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Museumsförderung des Landes 2023/2024

Kulturministerin Katharina Binz hat den Kulturförderbericht des Landes Rheinland-Pfalz für die Jahre 2023 und 2024 vorgestellt. Der vierte Kulturförderbericht zieht Bilanz über die kulturpolitischen Maßnahmen nach der Pandemie und umfasst gezielte Investitionen, neue Förderstrukturen und den Kulturentwicklungsplan für Rheinland-Pfalz. Unter den geförderten Maßnahmen in den rheinland-pfälzischen Museen sind etwa das Pilotprojekt Provenienzforschung oder das Kulturgutkataster für Rheinland-Pfalz....

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Finanzielle Förderung nichtstaatlicher Museen 

Das Ministerium für Frauen, Familie, Kultur und Integration unterstützt in Kooperation mit dem Museumsverband Rheinland-Pfalz die nichtstaatlichen Museen im Land. Ziel der Förderung ist die gezielte Weiterentwicklung der Museen durch den Ausbau ihrer Infrastruktur sowie die Realisierung wichtiger musealer Projekte. Im Förderzeitraum 2023 und 2024 konnten insgesamt 33 Projekte unterschiedlich großer Museen gefördert werden, 17 davon im Jahr 2023 und 16 Projekte im Jahr 2024. Dabei erhielten die Museen die Möglichkeit, eigene Vorhaben aus den Bereichen Sonderausstellungen, Neueinrichtungen, Vermittlung, Publikationen, Konservierung und Restaurierung sowie aus dem Förderschwerpunkt Digitalisierung umzusetzen

Stadt- und Festungsmuseum Germersheim 

Ein Beispiel für eine solche geförderte Maßnahme ist das Projekt zur Digitalisierung und kritischen Aufarbeitung der Sammlung zum Reichsarbeitsdienst (RAD) 2023 im Stadt- und Festungsmuseum Germersheim. Dabei wurden zahlreiche Objekte aus der NS-Zeit erfasst, darunter Uniformen, Werkzeuge, Abzeichen, Fahnen sowie persönliche Alltagsgegenstände und Dokumente. Besonders bemerkenswert war ein Tagebuch mit Einschussloch. Ziel des Projekts war es, die Sammlung nicht nur zu inventarisieren, sondern die Objekte auch historisch einzuordnen. Die umfangreiche RAD-Sammlung ist in Rheinland-Pfalz einzigartig. Mit der Inventarisierung leistet das Museum eine wichtige Vorarbeit für die geplante Neueinrichtung

Hunsrück-Museum Simmern 

Ein weiteres gefördertes Vorhaben war die Sonderausstellung „Neuland – 200 Jahre Auswanderung nach Brasilien“ im Hunsrück-Museum Simmern und im Stadtmuseum Kaiserslautern mit weiteren Partnern, die am 18. Mai 2024 eröffnet wurde. Sie beleuchtete die Geschichte deutscher Auswanderer, insbesondere aus dem Hunsrück und der Westpfalz, die im 19. Jahrhundert nach Brasilien zogen. Begleitend zur Ausstellung gab es eine mobile Pop-up-Ausstellung namens „ANDERLAND“, die interaktiv das Thema Auswanderung und Migration vermittelt.

Historisches Museum der Pfalz in Speyer 

Die Sonderausstellung „König Ludwig I. – Sehnsucht Pfalz“ (17. September 2023 bis 1. September 2024) wurde von rund 30.000 Personen besucht. Sie widmete sich dem Leben und Wirken des bayerischen Königs als Förderer von Kunst, Kultur und Wirtschaft und den vielen Spuren, die er in der Pfalz hinterlassen hat. Kunstwerke aus dem 18. und 19. Jahrhundert wurden ergänzt durch persönliche Kleidungsstücke des Königs, Auszüge aus Gedichten, die Ludwig I. schrieb, und Passagen aus Briefwechseln mit seinen Zeitgenossen, die einen privaten Einblick in seine Lebenswelt gaben. 

Erkenbert-Museum Frankenthal 

Ein Beispiel für gezielte Einzelprojektförderung war der Ankauf eines außergewöhnlichen Bildteppichs durch das Erkenbert-Museum Frankenthal. So konnte 2024 ein Wandteppich mit dem Motiv „David und Abigail“ aus dem späten 16. Jahrhundert erworben werden. Das kunsthistorisch wertvolle Stück mit aufwendiger Silber- und Goldfadenverarbeitung stammt vermutlich aus einer historischen Frankenthaler Werkstatt und kehrte nach mehr als 450 Jahren in die Stadt zurück.

 

Pilotprojekt Provenienzforschung 

2023 startete der Museumsverband Rheinland-Pfalz mit Förderung das MFFKI das „Pilotprojekt Provenienzforschung“. In seinem Rahmen wurde eine große Museumsumfrage erarbeitet und im ersten Halbjahr 2024 durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen: In der Mehrheit der Museen findet bislang keine systematische Provenienzforschung statt – häufig fehlen dafür finanzielle, personelle und zeitliche Ressourcen. Restitutionen wurden bislang nur vereinzelt durchgeführt, das Aufarbeitungspotenzial ist jedoch groß. Zahlreiche Häuser besitzen Objekte aus der NS-Zeit oder aus anderen Unrechtskontexten. Zur Vernetzung organisierte der Museumsverband Rheinland-Pfalz am 2. Juli 2024 ein Netzwerktreffen im LEIZA in Mainz. Zudem fand am 26. Juni eine Exkursion zur Ausstellung „Herkunft [un]geklärt“ im Landesmuseum Mainz statt. Am 15. November 2024 startete die zweite Projektphase mit einem sogenannten „Erstcheck“ zu NS-Raubgut in vier kleinen und mittleren Museen – dem ersten Projekt dieser Art in Rheinland-Pfalz. Es wurde vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste mit bis zu 40.000 Euro gefördert. Eine erfahrene Provenienzforscherin untersuchte die Sammlungen auf verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut. Die teilnehmenden Museen erhielten je einen Abschlussbericht für ihre weitere Forschungsarbeit

 

Weitere Projekte 

Im Rahmen des Projekts „WiM – Wandel im Museum“ wurden fünf kleine Museen dabei unterstützt, ihre Einrichtungen zukunftsgerecht weiterzuentwickeln: Stadt- und Festungsmuseum, Germersheim (Landkreis Germersheim), Terra-Sigillata-Museum, Rheinzabern (Landkreis Germersheim), Villa Böhm, Neustadt an der Weinstraße , Musikantenland-Museum, Thallichtenberg (Landkreis Kusel) und Friedensmuseum Brücke von Remagen, Remagen (Landkreis Ahrweiler). Dabei erhielten sie wertvolle Ratschläge durch zwei Museen, die bereits am Vorgängerprojekt teilgenommen hatten und nun als Mentoren fungierten. Im Rahmen zweier durch das Land geförderter Projekte wurde 2023/24 außerdem die Notfallvorsorge in Museen und anderen Kulturgutschutz-Einrichtungen systematisch gestärkt. Das „Pilotprojekt Kulturgutkataster“ lief von Dezember 2023 bis September 2024. Es erfasste landesweit Museen, Archive, Bibliotheken und deren Außendepots. Insgesamt wurden 440 Einrichtungen erfasst, darunter 222 museale Einrichtungen und 45 zugehörige Depots. Daran schloss sich das Folgeprojekt „Notfallplanung für die Sparte Museen“ an. Es entwickelte praxisnahe Materialien, wie eine Handreichung, Checklisten, einen Basis-Notfallplan und aktualisierte Notfallboxen. Zudem wurde ein Notfall-Emailverteiler für kurzfristige Krisenfälle eingerichtet.

 

Museum des Monats 

Die Auszeichnung „Museum des Monats“, die mit 1.000 Euro dotiert ist, wurde auch in den Jahren 2023 und 2024 fortgeführt. Die Auszeichnung wird bis März 2026 vergeben, dann werden insgesamt 44 Museen im ganzen Land ausgezeichnet worden sein. Mit dieser Auszeichnung soll die Arbeit kleiner und mittelgroßer Museen im gesamten Bundesland besonders gewürdigt werden. Geehrt werden Museen, die sich durch herausragende Ausstellungsprojekte zur Orts-, Regional- oder Landesgeschichte, innovative Vermittlungskonzepte, interessante digitale Angebote oder erfolgreiche Partizipationsprojekte auszeichnen. Ebenso berücksichtigt werden besondere Leistungen bei der Umsetzung von Barrierefreiheit, gesellschaftlichem Engagement, vorbildlichen Projekten zum Erhalt und zur Erschließung von Sammlungen sowie bemerkenswerte generationenübergreifende Bürgerbeteiligung. Alle Preisträger werden auf dem Museumsportal Rheinland-Pfalz präsentiert.

 

Arp Museum Bahnhof Rolandseck 

Das Arp Museum, das 2024 mit weit über 70.000 Besucher/innen einen Rekord erreichte, hat zunächst schon 2023 sehr erfolgreich vier neue Ausstellungen gezeigt: Franziska Nast, eine der jüngsten Künstlerinnen, die in der Museumssammlung vertreten ist, eröffnete das Jahr mit einem Allover aus raumgreifender Zeichnung, Tattoo-Art und Installation. Die Sammlung Kremer mit ihrem hochkarätigen Bestand an niederländischer Malerei folgte im Frühjahr. Christiane Löhrs fragile Architekturen aus Naturmaterialien in der Tradition der italienischen „Arte Povera“ waren bei Presse und Publikum besonders beliebt. Die Künstlerin zählt international zu den bekanntesten Positionen aus Rheinland-Pfalz. Die Ausstellung Heilige Körper in der Kunstkammer Rau beschloss das Ausstellungsjahr. Nach den pandemiebedingten Krisenjahren war das Museum erstmals wieder stabil auf Erfolgskurs. Die Ergänzung des Museumsangebots durch das Arp Labor im historischen Bahnhofsgebäude war ein Meilenstein der Öffnung des Hauses im Sinne von Inklusion, Partizipation und nachhaltigen Bildungszielen.

Die internationale Kooperationsausstellung Maestras eröffnete das Ausstellungsjahr 2024. Malerei von Frauen seit Mittelalter und Renaissance bis in die Moderne wurde gezeigt und damit ein bisher wenig beleuchtetes, derzeit aber sehr gefragtes Kapitel der Kunstgeschichte präsentiert. Ein überragender Erfolg bei Presse und Publikum belohnte dieses ehrgeizige Unterfangen mit über 70 Leihgaben aus prominenten internationalen Sammlungen und Privatbesitz.

Kiki Smith, eine der erfolgreichsten Künstlerinnen ihrer Generation, zeigte in einer intimen wie überwältigenden Schau textile Arbeiten und wandfüllende Zeichnungen von 1980 bis heute. Für die transatlantische Ausstellung konnten zwei internationale Partner gefunden werden – Montenegro und Schweden. Eine Ausstellung zu den Geschlechterbeziehungen bei Dada widmete sich einem zentralen Thema unseres Hauses und präsentierte wissenschaftliche Grundlagenarbeit in Kombination mit spielerischen, partizipativen Angeboten. Beides wurde gut angenommen. Eine Ausstellung zum Thema Wasser: Im Fluss beendete das Ausstellungsjahr. Bilder des Impressionismus standen den durch die Ahrflut aktuellen Themen der Katastrophe und der Urgewalt des Elements gegenüber. Das Arp Labor hat sich inzwischen voll etabliert und ist auch im Sinne eines dritten Ortes ein echtes Modellprojekt in Rheinland-Pfalz.

 

TRAFO-Projekt „Westpfälzer Musikantenland“ 

Der Landkreis Kusel wird seit 2019 mit rund 1,5 Mio. Euro aus dem TRAFO-Programm der Bundeskulturstiftung gefördert. Das Land stellte bisher zur Kofinanzierung 330.734 Euro bereit. In dem Projekt untersuchen Museen, Vereine und Dorfgemeinschaften, wie ihre 150 Jahre alte Tradition Impulsgeber für neue kulturelle Initiativen und zeitgenössische Identität sein kann. Das „Musikantenlandbüro” unterstützt Museen bei der zeitgemäßen Vermittlung des historischen Erbes. Es fördert Kooperationen, in denen es neben der Musik auch um aktuelle Themen wie Gemeinschaft, Migration oder Resilienz geht.

 

Blockbuch im Gutenberg-Museum Mainz 

Das Gutenberg-Museum Mainz konnte im April 2024 mit Unterstützung eines breiten Bündnisses ein seltenes Blockbuch, eine sog. Biblia Pauperum (ca. 1460), erwerben. Der Kaufpreis der 40-seitigen Bibel betrug rund 1,85 Mio. Euro. Die Finanzierung erfolgte durch die Kulturstiftung der Länder (750.000 Euro), die Stadt Mainz (780.000 Euro), die Stiftung zur Förderung des Gutenberg-Museums (120.000 Euro), die Stiftung Moses (100.000 Euro) sowie das rheinland-pfälzische Kulturministerium (100.000 Euro). Blockbücher haben einen hohen buch- und verlagsgeschichtlichen Wert. Sie markieren den Übergang von der Handschriftenkultur zum Buchdruck. Die Druckplatten der einzelnen Seiten wurden im Holzschnittverfahren hergestellt. Vor der Erfindung der beweglichen Lettern konnten so bereits Bücher in kleinen Serien produziert werden. Blockbücher wurden häufig als Gebrauchsliteratur produziert, weshalb sich die Bücher im Alltag häufig abnutzten. Ein Exemplar in der Qualität und Vollständigkeit wie dieses Blockbuch ist bundesweit einmalig. Das mittelalterliche Blockbuch wird in der Dauerausstellung des Gutenberg-Museums gezeigt und ist damit für die Öffentlichkeit und für die Forschung zugänglich


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