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Aus der Katastrophe lernen: Museumstag und Mitgliederversammlung im Ahrtal

Fünf Jahre nach der Flut kehrte der Museumsverband Rheinland-Pfalz für Mitgliederversammlung und Museumstag am 19. Oktober ins Ahrtal zurück. Knapp 40 Vertreterinnen und Vertreter aus den Museen in Rheinland-Pfalz waren angereist, um sich hier über die Kulturgutrettung im Katastrophenfall zu informieren und Maßnahmen für ihre eigene Notfallplanung zu entwickeln.

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Zwei Wochen unter Wasser, eine ganze Region von der Außenwelt abgeschnitten: Die Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 machte die Rettung der städtischen Sammlung Bad Neuenahr-Ahrweiler zu einer außergewöhnlichen Herausforderung.

In dieser Ausnahmesituation mobilisierte der Museumsverband sein Netzwerk und organisierte konkrete Hilfe. Auf Initiative unserer damaligen Geschäftsführerin Bettina Scheeder gelang die Notbergung der Sammlung. Wir koordinierten die Ersthilfe, vermittelten Kontakte zu aufnehmenden Museen und organisierten Unterstützung durch Restauratorinnen und Restauratoren. Über einen eigens eingerichteten Spendentopf unterstützen wir die Restaurierung der städtischen Sammlung bis heute. Auch für das von der Flut schwer beschädigte Haus zum Schützen konnten wir Restaurierungshilfen unter anderem über die Ernst von Siemens Kunststiftung vermitteln.

Fünf Jahre später sind wir ins Ahrtal zurückgekehrt. Bei unserer Mitgliederversammlung und dem anschließenden Museumstag am 19. Oktober stand unter dem Titel „Vernetzen. Versorgen. Bewahren.“ die Frage im Mittelpunkt, welche Lehren sich aus der Katastrophe für die Notfallvorsorge in Museen ziehen lassen:

Christof Hierholzer vom Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) Karlsruhe berichtete über die Bergung, Erstversorgung und Restaurierung der durch die Flut beschädigten Objekte aus der städtischen Sammlung Bad Neuenahr-Ahrweiler. Nachdem das Depot rund zwei Wochen unter Wasser gestanden hatte, mussten zahlreiche Objekte unter schwierigen Bedingungen geborgen und auf verschiedene Einrichtungen verteilt werden. Anhand konkreter Beispiele verdeutlichte Hierholzer die außergewöhnlichen restauratorischen Herausforderungen: Schlammablagerungen waren teilweise kaum von originalen Malschichten zu unterscheiden, stark beschädigte Objekte mussten aufwendig zerlegt und behandelt werden. Nicht alle Schäden lassen sich vollständig beheben. Die Erfahrungen mit bislang unbekannten Schadensbildern liefern zugleich wichtige Erkenntnisse für die Entwicklung neuer Restaurierungsverfahren.

Björn Hirsch vom Amt für Brand- und Katastrophenschutz Koblenz widmete sich der Frage, wie Museen und Einsatzkräfte im Katastrophenfall wirksam zusammenarbeiten können. Im Mittelpunkt standen die Aufgaben örtlicher Notfallverbünde, die gemeinsame Einsatzplanung und die notwendige technische Ausstattung. Hirsch erläuterte unter anderem die Bedeutung speziell ausgestatteter Einsatzfahrzeuge und mobiler Notfallausrüstung sowie die Rolle von Fachberatern für Kulturgutschutz als Bindeglied zwischen Museen und Feuerwehr. Deutlich wurde, dass eine erfolgreiche Notfallbewältigung nicht allein von der verfügbaren Technik abhängt: Entscheidend sind frühzeitig geknüpfte Kontakte, klare Zuständigkeiten und abgestimmte Abläufe, damit im Ernstfall schnell und fachgerecht gehandelt werden kann.

Kulturstaatssekretär Denis Alt aus dem Ministerium für Kommunen, Bauen, Wohnen und Kultur RLP stellte die geplante Anschaffung von Großgeräten für den landesweiten Kulturgutschutz vor. Dazu gehören unter anderem ein mobil einsetzbarer Notfallcontainer nach Kölner Vorbild zur Erstversorgung geschädigten Kulturguts sowie ein speziell ausgestatteter Kulturgutschutz-LKW nach Thüringer Vorbild.

Den Abschluss fand die Tagung mit der Besichtigung des Schützenmuseums unter Leitung von Werner Kathe und dem Temporären Museumsdepot unter Federführung von Heike Wernz-Kaiser mit einem sehr interessierten und regen Austausch der Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmer. Die Berichte aus erster Hand machten das Ausmaß der Zerstörung greifbar – und zeigten zugleich, wie viel seither geleistet wurde. Bislang unbekannte Schadensbilder gaben wichtige Impulse für die Entwicklung neuer Restaurierungsverfahren. Die zentrale Erkenntnis: Kulturgutschutz beginnt vor dem Katastrophenfall. Hierfür braucht es Vorbereitung, Fachwissen und funktionierende Netzwerke – lange bevor der Ernstfall eintritt.

Die Flutkatastrophe habe die Dringlichkeit einer vorausschauenden Notfallplanung deutlich gemacht, erklärte der Verbandsvorsitzende Steffen Egle. „Bei der Vorsorge für den Ernstfall dürfen wir nicht nachlassen. Im Gegenteil: Wir müssen unsere Anstrengungen noch intensivieren.“ Zugleich betonte Egle die besondere Bedeutung des Tagungsortes: „Unsere Tagung hier im Ahrtal ist auch ein Signal der Solidarität mit der Region und der Wertschätzung für alle, die damals spontan geholfen oder im Nachhinein Unterstützung geleistet haben.“

Unser Dank gilt allen Mitwirkenden und Teilnehmenden für den fachlichen Austausch – und ganz besonders denjenigen, die nach der Flut geholfen haben und sich bis heute für den Erhalt der Sammlungen einsetzen.

Der kleine Barockengel kehrte als erstes Objekt restauriert ins Ahrtal zurück.
©  Kathrin Luber

Der kleine Barockengel kehrte als erstes Objekt restauriert ins Ahrtal zurück. Zu sehen im temporären Museumsdepot Bad Neuenahr-Ahrweiler.

Wieder gut in Schuss: Werner Kathe präsentiert die restaurierte Fahne der Junggesellen-Schützengesellschaft Ahrweiler.
©  Kathrin Luber

Wieder gut in Schuss: Museumsleiter Werner Kathe präsentiert die restaurierte Fahne der Junggesellen-Schützengesellschaft Ahrweiler.

Christof Hierholzer vom ZKM Karlsruhe berichtete über die Rettung und Erstversorgung der Flutobjekte 2021.

Christof Hierholzer vom ZKM Karlsruhe berichtete über die Rettung und Erstversorgung der Flutobjekte 2021.