Für uns war der Besuch dabei mehr als ein Ausstellungsrundgang. Unmittelbar nach der Flut hatte der Museumsverband die Notbergung der Sammlungsbestände des Stadtmuseums Bad Neuenahr-Ahrweiler angestoßen. Maßgeblich initiiert wurde dies durch die damalige Geschäftsführerin Bettina Scheeder, die früh Kontakte koordinierte und Unterstützung für Bergung, Transport und Erstversorgung organisierte.
Die im ZKM gezeigten Werke machen die Wucht der Ereignisse vom Juli 2021 bis heute sichtbar: zerstörte Malschichten, aufgequollene Leinwände, Schlammspuren und Verwerfungen erzählen von jenen Tagen, in denen das ausgelagerte Depot des Stadtmuseums vollständig überflutet wurde und tausende Objekte über Wochen im Wasser lagen.
Nicht alle Werke konnten gerettet werden. Im Rahmen einer sogenannten Triage – einer Priorisierung nach Dringlichkeit beziehungsweise Machbarkeit – entschieden erfahrene Restauratorinnen und Restauratoren, einige Objekte bewusst in ihrem beschädigten Zustand zu belassen. Sie kehren nun als materielle Zeitzeugen der Flutkatastrophe ins Ahrtal zurück und erinnern daran, wie verletzlich kulturelles Erbe ist.
Gerade diese Werke entfalten eine besondere Eindringlichkeit: Sie dokumentieren nicht nur Verlust, sondern führen zugleich die Bedeutung eines funktionierenden Kulturgutschutzes vor Augen.
Der Ausstellungstitel geht übrigens auf einen Satz der Restauratorin Joanna Bella vom Erkenbert-Museum Frankenthal (Pfalz) zurück: „The Schlamm is everywhere.“ Ein Satz, der sich tief in die Erinnerung vieler Beteiligter eingebrannt hat – und der die Situation nach der Flut wohl treffender beschreibt als jede sachliche Bestandsaufnahme.
Dokumentation Kulturgutrettung Ahrtal 2021
So geht es seither im Ahrtal weiter: Wiederaufbau Kultur


