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Zu Besuch im ZKM: „The Schlamm Is Everywhere - Havarierte Kunstwerke aus dem Stadtmuseum Bad Neuenahr-Ahrweiler“

Beinahe fünf Jahre nach der Flutkatastrophe im Ahrtal kehren zahlreiche Kunstwerke aus der städtischen Sammlung Bad Neuenahr-Ahrweiler dorthin zurück, wo ihre Geschichte beinahe geendet hätte. Bevor die Gemälde und ein Zeichenkonvolut das ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, das sie seit der Katastrophe beherbergt hat, verlassen, bot die Ausstellung „The Schlamm Is Everywhere“ noch einmal die Möglichkeit, ihnen zu begegnen – nicht als restaurierten Museumsstücken, sondern als sichtbaren Zeugnissen der Flutkatastrophe.

Für uns war der Besuch dabei mehr als ein Ausstellungsrundgang. Unmittelbar nach der Flut hatte der Museumsverband die Notbergung der Sammlungsbestände des Stadtmuseums Bad Neuenahr-Ahrweiler angestoßen. Maßgeblich initiiert wurde dies durch die damalige Geschäftsführerin Bettina Scheeder, die früh Kontakte koordinierte und Unterstützung für Bergung, Transport und Erstversorgung organisierte.

Die im ZKM gezeigten Werke machen die Wucht der Ereignisse vom Juli 2021 bis heute sichtbar: zerstörte Malschichten, aufgequollene Leinwände, Schlammspuren und Verwerfungen erzählen von jenen Tagen, in denen das ausgelagerte Depot des Stadtmuseums vollständig überflutet wurde und tausende Objekte über Wochen im Wasser lagen.

Nicht alle Werke konnten gerettet werden. Im Rahmen einer sogenannten Triage – einer Priorisierung nach Dringlichkeit beziehungsweise Machbarkeit – entschieden erfahrene Restauratorinnen und Restauratoren, einige Objekte bewusst in ihrem beschädigten Zustand zu belassen. Sie kehren nun als materielle Zeitzeugen der Flutkatastrophe ins Ahrtal zurück und erinnern daran, wie verletzlich kulturelles Erbe ist.

Gerade diese Werke entfalten eine besondere Eindringlichkeit: Sie dokumentieren nicht nur Verlust, sondern führen zugleich die Bedeutung eines funktionierenden Kulturgutschutzes vor Augen.

Der Ausstellungstitel geht übrigens auf einen Satz der Restauratorin Joanna Bella vom Erkenbert-Museum Frankenthal (Pfalz) zurück: „The Schlamm is everywhere.“ Ein Satz, der sich tief in die Erinnerung vieler Beteiligter eingebrannt hat – und der die Situation nach der Flut wohl treffender beschreibt als jede sachliche Bestandsaufnahme.


Dokumentation Kulturgutrettung Ahrtal 2021


So geht es seither im Ahrtal weiter: Wiederaufbau Kultur


Ansicht der historischen Brücke in Rech an der Ahr, die von der Flut zerstört und zwei Jahre später angebrochen wurde.
©  Kathrin Luber

Ansicht der historischen Brücke in Rech an der Ahr, die von der Flut zerstört und zwei Jahre später angebrochen wurde. Das Aquarell gehört zu den wenigen künstlerischen Ansichten der Brücke und symbolisiert heute stellvertretend die Zerstörung vieler Kulturdenkmäler in der Ahrregion.

Mehrere durch die Flut beschädigte Gemälde: Sichtbar sind massive Verformungen der Bildträger, an anderen Stellen haben sich Schutzpapier, Grundierung und Farbschichten untrennbar miteinander verbunden.
©  Kathrin Luber

Mehrere durch die Flut beschädigte Gemälde: Sichtbar sind massive Verformungen der Bildträger, an anderen Stellen haben sich Schutzpapier, Grundierung und Farbschichten untrennbar miteinander verbunden.

Durch die Flut beschädigtes Gemälde aus der Sammlung des Stadtmuseums Bad Neuenahr-Ahrweiler. Deutlich sichtbar sind die massiven Schäden an Malschicht und Bildträger: Leinwand, Farbschichten und das zum Schutz aufgelegte Papier haben sich durch Wasser, Schlamm und Trocknungsprozesse untrennbar miteinander verbunden. Das Werk wurde bewusst unrestauriert belassen und dokumentiert heute als Zeitzeuge die Folgen der Flutkatastrophe von 2021.

Schäden im Detail