Nutz, in: Allgemeine Zeitung Mainz, 27.10.1992.


 

#2 | Beim Jupiter!

Am Morgen des 26. Oktober 1992 trafen sich die Gründungsmitglieder des Museumsverbands Reinland-Pfalz in Mainz. Die Erwartungen waren dem Ort des Treffens entsprechend hoch: Die Steinhalle im Landesmuseum Mainz beherbergte schließlich Zeugnisse jahrtausendealter Geschichte. Beim Jupiter, der obersten Gottheit der Römer, stimmte man dann auch für einen Neuanfang und leitete eine Zäsur in der Museumslandschaft Rheinland-Pfalz ein.

Die Steinhalle existiert noch heute und sah sich gerade in jüngster Zeit wieder mit wechselvollen Ereignissen konfrontiert: Von 2016 bis Anfang 2021 wurde der Ort als Zwischenlösung für Plenarsitzungen des rheinland-pfälzischen Landtags genutzt. Nach einer Ankündigung des Landtags, man wolle die Örtlichkeiten über die ursprünglichen Vereinbarungen hinaus auch zukünftig als „Demokratielabor“ nutzen, startete 2021 eine Petition zum Erhalt des herausragenden und europaweit einmaligen Präsentationsorts für das römische Erbe in Mainz. Mit Erfolg: Die Steinhalle soll im alleinigen Besitz des Landesmuseums bleiben und eine angemessene und zeitgemäße Präsentation der historischen Denkmäler erhalten.

Zentrales Objekt ist die 9,2 m hohe Große Mainzer Jupitersäule. Sie wurde 1905 in über 2000 Einzelteile zerschlagen bei Grabungen in der Mainzer Neustadt entdeckt und bereits 1906 wieder zu einer Säule zusammengesetzt im Mainzer Altertumsmuseum aufgestellt. Bedingt durch die Umnutzung der Steinhalle durch den Landtag wurde die Säule bis Anfang des Jahres 2015 abgebaut. Dadurch ergab sich die Chance, den inneren Aufbau der Säule zu untersuchen, sie zu festigen und eine zeitgemäße Restaurierung unter Berücksichtigung und Hinterfragung früherer Restaurierungsphasen durchzuführen. Die Abbildung zeigt Details der Jupitersäule in drei Restaurierungsphasen.


 

#3 | „Biegen oder Brechen“: Thonet als Gründungsvater des Museumsverbands

Im Rahmen seiner Gründungsrede stellte der erste Geschäftsführer des Museumsverbands Rheinland-Pfalz und Direktor des Landesmuseums Koblenz, Ulrich Löber, den in Mainz anwesenden Gründungsmitgliedern ein eigens für den neuen Verband entworfenes Signet vor (Abb. 1). Dieses Logo war, wie er unterstrich, in Anlehnung an die Bugholzspirale der Gebrüder Thonet (Abb. 2) entstanden. Bugholz ist eine heute in der Möbelherstellung übliche Art der Holzbearbeitung, bei der Holzstücke gedämpft, in Formen und Kurven gebogen und dann getrocknet werden, um in diesen Formen zu härten. Als Michael Thonet dieses Verfahren um 1830 entwickelte, galt es als absolut innovativ. Mit der Wahl des Motivs verband sich folglich die Hoffnung, der neue Verband möge ebenso dynamisch, elastisch und zugleich formstabil wie die Spirale und so innovativ und erfolgreich wie die Gebrüder Thonet selbst sein. Zu seinen Mitstreitern sagte Löber wörtlich: „Ich halte dieses Logo für besonders geeignet, die Erwartungen, die wir alle in dieser Geburtsstunde unserem Museumsverband auf den Weg geben, zu versinnbildlichen.“

Das Logo fand tatsächlich Verwendung beim ersten 1994 gedruckten Museumsverzeichnis Rheinland-Pfalz. Es zierte „Das Eingangsbuch als Grundlage der Inventarisierung musealer Sammlungen“ und die ersten Museumsmitteilungen, die der Verband von 1997 bis 2000 herausgab, sowie bis Mitte der 2000er Jahre den Briefkopf des Museumsverbands. Ulrich Löber war als Direktor des Landesmuseums Koblenz und als Museumsberater für die Region mit der Möbelproduktion der Gebrüder Thonet vertraut: An der Neugründung des Museums der Stadt Boppard, dem Geburtsort von Michael Thonet, den er in seiner Rede als „international renommierten Möbeltischler […] und Perfektionist[en] der Bugholztechnik, revolutionären Fertigungstechniker, Unternehmer und Vermarkter“ würdigte, war er federführend beteiligt. Das Museum im Norden von Rheinland-Pfalz besitzt noch heute eine große Thonet-Sammlung. Auch das Landesmuseum selbst kann eine kleine Möbel-Sammlung ihr Eigen nennen.

Die Original-Bugholzspirale, auf die sich Löber in seiner Rede bezog, hing damals wie heute im Werksmuseum der Firma Thonet in Frankenberg am Edersee, dem Hauptstandort der Thonet GmbH. Seine Existenz verdankt das Museum der Sammlerleidenschaft Georg Thonets: Als Urenkel des Firmengründers Michael trug er einen reichen Schatz an historischen Exponaten zusammen und machte sie durch die Eröffnung des Museums im Jahr 1989 einem breiten Publikum zugänglich. Auf einer Gesamtfläche von über 700 qm werden frühe Bugholzmöbel, Jugendstilmöbel, Stahlrohrmöbel der Bauhaus-Zeit und Möbel der Nachkriegszeit gezeigt.


 

#4 | Gründungsmitglieder

Zur Gründungsversammlung erschienen laut Anwesenheitsliste insgesamt 72 Personen, darunter 68 Personen aus 56 verschiedenen Museen des Lands oder den dazugehörigen Trägervereinen und 4 Personen aus der Politik und Denkmalpflege. Von den 56 Gründungsmuseen existieren heute noch 51 Museen. Das Naturkundemuseum Maria Laach, das Museum der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, Gabys Spinnwebsammlung und die Heimatausstellung Bad Münster sind inzwischen (zum Teil vorübergehend) geschlossen. Die Sammlung des Museums für moderne Keramik ist weitestgehend in der Sammlung des Landesmuseums Mainz aufgegangen. Wieder andere haben zwischenzeitlich ihren Namen geändert oder präsentieren ihre Sammlung an einem neuen Ort, existieren aber nach wie vor:


Gründungsmuseen des Museumsverbands Rheinland-Pfalz


 

#5 | Ludwigshafen – mon amour!

Warum unsere Geschäftsstelle in Ludwigshafen am Rhein ist …

Immer wieder werden wir gefragt, warum die Geschäftsstelle des Museumsverbands ihren Sitz eigentlich in Ludwigshafen am Rhein und nicht etwa in der Landeshauptstadt Mainz hat. Die Antwort müsste wohl „aus Zufall“ lauten, denn eine ständige Geschäftsstelle war bei der Gründung des Verbands gar nicht vorgesehen. Stattdessen sollte sie mit den jeweils gewählten Geschäftsführer*innen, die Museumsdirektor*innen und Geschäftsführer*innen des Museumsverbands in Personalunion waren, an deren Dienstort wandern. Auch für die anfallende Verbandsarbeit sollte die Geschäftsführung auf die Infrastruktur und die Personalressourcen ihres Hauses zurückgreifen.

Die erste Geschäftsstelle war dementsprechend nicht im Süden des Landes beheimatet, sondern mit ihrem Geschäftsführer Ulrich Löber am Landesmuseum Koblenz angesiedelt. Erst mit dessen Nachfolger Richard Gassen kam sie 1999 nach Ludwigshafen ans Wilhelm-Hack-Museum. Hier wurden erstmals um die Jahrtausendwende zur Unterstützung der Geschäftsführung neue Personalstrukturen geschaffen und eine Volontariatsstelle (1999), eine Halbtagsstelle für Verbandstätigkeiten (2000) sowie eine Stelle für die Vergabe von Fördermitteln und eine Projektstelle zur Erarbeitung eines Beratungskonzepts für die Museen (beide 2001) eingerichtet. Ebenfalls 2001 stand der Umzug der Geschäftsstelle innerhalb von Ludwigshafen in die Von-Weber-Straße 54 an, wo sie bis heute ist. Tatsächlich existiert die Geschäftsstelle des Museumsverbands Rheinland-Pfalz allerdings erst seit 2003 in der Form, in der wir sie noch heute kennen: als ständige, hauptamtlich geführte Geschäftsstelle mit festem Sitz in Ludwigshafen am Rhein.

Für uns liegt die Antwort aber auch darüber hinaus auf der Hand: Wir können uns einfach keinen besseren Ort für unsere Geschäftsstelle vorstellen als Ludwigshafen mit seinem rauen Industriecharme, den kühnen städteplanerischen Utopien, dem „modernsten Bahnhof Deutschlands“ und der kurpfälzischen Mundart … Allen, die noch nicht überzeugt sind und Ludwigshafen nur als hässlichste Stadt Deutschlands kennen, sei die Teilnahme an einer der hiesigen Germany's Ugliest City Tours empfohlen. In deren Rahmen lernten bereits hunderte Menschen die Eigenarten, aber auch die Selbstironie dieser Stadt kennen und lieben.


 

#6 | Impressionen rund um die Geschäftsstelle des Museumsverbands Rheinland-Pfalz